Archiv für Oktober 2011

Mummy: Prelude, Part III

Als Aminte Wiedergeboren

Als ich erwachte, ging es mir besser. Ich fühlte mich leicht, beschwingt und sah mich zunächst erst einmal um. Bei meinem eigenen Anblick erschrak ich, denn ich lag noch immer in einem völlig zerwühlten Bett. Ich sah noch einmal an mir herunter. Kein Zweifel, hier stand ich und sah mir beim Schlafen zu.
Eine außerkörperliche Erfahrung, die ich vielleicht in meinem Buch über ägyptische Mythologie verwenden könnte. Schlief ich wirklich? Irgend etwas stimmte hier nicht. Ich erinnerte mich wieder, mir war komisch gewesen. Es war schwieriger gewesen zu duschen und danach ins Bett zu gelangen, als es hätte seien sollen. Motorische Probleme. Probleme mit dem Nervensystem.
Flüssige Gehirne.

Bevor ich untersuchen konnte ob ich noch atmete und schlief oder doch schon tot war, bemerkte ich sie. Eine beeindruckende Frau, die mit mir im Zimmer stand und mich anstarrte.
Sie war halb nackt, trug Kleidung und Schmuck einer Königin, nein, einer Pharaonin und übertraf dabei alle Schauspielerinnen, die jemals eine Pharaonin dargestellt hatten.
Ich sei tot, sagte sie mir. Tot. Gestorben. Fassungslos blickte ich sie an, blickte meinen Leichnam an. Natürlich, tot, flüssiges Gehirn.
Ich faselte etwas davon, dass es so nicht sein durfte. Ich hatte gewartet auf den Tod, war darauf eingestellt gewesen zu sterben. Jeden Tag hatte ich mit dem Tod gerechnet und dabei völlig außer acht gelassen, dass Zaid irgendwo stationiert war und erst in ein paar Wochen von der Geschichte erfahren würde.

Alles war umsonst gewesen.
Aber Bint-Anat bot mir an, mir zu helfen, mich zu unterstützen, gemeinsam alles in Ordnung zu bringen. Mit Tränen in den Augen wendete ich mich ab von meinem Leichnam, kehrte meinem alten Ich den Rücken zu.
Schluchzend brach ich vor der Pharaonin zusammen. Alles war zwecklos gewesen, ich war tot und ich hatte Amani nicht aus der Knechtschaft befreit.
Ich streckte die Hände nach ihr aus wie ein Bettler, der um sein Leben flehte und brachte noch immer schluchzend hervor, dass ich auf ihr Angebot eingehen würde, dass ich in Ordnung bringen wollte, was geschehen war. Wie ein Ertrinkender an einen Rettungsring klammerte ich mich an ihre Knöchel und flehte sie um Erlösung an.

Sie erhörte mich, nur dafür war sie schließlich hier, um mich zu erlösen von, ja, wovon eigentlich? Ich schätze, von mir selbst.
Sie beugte sich zu mir herunter und umarmte mich und dann durchfuhren mich unsagbare Schmerzen. Tausende von Messern bohrten sich von allen Seiten in mich, jede einzelne meiner Zellen wurde zerschnitten und schrie auf vor Agonie.
Mir fehlen die Worte, um die Schmerzen der Vereinigung angemessen zu beschreiben, denn es waren keine Schmerzen des Fleisches ausgelöst durch Transmitter und Nerven. Es waren Schmerzen der Seele, losgelöst von allem Stofflichen, pure, wahre Schmerzen.

Dann war es, als ob ich auf die Rückbank gedrängt wurde. Ich spürte, wie sie versuchte mir mitzuteilen, dass ich mich nicht wehren sollte, es einfach geschehen zu lassen. Es würde nicht für immer so bleiben. Ich würde nicht für immer auf der Rückbank meines Körpers sitzen und mich wankend mit flüssigem Gehirn schlurfend vorwärts bewegen.
Bevor sie den Raum verlassen konnte versuchte ich ihr mitzuteilen, wie sie sich um meine Sachen kümmern musste, mein Reisegepäck und die Gehirnproben aus Uganda, aber sie schien mich nicht recht zu verstehen und nahm einfach alles mit.

Mir wurde schwarz vor Augen und ich verlor das Bewusstsein. Nur ab und an konnte ich aus meinem Körper hinaus spähen. Wir waren in der Wüste, wanderten durch die Dünen, durch den Sand.
Der Sand war überall, unter meiner Kleidung, in meinen Schuhen, in den Haaren und in jeder anderen Öffnung meines Körpers.

Immer noch Wüste, soweit das Auge reichte. Meine Kleidung hing in Fetzen, meine Haut und mein Fleisch auch. Dem Gepäck ging es nur unwesentlich besser.

Wir erreichten ein Dorf mitten in der Wüste. Wie konnten hier nur Menschen überleben? Der Sand musste sie doch alle umbringen, so wie er mich umgebracht hätte, wäre ich nicht bereits tot gewesen.
Eine kleine Oase, Pflanzen, Grün und Blau inmitten eines Meeres aus Gelb und Braun.
Die eine Hälfte der Häuser war zerstört, geschmolzen. Welche Kraft auf dieser Welt konnte Häuser aus Stein zum Schmelzen bringen?

Dann sah ich einen kleinen Tempel. Ich brauchte einen Moment, bis ich ihn erkannte, ein Tempel des Ammun, der versteckten Macht. Vor dem Tempel arbeitete eine junge Frau, sie kümmerte sich um die Blumen. Als sie mich erspähte, geriet sie nicht etwa in Panik ob des wankenden Leichnams, der ihr entgegen schlurfte. Nein, sie schien sich zu freuen und mir entgegen zu eilen.
Wir gingen hinab und betraten einen Tempel. Er war nicht groß, aber es waren einige Menschen dort, fleißig etwas vorbereitend. Wie die Ameisen gingen sie pflichtbewusst ihrer Aufgabe nach.
Offenbar hatte man uns schon erwartet. Man geleitete uns auf einen Altar, wusch uns, säuberte uns und ölte uns ein. Schließlich wurden wir mumifiziert, naja, zumindest in für den Lebenszauber angemessene Bandagen gewickelt.

Bint-Aat führte mich in eine gewaltige Halle. Mir fiel auf, dass ihre Gestalt jetzt nicht mehr so viel Substanz hatte wie bei unserer ersten Begegnung. Sie war durchscheinend, transparent, so wie man sich gemeinhin einen Dschinn oder Geist vorstellte. Der Weg hierher war lang und beschwerlich gewesen, aber die Pharaonin war eine erstaunlich gute Führerin. Ich sollte später herausfinden, dass sie eine wahre Koryphäe war, was die Welt hinter dem Leichentuch anging.

Rund um diese Halle herum saßen 42 Richter, ich musste sie nicht zählen, ich wusste einfach, dass es 42 waren. Welch eine seltsame Zahl. Irgendetwas war mit dieser Zahl, ich kannte sie. Ja, richtig, das Buch des Thoth, in dem alles Wissen der Welt niedergeschrieben stand, bestand aus 42 Schriftrollen.
Es gibt keine Zufälle.

Anubis stand dort und forderte uns auf zu bestätigen, warum wir hier seien. Bint-Anat ergriff das Wort. Dann war ich an der Reihe.
„Ich bin Melekh. Ich bin hier, um den Lebenszauber zu empfangen, um gemeinsam mit Bint-Anat Dinge wieder in Ordnung zu bringen.“ Ich wusste nicht, was ich sonst hätte sagen sollen.
Sie würde mir helfen, Amani zu retten und den Phänomenen in Uganda auf die Schliche zu kommen, und ich würde dafür mich dafür im Ausgleich um andere Probleme kümmern. Ich wusste nicht genau, was sie vor hatte, was gemeint war. Vermutlich ähnliche Probleme wie die meinen, nur älter.
Offenbar hatte ich das Richtige gesagt. Zuerst wurde eine weiße Feder gewogen, dann musste ich mich auf eine Digitalwage stellen. Bitte. Anubis mit einer Digitalwage? Dass ich nicht lache. Welch schlechter Scherz.

Auch um mich herum lachte niemand, sie waren alle mit Ernst bei der Sache. Als er auch nach meinem Zögern nicht die Seelenwage hervor holte, gab ich nach und stellte mich auf seine Digitalwage. Einfach lächerlich, ein Gott mit einer Digitalwage. Das würde ich niemals in meinem Buch erwähnen, oder vielleicht doch?

Es dauerte eine Weile und dann spuckte die Wage einen endlos langen Bon aus. Wie an einer Kasse im Supermarkt, wenn man zu viel eingekauft hatte. Offensichtlich stand nicht nur das Gewicht meines Herzens auf diesem Bon, sondern mein ganzes Leben. Alles was ich getan und gedacht hatte und vieles, was ich versäumt hatte zu denken oder zu tun.
Dann begann die Diskussion. Endlos lange diskutierten die 42 über meine Taten und darüber, was ich hätte tun können, bis sie zu ihrem Entschluss gelangten.
Ich war würdig, nein, wir waren würdig.

Erneut Schmerzen. Schlimmer noch als bei ihrer ersten Umarmung. Ich war mir nicht darüber im Klaren gewesen, dass dies überhaupt möglich war.
Jetzt würde ich sterben, denn ich sah, wie mein ganzes Leben an mir vorüber zog. Uganda, das Cleopatras, der Abend mit Amani, einfach alles und in verkehrter Reihenfolge.
Je näher wir meiner Geburt kamen, umso gefasster machte ich mich auf das Ende. Die Fresserin würde mich verschlingen, ich war doch nur Futter für Amut.

War ich doch nicht würdig gewesen, reichte Bint-Anat nicht aus, um meine Fehlerhaftigkeit aufzuwiegen?
Dann begann ihr Leben. Sie war eine mächtige, einflussreiche Frau und später auch Pharaonin gewesen. Wir beide waren uns gleicher, als ich erwartet hatte. Auch sie blickte auf eine Liebesgeschichte zurück, die in der heutigen Zeit mehr als nur gehobene Augenbrauen zur Folge hätte. Darum also war sie zu mir gekommen. Wir waren einander ähnlich. Durch ihr Leben lernte ich, dass an meinen Gefühlen für Amani nichts Verwerfliches war.

Gemeinsam würden wir dafür kämpfen, sie von Zaid und dem Rest meiner Familie zu befreien.
Und dann würden wir uns gemeinsam ein neues Leben aufbauen. Ein Leben, in dem wir anderen Menschen helfen würden, die ihr Leben nicht in Freiheit, nicht selbstbestimmt, leben durften.
Dann erwachte ich. Nur ich. Bint-Anat und ich waren nicht mehr wir, nicht mehr zwei, die sich meinen Körper teilten. Wir waren jetzt eins, sie war ein Teil von mir geworden, so wie mein Herz oder mein Gewissen ein Teil von mir war.

Seitdem bin ich nicht mehr Melekh ibn Metschetschi, seit ich erwachte, bin ich Melekh Bint-Anat.
Aber zunächst war ich eine Mumie. Immer noch in Bandagen gehüllt, unfähig mich zu bewegen.
Meine Bemühungen irgendetwas zu tun, die Welt wahrzunehmen, zogen die Aufmerksamkeit der Gärtnerin auf sich. Sie trat an meine Seite und half mir die Bandagen zu entfernen.
Es war berauschend. Mit jedem Quadratzentimeter Haut, den wir freilegten, konnte ich mehr von der Welt um mich herum wahrnehmen.

Der herzhafte Duft von Kräutern und Ölen umgab mich und wurde immer intensiver. Mir entging kein Luftzug und war er noch so schwach, sofort stellten sich einige Härchen auf und wurden zu einer Gänsehaut, die mir Kühlung in der sengend heißen Wüstenluft versprach.
Dann endlich war ich befreit. Nicht nur von den Bandagen, mit jedem Fetzen, den wir entfernt hatten, hatten wir ein Stück meiner alten Unentschlossenheit entfernt. Ich wusste jetzt genau, was ich tun wollte, was ich tun musste. Die Zeit, das Leben so hinzunehmen wie es andere formten, war vorbei. Dies hier war mein Leben und ich war frei es mir zu nehmen und es so zu leben, wie ich es schon all die Jahre hätte leben sollen. Wie ich es mir all die Jahre gewünscht hatte.

Nackt saß ich inmitten eines riesigen Haufens aus Leinenfetzen, wie eine Libelle, die alte, abgestorbene Haut des Larvenzustandes hinter sich lassend, um einem neuen Leben in den Lüften entgegen zu fliegen. Nur war ich wohl weniger räuberisch gewesen als eine Libellenlarve.
Ich sah auf zu der Gärtnerin, sie trug einen schlichten weißen Kaftan, nur gut, dass kein direktes Sonnenlicht auf sie fiel, es hätte mir das Augenlicht genommen.
Ihre Haut war fast ebenso weiß wie ihr Kaftan, nur ein Hauch von Bräunung unterschied die beiden Farben. Wie konnte man hier in der Wüste nur so weiß bleiben?

Hellblonde Haare reichten ihr bis zu den Schultern, stufig geschnitten und nicht gerade ordentlich frisiert. Haare von der Farbe reifen Weizens sah man nicht oft in Khem, aber noch während ich über ihre Haare nachdachte, wanderte meine Aufmerksamkeit weiter zu ihren überaus blauen Augen. Ich glaube, noch nie hatte ein Blick so sehr die Beschreibung wässrig verdient.

Dann versuchte ich zu sprechen, aber statt Sprache ertönten nur zombiehafte Stöhngeräusche, meinem gehirnlosen Zustand wesentlich angemessener als meiner neuen lebendigeren Form.
Sie schaltete und reichte mir ein Glas mit Wasser, aus dem ich schnell einen Schluck nahm.
Nur kurz die Lippen, den Gaumen, die Zunge befeuchten und dann schnell runter damit. Ich trank niemals Wasser, immer nur Tee. Es schmeckte so sehr nach nichts, dass ich es einfach nicht schlucken mochte. Dieses Wasser jedoch war ganz anders. Es war köstlicher, erfrischender als jedes andere Getränk, von dem ich jemals gekostet hatte. Man konnte schmecken, dass es dieses Wasser war, welches Leben spendete, welches eine grüne Oase in den Tiefen der Wüste überhaupt möglich machte.
Erstaunt sah ich zunächst das Wasser und dann meine Gönnerin an. Sie lächelte mich freundlich an, wissend. Sie wusste genau, was in diesem Moment in mir vorging.

Vielleicht aber auch nicht so genau, wie sie dachte. Ihre Wangen verfärbten sich und wurden rosa wie Pfirsichblüten, erst langsam und dann immer schneller. Offensichtlich war ihr aufgefallen, dass ich noch immer nackt war. Sie verfiel in hektische Aktivität, verschwand kurz und kehrte dann mit einem weißen Kaftan zurück, den ich mir überziehen konnte, damit sie mich nicht mehr sehen musste.
Dann ging alles sehr schnell, ich kann mich nicht mehr entsinnen, was in welcher Reihenfolge geschah, sie wollte mir irgendetwas erzählen, beibringen, erklären.
Vermutlich wusste sie nicht, wie umfassend Bint-Anats Wissen war, was die Welt hinter den Spiegeln anging und damit auch unser aller Feind, den Verderber, die Große Schlange.

Mich aber interessierte nur eines.
Amani.

Wieviel Zeit war vergangen? Ich musste es wissen.
2 Monate, ich war 2 Monate wie vom Erdboden verschluckt gewesen.
Dann kam es jetzt auch auf keinen weiteren Tag mehr an. Wenn die Welt sich zwei Monate ohne mich weitergedreht hatte, würde sie es sicher auch noch einige weitere Tage schaffen, in denen mir Naranj erklärte, was auch immer sie mir erklären wollte.

Aber sie hatte gesehen, dass es etwas gab, tief in meinem Inneren, das mir wichtiger war als alles sonst auf der Welt. Ich weiß nicht, ob die 42 Richter mit dieser Einstellung einverstanden gewesen wären. Aber sicherlich hatte es auf meinem Bon gestanden, vielleicht hatten sie sogar darüber diskutiert? Es war mein Bann. Im Moment konnte ich mir nichts vorstellen, was ich nicht für Amani getan hätte. Ein Schmunzeln breitete sich in meinem Gesicht aus, als ich an meine Selbstmordpläne denken musste. Traurig. Jetzt konnte ich so viel mehr unternehmen. Nein, jetzt würde ich endlich etwas unternehmen, die Fähigkeit dazu hatte ich schon immer gehabt.

Naranj meinte, ich solle mein Handy auf neue Nachrichten überprüfen, es wäre noch intakt.
Ich durchwühlte meine wenigen Habseligkeiten, förderte das Handy zu Tage. Es hatte tatsächlich noch Strom, es musste irgendwann ausgeschaltet worden sein.
So hektisch, dass ich die Tasten kaum zu treffen vermochte, öffnete ich das Mitteilungsverzeichnis und blickte auf fast ein Dutzend SMS meiner Schwester.

Ich begann mit der ältesten und arbeitete mich in chronologischer Reihen folge vor.

31.08: Z. kommt am 10.09 zurück

Sie wollte mich immer noch warnen. Aber ich war in Sicherheit um mich brauchte sie sihc keine Sorgen mehr zu machen. Ihr wohl war es, was mich bedrückte. Hoffentlich würde Zaid ihr nichts antun.

07.09: Noch 3 Tg. Sollte ich mich nicht nicht fürchten, wenn doch alles richtig ist?

Meine neugewonnene Freiheit entschwand wieder, genauso plötzlich wie ich von ihr gekostet hatte. Wenn alles richtig wäre, würdest du dich nicht fürchten. Dann wäre ich bei dir, würde die beistehen. Zusammen hätten wir einen Plan entwickelt, dem selbst Zaid nichts entgegenzusetzen hätte.

14.09: Wieder zurück. Die Kinder müssen 5m Abstand halten. Ich bin das Böse.

SMS für SMS legte sich ein schwerer Eisenring nach dem anderen um mein Herz. Eingeängt. Wie konnte er es wagen. Was hatte er schon mit den Kindern zu schaffen. Amani. Niemand war für dich da. Ich hätte da sein müssen. Hätte dich in den Arm nehmen müssen, hätte einen Weg finden müssen dich und sie zusammen zu bringen.

21.09: So viele Tränen und nicht genug. Wo bist du? Sags nicht, aber melde dich.

Meine neugewonnene Tatkraft verflog. Ich bin hier Amani. Ich will nichts weiter als zu dir kommen, dir helfen. Aber ich war nicht da. Ich konnte nichts sagen, habe mich nicht gemeldet. Ich war tot.

28.09: Hast du mich auch verlassen? Wolltest du mich nicht nie verraten?

Nein. Ja. Ich wollte es nicht Amani, du musst mir glauben ich wollte es nicht. Aber was ich wollte war nicht von Bedeutung. In seinem Stahlgefängnis erstarrte mein Herz zu Eis. Sie hatte Recht. Ich hatte sie verlassen. War nicht für sie dagewesen. Bin wie immer nur weggelaufen. Und dann habe ich den ultimativen Rücktritt angetreten und bin gestorben. Ja Amani, ich habe dich verraten. Aber nicht nur das ich habe auch mich verraten. Wie sollte ich es nur jemals wieder gut machen. Ich hatte alles verraten was mir lieb und teuer war. Ich hatte meine Liebe zu dir verraten. Aber nicht erst jetzt. Seit 10 Jahren schon. Schon immer hatte ich alles verraten.

05.10: Ohne Sinn und Sinne. Zuschauerin in meinem eigenen Leben. Hasst du mich auch?

Leere. Sie breitet sich aus in mir. Absolute Leere, der Schlund der Fresserin, ich konnte spüren wie er sich langsam in meinen Eingeweiden öffnete. Beiseite schob, was ich nicht mehr, was ich nie wieder brauchen würde. Und dann begann sie mich zu verschlingen. Erst langsam und dann immer schneller wurde mein ganzes Sein von Verzweiflung von Leere überflutet und fortgerissen. Nichts würde von mir übrig bleiben, nur eine leere Hülle. Nur die Haut einer Libelle.

12.10: Ich ertrage das alles nicht mehr. Keine Kraft mehr.

Die letzte SMS fehlte.

Mein Herz blieb stehen.

Tränen schossen mir in die Augen.

Nur ein einziges Wort kam über meine Lippen. Es brach hervor wie ein Vulkanausbruch, ertönte wie das Brüllen eines Löwen: „Nein!“

Es durfte nicht sein. Ich wollte doch alles wieder in Ordnung bringen! Bint-Anat hatte gesagt, wir würden alles wieder in Ordnung bringen. Ich hatte versagt. Ich hatte zu lange gebraucht. Alles war verloren. Dafür war ich nicht wiedergeboren worden.

Aber Naranj ließ sich von meinem Zusammenbruch nicht beirren. Sie zerrte mich in einen anderen kühlen Raum, fort aus der Sonne, in der ich sonst sicherlich abermals ausgeharrt hätte, bis nur noch eine verdorrte Hülle übrig gewesen wäre. Sie brachte mich in ihr Arbeitszimmer, ihren Computerraum.
Und was für eine Anlage sie besaß, überall summten die Lüfter. Auf verschiedensten Bildschirmen blinkten die unterschiedlichsten Statusmeldungen auf, alle waren beschäftigt.

Neugierig beobachtete ich Naranj, während sie mit einigen schnellen Handgriffen nicht nur Totenanzeigen, sondern auch Listen mit Patienten in den verschiedensten Krankenhäusern aufrief. Beeindruckend, so vertrieb sich eine kleine blonde Frau also die Zeit in der Wüste.
Amani war nicht gestorben und befand sich auch in keinem der Krankenhäuser.
Ich war mir nicht ganz sicher, ob sie wirklich noch lebte, aber Naranj blieb zuversichtlich und so begann ein winzig kleiner Funken Hoffnung tief in mir zu glimmen, begann erneut ein Feuer zu entfachen.

Nachdem ich Amani eine SMS geschrieben hatte, in der ich einiges erklärte, ohne dabei die Aminte zu enthüllen ging es mir etwas besser. Die unmittelbare Gefahr war hoffentlich gebannt. Also tat ich Naranj den Gefallen und unterhielt mich mit ihr. Sie erzählte mir von den Ägyptischen Göttern, den Konflikten, die es um dieses Land gegeben hatte und wie sie sich zu einem Konflikt um die ganze Welt ausgeweitet hatten. Das meiste wusste ich bereits, aber Naranj und auch meine Erinnerungen, die ich wohl von Bint-Anat geerbt hatte, halfen mir dabei, alles besser zu verstehen. Zusammenhänge und Probleme traten vor mein inneres Auge, Dinge, die in Ordnung gebracht werden mussten.

Als Aminte standen mir auch die Hekau, alte ägyptische Zauber, zur Verfügung um zu tun, was getan werden musste. Naranj schien mir um einiges voraus und brachte mir im Schnellverfahren einige einfache Tricks bei. Irgendwann später würden wir uns um kompliziertere Hekau kümmern, aber jetzt blieb keine Zeit. Ich wollte das Sechet-Iaru und die tiefsten Abgründe der Duat in Bewegung setzen, um Amani zu helfen.

Aber wo sollte ich nur anfangen?
Ich entschied mich dafür, bei Naranj anzufangen und so erzählte ich ihr die lange traurige Geschichte meines Lebens. Gebannt hörte sie zu und anders als ich bei ihrem abendländischen Aussehen vermutet hätte, wandte sie sich nicht von mir ab, sondern wollte mir helfen. Sie selbst musste hier beim Tempel des Ammun bleiben und gemeinsam mit ihren Helfern, sie bestand auf dieses Wort, die Häuser instand halten und eventuelle Aminte auf ihrer Hadsch in Empfang nehmen, auch wenn nur selten jemand hier eintraf.

Aber vor kurzem waren einige andere Aminte wiedergeboren worden, Abendländer aus Helsinki, an die ich mich wenden könnte, die mir bestimmt helfen würden.
Helsinki? Zufälle gibt es nicht, hätte Wittgenstein jetzt gesagt und ich beschloss, mir dieses Motto zu eigen zu machen. Auch die Gehirnprobe aus Uganda musste immer noch nach Helsinki. Die Sonne hatte vermutlich so einiges verdorben und mir graute schon vor einem erneuten Ausflug in das Epidemiegebiet, aber Naranj hatte seit meiner Ankunft die Kühlbox in Stasis versetzt.
Es war eines der Hekau, die sie mich gelehrt hatte. So lange man sich regelmäßig auf einen bestimmten Gegenstand konzentrierte, konnte man ihn in dem Zustand erhalten, in dem er war.
Darum musste Naranj auch hier bleiben. Die Häuser bestanden aus einem wasserlöslichen Gestein und vor einem halben Jahrhundert hatte der Regen sie geschmolzen.
Heute aber verhinderte sie, dass so etwas noch einmal geschehen würde.

Trotzdem würde sie riskieren, mich nach Misr zu fahren. Ich hatte keinen Führerschein und aus mir unbekannten Gründen wollte sie keinen der Helfer schicken. Ich glaube, so eine Oase in der Wüste konnte ganz schön langweilig werden und sie brauchte einfach etwas Abwechslung.

Sie raste wie eine Verrückte, beherrschte ihren Jeep aber mindestens so gut wie ihren Computer und so kamen wir nach einer fünfstündigen Fahrt in Misr an. Dort musste ich mich leider auf unbestimmte Zeit verabschieden, aber wir tauschten Telefonnummern und dergleichen aus, um in Kontakt zu bleiben.
Ich würde ihre fröhliche Art sehr vermissen, vor allem oben im kalten Norden, wo alles dunkel und grau war.
Die drei Tage in ihrer Oase und auch unsere Gespräche während der Autofahrt hatten mir gut getan.
Sie war der einzige Mensch, der alles über mich wusste.
Und dabei war sie nicht einmal ein Mensch.

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Mummy: Prelude, Part II

Flüssiges Gehirn

Von einem lauten Hämmern wurde ich aus dem Schlaf gerissen. Eine Melodie, auch mein Handy klingelte. Jemand polterte gegen meine Wohnungstür, als wollte er sie zertrümmern. Neben mir lag Amani, nur gehüllt in ein Laken. Ich trug noch immer die gleichen Klamotten wie am Abend, zerknittert und verschwitzt.
Gleich würde die Tür zersplittern.
Ich verließ vrsichtig das Bett, deckte Amani sorgfältig zu und noch während ich begann mit meinem Vater zu telefonieren machte ich mich auf den Weg um meine Tür vor ihrem Untergang zu bewahren und Kamahl einzulassen. Zumindest entnahm ich den Äußerungen meines Vaters, dass er es war, der gleich meine Wohnung zerstören würde.
Wäre ich schlauer gewesen, hätte ich meinen Vater abgewimmelt und die Tür verstärkt statt sie zu öffnen. Aber ich tat wie mir geheißen und lies meinen Bruder ein, eine tobende Bestie die gleich an mir vorbei ins Wohnzimmer stürzte.

Ich versuchte ihn aufzuhalten, mich in den Weg zu stellen, aber genauso gut konnte man versuchen eine Gnuherde mit Flatterband aufzuhalten.
Kamahl brüllte irgendetwas, als er meine Schwester sah, die sich gerade nur in ein Bettlaken gehüllt erhob.
Ich verstand nicht viel, aber das eine Wort welches ich hörte reichte schon, „Hure“. Hätte ich ein Messer in der Nähe gehabt, Kamahl wäre jetzt tot.
Noch bevor ich über das fehlende Messer nachdenken konnte, hatte sich meine Hand zu einer Faust geballt und war ihm ins Gesicht geschnellt.
Der Schmerz des Aufschlags war mir sicherlich ebenso deutlich ins Gesicht geschrieben wie ihm die Überraschung, was sein kleiner verweichlichter Bruder da eben getan hatte.
Plötzlich explodierte er und versuchte mich zu erwischen, mir den Angriff heimzuzahlen. Aber gestärkt von dem Abend mit Amani wich ich ihm aus, ohne dass er mir ein Haar krümmte. Der Buchrücken irgendeines Medizinbuches, deutlich stabiler als seine Hand, überzeugte ihn davon sich doch ein wenig zu beruhigen.

Amani hatte sich davon geschlichen und als sie das Badezimmer verlies wurde sie unsanft gepackt und nach draußen gerissen. Ich konnte nichts tun um sie zu schützen und brach einfach nur verzweifelt zusammen.

Später stand mein Vater bei mir auf der Schwelle, er erklärte mir, dass ganze wäre nicht zu leugnen ich solle es gar nicht versuchen. Meine zerknitterten und verschwitzten Klamotten interessierten offenbar niemanden, und dass ich keine zwei getrennten Betten besaß auch nicht. Schade. Ich sollte nie wieder nach Alexandria kommen, würde meine Schwester nie wieder sehen und wäre nicht mehr sein Sohn. Allerdings wollte er auch keine große Geschichte aus dem ganzen machen um die Familie nicht schlecht dastehen zu lassen. Zaid würde es aber erfahren und was er dann unternahm war seine Sache.
Als ob irgendetwas jetzt noch eine Rolle spielte. Nie wieder. Ich würde sie nie wieder sehen.
Ich war praktisch schon tot. Was sollte man mir jetzt schon noch antun.

Kaum hatte mein Vater die Wohnung wieder verlassen, führte ich mich auf wie Kamahl wenige Stunden zuvor. Regale wurden von den Wänden gerissen und Bücher flogen durch das Zimmer bis es ausreichend verwüstet war um den Zustand meiner Seele wieder zuspiegeln.
Mit blutigen Händen und Sehnen die sich anfühlten wie aus einem Legobausatz schlurfte ich die Straßen hinab zum Nil.
Es war nicht weit. Auf der erstbesten Brücke lies ich mich nieder und starrte hinab in die trüben Fluten. Einst hatten sie Khem dem schwarzen Land das Leben gebracht, mir brachten sie das Vergessen.
Kleine Steinchen und in tausend Stückchen zerrissene mit Blut beschmierte Gräser wurden fortgespült, so wie meine Träume fortgespült worden waren.
Ich saß den ganzen Tag in der Sonne und mein Zustand besserte sich nicht.
Ich hungerte, ich dürstete und meine Haut färbte sich rot und verbrannte.
Niemand würdigte mich eines Blickes, in Misr gab es viele Obdachlose, aber eigentlich nicht hier.
Dann wurde es Nacht.

Die Sonne verschwand. Schon lange wuchsen keine Pflanzen mehr in der Nähe, die ich hätte zerstören und dem Nil überantworten können. Es wurde kalt.
Ich fror, aber gleichzeitig war mir heiß. Sonnebrand zumindest, vielleicht noch ein Hitzschlag.
Ich begann zu zittern und stand auf. Keine Kopfschmerzen, keine Probleme damit mich zu bewegen gut, nichts sonst.
Dann rannte ich. Ich rannte einfach los, irgendwohin, immer der Nase nach. Rannte weg vor meinem Leben.
Als ich nicht mehr konnte, rannte ich weiter.
Als jeder Muskel meines Körpers nur noch Schmerz war rannte ich weiter.
Ohne Amani gab es keinen Ort an dem ich sein wollte.
Bevor ich zusammenbrach stand ich am Fuße des Hauses in welchem sich meine Wohnung befand.
Jede Stufe der Treppen war eine einzige Qual. Die Dusche schien Meilen entfernt.

Dann schlief ich. Endlich konnte ich alles vergessen.
Ein Irrtum.
Selbst der Schlaf segnete mich nicht mit Vergessen. Immer wieder musste ich erleben wie Amani mir entrissen wurde, wie mein Lebenswille mit ihr fortging.
Schweißgebadet erwachte ich am nächsten Morgen.
Wieder klingelte das Telefon.
Ich wusste es, ich war in der Duat, gefangen bei all den Ifriti über die Osiris wachte und sie peinigten mich, labten sich an meinem Schmerz.
Es war keine Wiederholung.
Es war Ms. Haseem, sie teilte mir mit ich hätte um 11 Uhr ein Bewerbungsgespräch bei Prof. Dr. Alkakhi.
Ich wollte doch nur vergessen, nichts sein, zu nichts werden, am besten Ammut verschlänge mich.
Ein Bewerbungsgespräch in Ordnung. Ich sagte zu, stand auf duschte, versorgte meine Hände und meinen Sonnenbrand.
Anziehen, Frühstück, vor ein paar Tagen noch hatte ich mich auf das Bewerbungsgespräch vorbereiten wollen. Heute ging ich einfach hin. Alles war egal. Kein Arzt, kein Geld, irgendwann keiine Wohnung mehr und danach kein Melekh mehr. Wozu auch, es gab keine Amani mehr.

Freundlich wie eh und je wurde ich von Hala begrüßt. Ich stülpte eine Maske über das Häfchen Elend über das Nichts, welches ich war und reagierte höflich und nett.
Der Professor war verwundert, als ich einen Tee in seinem Büro bekam und er noch keinen hatte.
Wie mechanisch gingen wir die verschiedenen Fragen eines Bewerbungsgespräches durch. Er fragte und in seinen Fragen schon offenbarte er mir welche Antworten ich geben müsste. Bitte.
Ich antwortete wie von mir verlangt und bekam den Job, prima.
Im Angebot gab es gleich dazu einen Platz im Wohnheim des Cleopatras, Alkakhi war zwar verwundert, dass ich el-Gezirah gegen ein Studentenwohnheim tauschen wollte, aber ich wusste nicht wie lange noch Geld von meinem Vater fließen würde und wie sollte ich mein praktisches Jahr hinter mich bringen ohne Zimmer zum schlafen?
In zwei Wochen würde es losgehen.

Irgendwann in der Zwischenzeit fand ich zumindest einen Funken Lebenswillen wieder. Amani war weg, für immer, aber ich konnte ihr immer noch helfen.
Wenn Zaid vorbeikam um sich zu rächen und mit mir Schluss zu machen, würde ich der Welt offenbaren was für ein schlechter Mensch er war und meine Schwester dadurch hoffentlich von ihm befreien.
Amani schrieb mir jetzt jeden Mittwoch, wenn sie in der Koranschule war eine SMS. Irgendwie hatte sie ein Handy ergattert, sie war schlauer als alle anderen ihr zutrauten. Ich nutzte die Gelegenheit mit ihr zu kommunizieren, aber übertrieb es nicht. Behielt einen Großteil meiner Gedanken für mich. Bereitete ich doch mein nächstes Geschenk an sie vor und ich wollte nicht, dass es noch schwerer für sie wurde.

Ich gab viel Geld für eine Überwachungskamera aus, die ich in meiner Wohnung installierte und später auch in meinem neuen Wohnheimplatz, bevor ich sie mit dem ersten Gehalt durch eine bessere Ersetzte. Außerdem ging ich dazu über immer ein Diktiergerät und eine Kamera am Körper zu tragen, sicher war sicher.
Ich würde nicht um sonst sterben.

Der Umzug ins Wohnheim gestaltete sich, dank einer Umzugsfirma und einem freundlichen Hausmeister nicht zu schwieirg. Naja, die vielen Treppen schlauchten mich ganz schön, aber dafür lernte ich neue Menschen kennen.
Unter anderem Octan, einen Computernerd, der hellauf begeistert war von meinem Überwachungswahn und mir half mein neues Sicherheitsgedönse so zu programmieren, dass entsprechende Aufzeichnungen an namhafte Zeitungen und Sender gesendet würden, sollten ich oder er den Totmannschalter der Überwachungsanlagen einmal nicht betätigen.

Ich arbeite, wurde immer besser im Deuten kryptischer Bilder des Tomographen über die Kopfinhalte der Patienten.
Am Anfang hatte es Probleme gegeben, vor allem mit dem restlichen Personal. Aber als sie erkannten, dass ich nichts Tat als meine Arbeit zuverlässig zu verrichten und jeden ihrer dämliche Botengänge zu übernehmen begannen sie mich zu mögen.
Warum sollte ich auch nicht? Ich wartete auf meinen Tod, auf die Freiheit, warum sollte ich mich mit ihnen herum ärgern?

In einem Zwischengespräch in dem er meine Arbeit lobte und ich ihm nocheinmal vorkaute was er von mir zu hören erwartete machte er mir ein Praktikum in Uganda schmackhaft. Natürlich sagte ich zu, was sollte ich auch sonst machen? Gleichzeitig entsprach ich damit Amanis Flehen ich möge mich doch verstecken Zaid käme bald zurück. Verstecken? Wie sollte er mich den Töten, wenn ich mich versteckte? Wie sollte ich denn dann Amani befreien?
Ich würde nur 6 Wochen fort seien, danach gäbe es noch genug Zeit zu sterben.
Wieder einer dieser Irrtümer, die mich an den Punkt brachten wo ich heute bin.

Also flog ich nach Entebbe, von wo ich weiter zum Pro-Life-Hospital irgendwo im Hinterland gefahren würde. Das ganze war ein Projekt von Adana Pharmazeutics um das Los der einfachen Bevölkerung zu mindern.
Am Flughafen wurde ich von Schwester Gabriele abgeholt, einer gebürtigen Afrikanerin, die genauso hoch wie breit war. Mein Willkommensgeschenk aus dem Duty-Free Shop erfreute sie und sie quasselte mich die ganze mehrstündige Fahrt bis zum Krankenhaus zu. Ich konnte mir nichtmal die Hälfte merken. Der Flug war schon anstrengend genug gewesen, aber das Wetter hier, die Hohe Luftfeuchtigkeit gab mir den Rest.
6 Wochen bis ich wieder in Misr war, 6 Wochen bis ich sterben würde. Nicht mehr lange musste ich durchhalten und dann hätte ich es geschafft.
6 Wochen bis du frei bist, Amani.

Die Klinik war winzig, es gab gerade mal 36 Betten und auch sonst war sie eher mäßig beeindruckend.
Mir wurden die anderen Schwestern und Doktor Kramer, aus der Schweiz vorgestellt. Ich hatte seine Artikel gelesen und mich auf den Aufenthalt vorbereitet um nicht wie ein Esel auszusehen während ich darauf wartete geschlachtet zu werden. Ob ich ihn damit beeindruckte, ich weiß es nicht, wahrscheinlich ungefähr so sehr wie mich die mangelnde Ausrüstung und Einrichtung des Krankenhauses, ob es überhaupt das richtige Wort war, beeindruckte.
Ich musste mich erstmal hinlegen und ausruhen. Eigentlich brauchte ich eine Dusche, aber die gab es hier wohl nur in der improvisierten Leichenhalle und mir wurde deutlichst abgeraten. Also ging es ungewaschen ins Bett um am nächsten Morgen in aller Frühe mit der Arbeit zu beginnen.

Handwäsche und seltsame aber gut schmeckende Fladenbrote gab es zum Frühstück. Dann lies ich mich direkt zu den Patienten führen.
Eine ganze Reihe von Kindern mit ihren Eltern erwartete mich, Kramer war noch anderweitig beschäftigt.
Das Krankenhaus wurde wohl doch besser besucht als ich es mir vorgestellt hatte, oder die Umstände waren schlechter als erwartet.
Ich konnte nichteinmal alle Kinder, bei denen es nötig gewesen wäre, in einem Krankenbett unterbringen.
Die Behandlung war schwieriger als erwartet, nicht nur, dass ich mit keinem der Patienten sprechen konnte und immer auf Schwester Nyotas Hilfe zur Übersetzung ins Englische angewiesen war. Alle Kinder litten unter irgendwelchen seltsamen Symptomen, denen ich nicht so recht etwas abgewinnen konnte. Fest stand für mich nur, dass es etwas neuronales war, aber an sonsten war ich genauso ratlos wie Dr. Kramer. Der Schweizer musste mir hier und da zur Hand gehen, ich war unerfahren als Arzt für alles und auch heute war sein Verhalten wieder überaus neutral.

Nachdem alle akuten Fälle versorgt waren, schnappte ich mir meinen Pdf-Reader um in den Büchern zu recherschieren, die ich „eingepackt“ hatte, tippte Berichte in meinen Laptop und versuchte mir per SMS und Octans Hilfe Internet zu organisieren. Ohne globale und schnelle Informationen würde nie jemand dahinter kommen, was die Dorfbevölkerung der drei kleinen umliegenden Dörfer plagte.

Am nächsten Morgen waren alle tot. Ausnahmslos. Ich, der ich auf den Tod wartete, der nicht mehr Leben wollte, hatte versucht den Kindern zu helfen. Aber sie waren alle Tod und ich musste noch mindestens 5 Wochen und 5 Tage ausharren. Das Leben konnte so ungerecht seien.
Ich begleitete eine der Schwestern in die Dörfer um den Eltern, des Kindes, welches wir nicht hatten aufnehmen können, zu verkünden das es bald auch sterben würde. Aber ich konnte nicht mit ihnen sprechen. Die Schwester sah mich nur völlig fassunglos an, so war das Leben meine liebe, was sollte ich denn sagen? Bevor sie die Aufgabe an den örtlichen Medizinmann abwälste und wir das Dorf wieder verließen.
In der Klinik berut ich mich mit dem Schweizer, aus dem ich noch immer nicht schlau wurde.
Er schlug eine Obduktion vor. Hätte mich ernsthaft interessiert, was hier geschah, hätte ich sie vorgeschlagen. So hörte ich mir seine ratlosigkeit an, seine Bedenken und meinte nur, wir sollen den Jungen nehmen, der gestern seinen Kopf gegen die Wand geschlagen hatte, ein Kopfverband bei ihm würde kaum Verdacht erregen.

In dem nach Tod stinkendem Leichenlagerhaus machten wir uns an die Arbeit. Ich hatte noch nie wirklich ein Gehirn entnommen und so assistierte ich Kramer. Wir hätten es vielleicht einfach absaugen sollen. Als sich der Schädel nach anstrengenden Sägearbeiten schließlich öffnete floss uns der Inhalt schon entgegen. Ich bemühte mich möglichst viel aufzufangen, mit der Nierenschale die ich hielt, aber es ging auch einiges daneben. Flüssiges Gehirn verunreinigte nicht nur meine Handschuhe. Schnell in einen Plastikbeutel und dann in den Gefrierschrank damit. Kramer sicherte die Proben, während ich die Leiche wieder herrichtete und unsere Tätigkeit versteckte.

Bevor ich mich später zurückzog, eröffnete Kramer mir, dass ich über Luxor nach Helsinki fliegen würde, um die Proben in ein ordentliches Labor zu bringen. Mein Kontakt dort würde eine gewisse Dr. Irina Alefuzoff sein, die dem European Brain Network angehörte.
Vor einer Woche noch wäre ich Feuer und Flamme gewesen, aber jetzt war mir alles egal. Ich ließ die anderen meine Gefühle für Amani und meine Verwzeiflung sehen, damit sie mich nicht für einen gefühlslosen Psychopaten hielten den verflüssigte Gehirne kleiner Kinder nicht interessierten.
Aber so war es nunmal. Ich konnte sowieso nichts machen, ich konnte nur sterben.

Der Flug nach Luxor war genauso anstrengend wie der Flug nach Entebbe. Völlig fertig checkte ich in meinem Hotel ein, sicherte die Proben, torkelte unter die Dusche und ließ mich danach erschöpft auf das Bett fallen.
Hier hätte ich stutzig werden müssen, einen kurzen Moment dachte ich über meine verminderten motorischen Fähigkeiten nach. Dann schob ich sie auf die Hitze und schlief ein. Tatsächlich hatten sie mit dem sich verflüssigendem Gehirn in meinem Schädel zu tun.

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Mummy: Prelude, Part I

Amani

Hallo, mein Name ist Melekh sa Metsch… Okay. Vergessen wir das mit dem Nachnamen. Ich bin Melekh Bint-Anat. Werde mich bei Zeiten umbenennen müssen, oder einen Künstlernamen beantragen. Am besten beides.

Eigentlich sollte ich nicht mehr schreiben können, denn in Uganda habe ich mich mit einem seltsamen Phänomen angesteckt, dass mein Hirn in Pudding verwandelte. Warum ich Phänomen sage statt Krankheit? Naja, zum einen hätte man bei den bisherigen Blutuntersuchungen einiger Opfer sicherlich Spuren irgendeines Krankheitserregers gefunden, zum anderen glaube ich fest daran, dass ein Arzt wie Herr Krämer in der Zeit, die er schon gegen das Phänomen kämpfte, sicherlich zumindest den Ansatz einer Lösung oder den Ursprung des Problems entdeckt hätte.

Die Tatsache, dass es ein wenig so aussah wie die Yrr aus Frank Schätzing’s Schwarm und die Tatsache das mein Gehirn ebenfalls Brei war, ich aber jetzt trotzdem diese Gedanken fassen kann, ja sogar gesünder bin als jemals zuvor lassen mich also von einem Phänomen sprechen.

Worüber soll ich nun zuerst schreiben, soll ich mit dem Zeitpunkt beginnen nachdem sich mein Gehirn in Luxor verflüssigte und ich mich selbst tot im Bett liegen sah? Vermutlich nicht. Vermutlich sollte ich etwas weiter vorne Anfangen, nicht direkt em Ende meines zweiten Lebens sondern bei den Ereignissen die das Ende herbeiführten.

Erst vor kurzem hatte ich die letzten Prüfungen bestanden und ein grauenvolles Studium erfolgreich abgeschlossen. Mein Zeugnis war sogar ziemlich gut, nicht das beste aber ziemlich gut. Sogar mein Vater könnte nichts daran aussetzen, außer vielleicht, dass ich nicht auf einer Militäruniversität oder in Kooperation mit dem Militär studiert hatte. Wenn ich schon nicht die physischen Voraussetzungen mitbrachte um Soldat zu werden, so doch vielleicht Militär-Arzt. Nein danke, kann ich nur sagen. Oder hätte es sagen sollen, aber wie so oft hatte ich nicht den nötigen Mut dazu. Nach Misr zu gehen und Medizin zu stehen, war überhaupt meine erste mutige Handlung in einem von Gehorsam und Disziplin geprägtem Leben.

Nur noch wenige Tage und meine Familie würde aus Alexandria herüberkommen um mit mir die Abschlussfeier zu besuchen. Ich würde vorher noch unbedingt einige Bewerbungsschreiben aufsetzen müssen, sonst würde ich den Erstkontakt mit meinem Vater, ich hatte weder ihn noch irgend ein anderes Familienmitglied in den letzten 20 Monaten gesehen, nicht überleben. Dabei wohnten wir gar nicht so weit auseinander. Ich hätte sie sicherlich jedes Wochenende besuchen können, aber wozu? Um zwei Brüder zu treffen mit denen ich nie hatte mithalten zu können, denen ich es irgendwann nicht einmal mehr Wert gewesen war im Spaß verprügelt zu werden, weil ich ja doch keine Chance hatte? Eine Mutter, die völlig oberflächlich auf alles flog, was irgendwie aus dem Westen kam und nicht älter als 6 Monate war, am besten mit einem angebissenem Apfel daruf. Naja, das hätte immerhin bedeutet sie wäre schlau genug modernes technisches Gerät zu Bedienen, etwas von dem ich mir nicht ganz sicher war.
Und dann war da noch mein Vater, der uns seid wir klein waren behandelte, als wären wir Auszubildende in der Armee. Ja, Sir, nein, Sir, weggetreten, das volle Programm.
Wenn es nach mir ginge könnten sie gleich nebenan wohnen und ich besuchte sie trotzdem nicht.

Einzig und allein meine Schwester vermisste ich. Ich hatte sie vermisst, als sie damals ausgezogen war, jünger als ich jetzt, um irgend so einen idiotischen Soldaten zu heiraten. Eine gute Partie. Soll sich der Idiot doch auf dem Basar eine andere gute Partie, ein anderes Kamel kaufen, mehr war si doch für ihn nicht. Seid ich ihn kannte, das erste Mal gesehen hatte wollte ich ihn am liebsten umbringen. Amani verdiente es, dass ihr die Welt zu Füßen gelegt würde, mit jeder Faser meines seins wollte ich für sie da sein und dafür arbeiten, dass sie glücklich würde. Aber ich konnte nicht, es war verboten und dann kam noch dieser Kameltreiber Zaid dazwischen. Für ihn war sie nichts weiter als eine hübsche Legehenne mit einem einflusreichen Vater, der ihn weiter nach Vorne bringen würde. Nicht dass er das wirklich nötig hatte, seine skrupellose Brutalität hatte ihn auch so schon weit gebracht, aber eine gute Partie war nunmal einfach praktisch.

3 Tage noch und sie kämen mich hier besuchen. Nein, nicht in meiner kleinen gemütlichen Wohnung. Mein Vater hatte eigens zu diesem Zwecke im Sofitel Kairo El Gezirah, nicht weit von hier, eine ganze Etage gemietet, irgendwo weit oben, vielleicht sogar direkt unter dem Dach.
Ich freute mich nicht besonders auf ihr Eintreffen, aber Amanis Anblick allein, wäre alle Qualen wert die ich durch die anderen erleiden müsste. Vielleicht würde sie auch ihre Kinder mitbringen, die mochte ich im Gegensatz zu Zaid. Obwohl natürlich die Hälfte der Gene der armen kleinen sich aus Dreck zusammensetzte, blühte mein Herz jedes Mal auf wenn ich sie sah. Jedes von ihnen, Wakur, Anesh und selbst der kleine Rasir, eben erst 3 Monate alt als ich ihn das letzte mal sah, waren ein Quell guter Laune für mich. Drei kleine Sonnen mit denen ich gerne meine Zeit verbrachte. Sie waren alle noch sehr klein und für keine sinnvollen Betätigungen zu haben, aber ihr Lächeln wenn ich mit ihnen Schlaflieder sang oder ihnen Geschichten von Isis, Osiris und deren Familie vorlas war jede Minute mit ihnen Wert.

Aber ich schweife ab. Wie schon gesagt musste ich unbedingt noch einige Bewerbungen unter Dach und Fach bringen. Ich setzte mich vor meinen Laptop und surfte hier und da, den PC nutze ich nur selten, er war einfach nicht so bequem. Informierte mich, überflog verschiedene Internetpräsenzen und war gerade dabei eine Bewerbung zu schreiben, für ein Krankenhaus, dass mir als Sprungbrett aus Ägypten dienen sollte, als mein Blick an einem Namen hängen blieb.
Cleopatra Hospital.
Verstehen sie mich nicht falsch, ich nutze gerne moderne Technik und Spielereien, habe ein Smartphone, Flachbildschirm, Blueray-Player und alles was moderne Menschen eigentlich nicht brauchen, aber ich hatte gleichzeitig auch ein Narren an den Traditionen unseres Landes gefressen. Damit meine ich nicht anderthalb Jahrtausende Islam sondern die Jahrtausende unbefleckt von Griechenland und Rom, als Ägypten noch… das Reich des Sonnengottes war. Und wo befand sich das Cleopatra Hospital? In Heliopolis. Unglaublich.

Ohne groß nachzudenken fuhr ich mit dem Taxi durch die Mittagssonne zum Cleopatras und sah mich dort um. Ich konnte meinen Augen kaum trauen, es handelte sich um ein sehr modernes, behaglich eingerichtetes Krankenhaus mit wunderschönen Grünanlagen. So ähnlich musste es damals gewesen seien, einfach erhaben. Niemals hatte ich dergleichen von einem öffentlichen Krankenhaus in Misr erwartet. Man sollte die Stadt umbenennen in die große Hure, wie Babylon einst geheißen hatte. Zum Glück erlaubte das Geld meines Vaters mir in einem Viertel zu leben, das etwas Abstand zwischen mich und die unschönen Seiten der Stadt brachte.
Ich sah mich also in diesem Krankenhaus um, schnappte mir einige Flyer und war schnell im Untergeschoss auf der Suche nach einem Sekreteriat der Verwaltung um Näheres in Erfahrung zu bringen. Leider konnte ich keines ausmachen und so ging ich wieder hinauf um mir Hilfe an der Rezeption zu suchen. Die Frau hinter der Theke schien sich zu freuen, dass ich sie doch noch um Rat ersuchte und half mir bereitwillig weiter. Ich hatte gerade schon vor der richtigen Tür gestanden und musste nur noch klopfen.
Also ging ich erneut herab und lernte Hala Haseem kennen, eine junge Sekretärin des Oberarztes der neurologischen Abteilung. Auch sie schien von dem Krankenhaus wie verzaubert und versprach mir mit einem Lächeln auf den Wangen sich um einen Termin für mich bei ProfessorAlkakhy zu kümmern sobald ich meine Bewerbungsunterlagen bei ihr eingereicht hätte.
Nach einer vorzüglichen Tasse Tee verabschiedete ich mich überschwänglich und mit einem vor Glück springenden Herzen fuhr wieder nach Hause.

Ich schwebte auf Wolken, immerhin hatte ich das wunderbarste Krankenhaus mit einfach hinreißendem Personal was es auf der Welt nur geben konnte gefunden und das nur zwei Tage bevor ich meine Schwester endlich wiedersehen würde. Ich konnte es kaum erwarten ihr davon zu berichten. Wie im Flug hatte ich alle Unterlagen für eine Bewerbungsmappe zusammengestellt und schwang mich nach einer ausgiebigen Dusche ins Bett um sie gleich am nächsten Morgen Ms. Haseem zu überreichen.

Früh am nächsten morgen erwachte ich und machte mich gleich wieder auf den Weg zum Cleopatra’s wo ich meine Bewerbungsunterlagen freudestrahlend überreichte. Hala schien mir mein Glück anzusehen und versprach dafür zu sorgen, dass sich schnell um mich gekümmert würde. Sie legte die Mappe gar nicht erst auf den sich auftürmenden Ablagestapel, sondern direkt zu den wichtigeren Unterlagen. Freundlich bedankte ich mich und verschwand wieder, ich hatte noch so einiges vorzubereiten und selbst die etwas unfreundlichere Frau an der Rezeption konnte meine gute Laune oder den überwältigenden Eindruck dieses Krankenhauses nicht schmälern. Sollte sie sich nur die Nägel Pfeilen ich würde derweil meinem Schicksal entgegen eilen.
Hätte ich gewusst wie sehr dies zutreffen sollte, ich hätte anders gehandelt und einiges besser vorbereitet.

Schließlich war es so weit, meine Familie würde bald ankommen und ich erwartete sie bereits im Sofitel Kairo EL Gezirah. Umsichtig hatte ich dafür gesorgt, dass sie oben von einigen Begrüßungs- und Erfrischungsgetränken erwartet würden. Die Lieblingsgetränke meines Vaters und meiner Schwester. Ihn wollte ich beschwichtigen, ihr eine Freude machen und die anderen? Egal. Wir waren in Misr und es gab so viele beeindruckende Hotels voll Ambiente und Flair. Und sie hatten sich dieses hier ausgesucht. Kein Hauch von Ägypten lag in der Luft. Ja die Luft, sie wurde verpestet von diversen Duftspendern die alle 2 m irgendwo befestigt waren und ihren Duft versprühten. Einer Autobahntoilette würdig.
Zuerst sah ich meinen Vater, der mich freudiger begrüßte als ich erwartet hatte. Nach ihm kam meine Mutter die wie üblich etwas zu beanstanden fand, meine Haare, Fusseln auf meiner Weste. Egal was man unternahm, es war falsch. Eigentlich hatte ich mich extra zurecht gemacht, auch ordentlich war ich üblicherweise, Drill meines Vaters, trotzdem reichte es nicht aus um sie zufrieden zustellen.

Meine Brüder sagten nichts, sie waren schwer beschäftigt damit dutzende von Taschen zu schleppen. Als letztes kam meine Schwester. Meine hübsche, wunderbare, große Schwester, ich sah sie nur kurz an, wollte mein Herz nicht verraten, mich nicht offenbaren. Wir begrüßten uns genau so kurz. Während Vater etwas enttäuscht von meiner Bewerbungswahl war und mir vorschlug Arzt beim Militär zu werden sah ich kurz zu meiner Schwester. Als wir beide exakt gleichzeitig mit den Augen rollten musste ich mich schwer zusammen reißen um nicht laut loszulachen.

Oben angekommen entwickelte sich das Gespräch weiter in eine Richtung die mir eher unangenehm schien. Nicht sehr geschickt machte ich die anderen auf die Drinks aufmerksam. Meine Mutter war begeistert, mein Vater verärgert, dass ich ihn die Drinks bezahlen lies. Selbst wenn ich mein Geld benutzt hätte, hätte er die Drinks schlussendlich bezahlt. Solche Albernheiten.

Noch während die anderen abgelenkt und mit den Drinks beschäftigt waren, schnappte ich mein Smartphone und surfte, ich musste dringend Beschäftigung für heute Abend finden, sonst würde ich sterben. Schnell hatte ich Karten für ein Konzert aufgetrieben, in einem Opernhaus. Meine Mutter war wie üblich hellauf begeistert, immerhin ging es nicht um mein Aussehen. Und meine Brüder stimmten in die Anerkennung meines Vaters mit ein. Endlich gerettet. Doch es waren noch gute fünf Stunden, die ich überstehen musste, fünf lange, qualvolle Stundens. „Shoppen“, ertönte eine Stimme, verdattert blickte ich hinüber zu meiner Mutter.

Sie wollte gerne in der Stadt Shoppen gehen und meine Schwester schlug ihr eine Einkaufspassage in der Nähe vor. Was zur Hölle, warum kannte sie sich hier bereits besser aus als ich? Internetversand hat wohl auch seine Nachteile. Auch für mich hatte Armani eine Überraschung vorbereitet. In der Nähe des Einkaufszentrum gab es angeblich ein nettes Kaffee. Manchmal vergaß ich wie findig sie sein konnte und das obwohl man versuchte sie von moderner Technik fern zu halten.
Meine Familie beschäftigte sich kein Stück mit den Traditionen unseres Landes seien es nun Antike oder die des Islam und doch schafften sie es zielsicher jede dumme veraltete zu finden und sie gegen Amani zu verwenden. Ich würde es niemals begreifen. Man sollte alle großen Religionen regelmäßig aktualisieren und Abschnitte die durch veraltete Technologie, Wissenschaft oder soziale Struktur entstanden waren aktualisieren.

Nur kurze Zeit später saß ich mit meiner Schwester alleine im Seatlle-Coffee-House. Wirklich entzückend. Am Eingang hatte es noch den ungastlichen Eindruck eines Starbucks gemacht, aber dann waren wir in den Hof vorgestoßen. Es gab einen großen Innenhof, der zur Hälfte dem Teehaus und zur anderen Hälfte einem chinesischen Restaurant gehörte. Amani wollte gerne einmal chinesisch essen. Mit dieser Örtlichkeit hatte ich nicht gerechnet, aber sie gefiel mir. Im Abschnitt des Teehauses gab es die verschiedensten Sitzgelegenheiten von modern bis traditionell und überall konnte man Leute erblicken die Wasserpfeife rauchten, oder alte Brettspiele spielten. Von beiden Aktivitäten hätte ich definitiv die Brettspiele bevorzugt, ich verabscheute Wasserpfeifen. Jeder Teenager rauchte heute Wasserpfeife und was jeder machte, vor allem im Westen war nichts für mich. Aus Prinzip.

Aber zum Brettspiele spielen kamen wir erst gar nicht. Kaum hatten wir unseren Tee, waren wir schon in ein Gespräch vertieft. Ob der militärischen Tradition meiner Familie ging es leider in eine viel zu militärische Richtung. Was sollte ich tun, überall wurde man von der Armee verfolgt. Entsetzt musste ich zuhören wie Amani mir berichtete sie wäre derzeit ganz alleine zu Hause. Dass sie mich vermisste. Das letzte zerriss mich. Hoffentlich konnte sie es nicht hören, wie meine Seele langsam in kleine Fetzen riss, wie ein Seidenschal über den sich eine Meute Paviane hermachte. Dieser verfluchte Zaid hatte sogar die Kinder mitgenommen. Sie sollten lieber in der Tagesstätte irgendeines Militärstützpunktes von Fremden umsorgt werden, als von ihrer Mutter zu Hause.
Wir hatten uns so lange nicht gesehen, ich wollte nicht, dass sie in Trübsal versank.

Also erzählte ich ihr vom Cleopatras. Ich erzählte ihr, wie ich es gefunden hatte, wie ich mich umgesehen hatte. Von dem netten Personal und der fantastischen Grünanlage. Ich konzentrierte mich auf die gute Laune die ich dabei empfunden hatte und auf die Vorfreude Amani wiederzusehen und ließ es aus mir hervorsprudeln. Schon nach wenigen Minuten hatte ich sie angesteckt und sie vergaß den vermaledeiten Zaid und was er ihr antat. Möge Osiris ihn holen und ihn mit all den Dämonen in der Unterwelt einsperren.
Bald darauf aßen wir, sie bestellte sich 8 Schätze und ich gönnte mir Hummer in Erdnussoße. Normalerweise bevorzugte ich arabisch/ägyptisches Essen und hatte auch einige Kochkurse besucht um mich entsprechend versorgen zu können. Aber wenn ich mal etwas Abwechslung brauchte oder es etwas besonderes sein sollte, dann liebte ich Chinesisch und von allen Gerichten am liebsten den Hummer in Erdnussoße.
Während ich meinen Hummer genoss sah ich immer wieder verstohlen zu meiner Schwester hinüber. Sie wusste, dass ich sie von allen am liebsten mochte, aber ich wollte mich nicht verraten. Ich wollte sie nicht verlieren, unsere Beziehung nicht gefährden. Wenn ich ihr offenbart hätte, was ich wirklich für sie empfand hätte ich sie vielleicht verschreckt und das wäre es dann gewesen.
Lieber heimlich bewundern und in aller Stille ihren Anblick, ihre Anwesenheit genießen als aus der Ferne zu schmachten, während sie floh.
Heimlich saugte ich jede Bewegung von ihr auf, merkte mir wie sie die Gabel zum Mund führte, mit ihren zarten Lippen das Essen abpflückte und dann zufrieden kaute. Ich beobachtete wie ihre Zähne die Beute zermalmten und sie schluckte. Folgte dem Essen ihren Schlanken Hals hinab, bis ich es nicht mehr sehen konnte.
Ich prägte mir ein, wie ihre Haare lagen, jedes einzelne und welche Frisur sie alle gemeinsam bildeten. Ich müsste später nur die Augen schließen und dann könnte ich sie sehen, schärfer als auf jedem Foto.
Huch, was war das für ein Lächeln und das kurze Aufblitzen in ihren Augen, hatte sie mich ertappt?
Schnell verbannte ich alle Gedanken daran, wie sehr es mich danach verlangte sie zu berühren, ihre roten Lippen zu liebkosen, ihren Hals zu berühren ihre Schönheit zu würdigen.

Unsere Zeit war um, etliche Stunden vergangen wie im Flug. Wie sehr ich das Wort „relativ“ hasse. Wir trafen uns mit unserer Mutter und Kamahl und ich geleitete sie noch bis zum Hotel bevor ich mich zu mir nach Hause begab um mich für das Konzert frisch zu machen. So ein Nachmittag in der Sonne schlauchte ganz schön und ich hatte nichteinmal die Einkaufstaschen tragen müssen.

Überpünktlich, wie es sich für Soldaten gehörte, trafen wir uns beim Opernhaus, es schien nicht sehr gut besucht, immerhin konnten wir noch 6 Sitzplätze nebeneinander ergattern. Nicht zentral, aber immerhin.
Zu gerne hätte ich neben Amani gesessen, aber Mutter belegte sie mit Beschlag, ließ ihr nicht einmal die Chance das Konzert zu verfolgen. Irgendeine Art Mutter-Tochter-Gespräch. Auch meine Brüder waren nicht gerade aufmerksam, sie beobachteten die anderen Besucher, einem nach dem anderen. Eine Weile folgte ich ihren Blicken, lies den meinen immer wieder für Sekundenbruchteile auf Amani ruhen. Schlussendlich beschloss ich mich weniger auf meine Familie zu konzentrieren und meine Sinne dem Konzert zu widmen, damit ich später mit meinem Vater darüber sprechen konnte.

Es war noch nicht besonders spät, als wir das Opernhaus wieder verließen, aber dieser Abend wurde für beendet erklärt. Am nächsten Tag um 18 Uhr begann die Abschlussfeier und wir wollten alle ausgeschlafen seien um sie gebührend und lange genug zu genießen. Wir verabredeten uns noch zum Mittagessen, aber danach würden wir uns erst Abends wiedersehen.
Ich erklärte ihnen, dass ich noch einiges vorzubereiten und zu helfen hätte. Eigentlich eine Lüge, die Abschlussfeier hatte alle viel Geld gekostet und einiges an Spenden verzehrt. Niemand musste mithelfen den Winters Palace vorzubereiten. Zumindest nicht für die Feier.
Ich hingegen, wollte noch ein letztes Mal die Stücke auf der Gitarre üben, die ich für meine Schwester vorbereitet hatte. Noch vor zwei Jahren, waren meine Künste nicht der Rede wert, aber neuerdings konnte man zuhören ohne an den Ohren zu erkranken.
Eigens für Amani hatte ich ein Stück ausgewählt und einstudiert, welches zu ihrem Musikgeschmack passte, eine Art Entschuldigung für meine Abwesenheit in den letzten Monaten.
Sie hatte recht, ich hätte sie öfter besuchen sollen.

Bevor die Feier begann und noch bevor mein überpünktlicher Vater auftauchte, kümmerte ich mich darum meine Gitarre an der Rezeption aufzugeben. Dort würde ich sie jederzeit diese Nacht wieder abholen könne. Irgendwann im Laufe der Feierlichkeiten würde ich mich dann mit meiner Schwester auf eines der reservierten Zimmer zurückziehen und ihr mein Geschenk präsentieren.
Ich mochte den Winters Palace, die Angestellten waren freundlich und das Gebäude und die Einrichtung ägyptisch. Ein guter Ort um meiner Schwester ein Lied zu spielen und mich für die Lange Abwesenheit zu entschuldigen.

1745. Meine Familie trifft ein. Vater und Brüder in Anzügen, schlicht, elegant, militärisch. Was zu erwarten war. Von meiner Mutter war ich weniger begeistert, sie sah aus wie einer dieser Weihnachtsbäume mit dem Westerners die Wintersonnenwende feierten. Wie auch immer.
Nur, dieser ganz spezielle Weihnachtsbaum hatte sich offensichtlich in ein Geschäft mit Strass Steinen verirrt, während er zuvor mit Sekundenkleber eingerieben worden war. Amani hingegen trug einen türkisen Kaftan, er war gleichzeitig verspielt und locker aber trotzdem der Örtlichkeit angepasst.
Sie hatte einen ganzen Koffer Kleidung dabei um wählen zu können, ich hatte ihr vorab keine Informationen zur Kleiderordnung gegeben. Ihre Wahl gefiel mir, meine Lieblingsfarbe, nicht zu modern oder westlich, locker aber gleichzeitig atemberaubend. Ihre langen, dunklen Haare trug sie offen. Ich liebte offene, lange Haare, ihren dunklen Heiligenschein, wie die dunklen geheimnisvollen Weiten des Alls, die die Sonne umgaben.
Mein Haar trug ich nur zum Teil offen. Ich hatte mir viele kleinen Strähnen am Kopf entlang geflochten, bis in den Nacken, von wo mir dann der Rest meiner Mähne über den Rücken fiel. Meine Lieblingsfrisur, in der jedesmal mehrere Stunden Arbeit steckten und ein langer Aufenthalt vor dem Spiegel.
Ich selbst trug eine weite schwarze Pluderose, ein Shalwar und ein schwarzes mit türkis besticktes Sherwani .

Nun galt es noch drei Stunden zu überwinden, bis die Band beginnen würde zu spielen und der Teil des Abends begänne, an dem man nicht mehr so viel Reden musste.
Das Buffet war gut und die Gespräche mit meinen Eltern waren auch nicht schlimmer, als die der anderen Eltern mit ihren jeweiligen Kindern.
Die Minuten strichen dahin und dann war es endlich neun. Meine Mutter forderte meinen Vater zum Tanz und meine Brüder setzten sich ab. Meine Schwester und ich unterhielten uns noch eine Weile, bevor ich mir ein Herz fasste und sie zum Tanz aufforderte.

Mit einem freundlich überraschten Lächeln auf den Wangen entsprach sie meinem Wunsch und ließ sich von mir auf die Tanzfläche führen. Am liebsten hätte ich die Zeit angehalten mir einen Block und Stifte geschnappt und diese Szene verewigt. Die ägyptische Kleidung, ihr wunderbarer Kaftan, der ihre Schönheit noch betonte und ein bezauberndes Lächeln.
So musste ich mir den Anblick einfach merken. Ein wunderbares Bild, ein wunderbares Stück Erinnerung.
Ich genoss zwei Tänze mit ihr, bevor ich mich kurz absetzte und schlich zur Band um ein Lied zu bestellen.
Nach einigen weiteren Tänzen wurde es dann gespielt. Amanis Gesicht erstrahlte wie die aufgehende Sonne. Sie wusste sofort, wo ich eben gewesen war und belohnte meine Mühen mit einem Lächeln, das selbst das Herz des eisigsten Tyrannen erweicht hätte. Mir war als tanzte ich mit einer der alten Göttinnen, ich konnte sie kaum ansehen, denn die Sonnenscheibe war ihre Krone.

Es ist gut, dass ich von außen immer ruhiger wirkte als ich es wirklich war. Wie oft schon hatte ich eine Prüfung erlebt, in der ich dachte ich würde beben, wie Espenlaub, ich hätte einen hoch roten Tomatenkopf, nur um am Ende festzustellen, dass es niemand außer mir bemerkt hatte.
Dies war einer dieser Momente. Ich glaube ich hätte nicht aufgewühlter, nicht glücklicher seien können. Mir war als wäre ich im Himmel und würde mit meiner persönlichen Göttin durch die Sterne, über Nuts Leib tanzen.
Der einzige Mensch, der etwas davon ahnen konnte, wie es in mir aussah war Amani selbst. Während eines jeden Tanzes, sahen wir uns tief in die Augen, der Rest der Welt existierte nicht. Es gab nur Amani, unsere Augen und mich. Ich hätte nicht einmal hereinstürmende Polizisten mit ihren Schnellfeuergewehren bemerkt.
Und tief in meinen Augen, konnte sie meine Seele, mein Herz sehen. Konnte sehen, dass ich es ihr vor Jahren schon geschenkt hatte und es niemals wieder haben wollte. Sie war mein Morgen- und mein Abendstern, der Anfang und das Ende meiner Welt. Alles was ich wollte, war zu Wissen, ob ihr Herz vielleicht bei mir verweilte?

Schüchtern eröffnete sie mir, dass sie gerne mal eine echte Disko besuchen würde, weil sie noch nie das wahre Nachtleben Misr’s genossen hatte. Ich war schon ziemlich erschöpft, also zogen wir uns zunächst zurück an unseren Tisch um dort etwas zu trinken und eine kleine Stärkung einzunehmen.
Ich stürzte mich nicht oft in Misr’s Nachtleben und hatte auch nur selten an den Studentenpartys teilgenommen. Also überlegte ich einen Moment ob ich einen passenden Ort fände, bevor ich einwilligte.
Allerdings wollte ich erst noch eine Weile hier bleiben, damit sich niemand um uns sorgte. Etwa 2 Stunden später hielt ich es nicht mehr länger aus. Ich hatte gehofft vorher noch einmal mit unseren Eltern zu sprechen, aber sie waren derart von Tanzwut ergriffen, dass ich sie nicht noch einmal zu Gesicht bekam.

Amani und ich verließen den Winters Palace und nahmen ein Taxi zum []. Unterwegs schrieb ich meinem Vater und Kamahl noch eine SMS, dass Amani bei mir war, ich ihr die Stadt bei Nacht zeigen würde und sie sich keine Sorgen machen müssten.

Wir hatten uns kaum in die Warteschlange eingereiht, als wir auch schon nach vorne gewunken und eingelassen wurden. Ich war also nicht der einzige, der Amani einfach umwerfend fand.
Im Eintrittspreis inbegriffen waren zwei Bier, nicht gerade mein Lieblingsgetränk, ich trank niemals Bier wenn ich nicht musste. Aber Nachtleben war Nachtleben und ich holte uns schonmal zwei Bier, die wir trinken konnten, während wir uns auf die Musik einstimmten und ich mich seelisch darauf vorbereitete bis an den Rand der Erschöpfung zu tanzen.
So schnell würde Amani nicht aufgeben.

Ihrem Gesicht konnte ich entnehmen, dass auch sie kein Bierfan war. Verlegen murmelte ich irgendwas davon, das ein kaltes Bier nach einem warmen anstrengendem Tag gar nicht so schlecht wäre. Keiner von uns trank aus, bevor wir uns auf die Tanzfläche stürzten.
Amani brauchte einen Augenblick um aufzutauen. Es sollte ihr nicht unangenehm seien, also begann ich zu tanzen, tanzte sie an und bezog sie in meinen Tanz mit ein.
Ermutigt begann auch sie ihren Körper zum Klang der Musik hin und her zu wiegen. Immer im Rhythmus wurde sie schneller und schneller, bis wir völlig in der Musik versunken waren und die Welt um uns verblasste.
Später, ich wusste nicht ob es Minuten oder Stunden waren, ich war völlig außer Atem, geschafft wie nach einem Marathonlauf legten wir eine Pause ein. Sie wollte noch etwas trinken, aber nicht noch ein Bier. So schlimm war es auch wieder nicht. Ich gab ihr meine Eintrittskarte und nur wenig später, erschien sie mit zwei Cocktails in ihren Händen, verschmitzt lächelnd.
Den Gutschein für ein Bier gegen einen Cocktail eintauschen? Nicht schlecht.
Wir genossen die fruchtig, süßen Getränke bevor wir uns wieder der Musik hingaben.

Ich hielt es nicht länger aus, konnte mich nicht länger zurückhalten. Ich liebte sie, mit jeder Faser meines Seins, jedem Fetzen meiner Seele. Ich wollte ihr nahe sein, sie berühren, in ihre Augen sehen und träumen. Stundenlang hätte ich dem klang ihrer Stimme lauschen können, als wäre es die wunderbarste Musik die jemals komponiert worden wäre. Stundenlang hätte ich ihr beim Tanzen zusehen können, jede ihrer Bewegungen war ein Kunstwerk und hätte es verdient im Culturewheel ausgestellt zu werden.
Ich tanzte mit ihr. Ich rückte ihr näher und näher, wir streiften uns, hier und da. Öfter, länger. Jedes mal wenn es geschah, war es als Griff ich nach einer Hochspannungsleitung. Sie war elektrisierend. Jede Berührung gab mir neue Kraft, erfüllte mich mit Leben. Ich war unbesiegbar, hätte es alleine mit Mubarak und allen seinen Anhängern aufnehmen können.
Wir hätten ewig weiter tanzen können, unsere Bewegungen ergänzten einander und auch sie wurde lebhafter, erfrischt von unserem Zusammenspiel.

Ich weiß nicht mehr wann oder warum wir stoppten. Kann mich nicht einmal erinnern wie wir die Disko verließen, aber dann saßen wir in einem Taxi.
Wir fuhren zum Winters Palace, aber Amani wollte nicht nach Hause, zu unseren Eltern ins Hotel.
Ich war mir nicht ganz sicher warum? Aber manchmal sollte man sein Glück nicht hinterfragen sondern es einfach als Gottesgeschenk hinnehmen.

Ich ließ den Fahrer etwas abseits halten, schlich mich an und stellte fest, dass niemand mehr da war. Zumindest keine Verwandten. Schnell hinein, zur Rezeption und schon schlüpfte ich wieder hinaus und versteckte die Gitarre im Kofferraum ohne, dass Amani sie erblickte. Dann fuhren wir weiter zu mir. Ein wenig Backsheesh verleitete den Fahrer dazu mit meiner Gitarre im Kofferraum zu warten, bis ich Amani nach oben gebracht hatte. Dann holte ich das Instrument nach oben, wieder darauf bedacht, sie es nicht zu früh sehen zu lassen.
Sie hatte mich noch nie spielen gehört und das Geschenk würde um so besser wirken, wenn sie es nicht kommen sah.

An meiner Couch angekommen, bat ich sie darum sich niederzulassen und noch um einen kleinen Moment Geduld. Während sie gespannt wie ein flitzebogen oder eine Katze die gleich ihr Futter bekäme abwartete und mich neugierig beäugte, rollte ich meinen Schreibtischstuhl aus meinem winzigen Arbeitszimmerchen ins Wohnzimmer, positionierte es ihr gegenüber. Gleich danach baute ich die Fußbank auf und war mir sicher, dass sie dank der Dunkelheit noch immer keinen Schimmer hatte, was ich geplant hatte.

Dann kam der Moment der Enthüllung. Vom Flur her konnte Amani einen Reisverschluss hören, als ich die Gitarre aus ihrer Tasche holte, dann meine Schritte als ich zum Stuhl flitzte.
Ich musste mich beeilen anzufangen, selbst im Dunkeln, nur vom Sternenlicht erhellt, konnte man die unverkennbare Form meiner Gitarre erkennen. Sie war pechschwarz, so wie ich es gerne mochte aber der Lack glänzte verräterisch im Mondlicht, genau wie die drei Drahtseiten.
Dann begann ich zu spielen. Licht brauchte ich nicht. Griffe und auch die zupfenden Handbewegungen, ich spielte klassische Gitarre, musste man sowieso auswendig können. Dazu noch ein paar Noten? Nichts im Vergleich zu all den lateinischen Knochen-, Muskel-, Nervennamen die mein Gehirn verunreinigten.
Zu Beginn zitterten meine Hände wie verrückt. Ich hatte noch nie vor Publikum gespielt und es gab nur ein Publikum, das mich wirklich interessierte. Amani. Hoffentlich würde es ihr Gefallen.

Während die ersten Noten erklangen wurde ich sicherer und hörte auf zu zittern. Ich spielte schon seit Jahren und hatte so viel für diesen Moment geübt, es würde nicht schief gehen.
An ihren in der Finsternis Funkelnden Augen konnte ich erkennen, dass es ihr gefiel. Der letzte Ton war noch nicht verklungen, da sah sie mich schon mit einem verträumten Blick an und bat um ein weiteres Lied. Wie hätte ich es ihr abschlagen können?
Das erste Lied, hatte ich eigens für sie ausgewählt und geübt, dumm von mir nicht noch mehr vorzubereiten. Ohne meine fehlende Umsicht zu offenbaren begann ich einfach eines meiner Lieblingslieder zu spielen. Es handelte von einem Kater namens Mephisto, der seinen „Dosenöffner“ des Nachts durch sein Getappse vom Schlafen abhielt.

Danach lies ich mich neben ihr auf der Couch nieder, wir unterhielten uns es war wie verzaubert. Wir mussten nur den Mund aufmachen und wenige Worte später schon wusste ein jeder wie der Satz enden würde, was der andere darauf erwidern würde und was danach käme. Unsere Gedanken waren eins, verbunden, im Gleichklang. Beinahe wie Zwillinge.

Sie war verwundert, dass sie mich noch nie spielen hatte hören und ich berichtete ihr von meinem Plan es aufzusparen für diesen einen Moment. Sie wollte die Hornhaut an meiner linken Hand fühlen, von der ich ihr erzählte und ergriff sie. Zentausend Volt durchschossen mich abermals, als ihre seidenweiche Haut meine Hand berührte. Sie spreizte meine Finger und betastete sie einzeln mit den ihren auf der Suche nach der Hornhaut. Die Zeit blieb stehen, jeder Milimeter den sie sich weiterbewegte wurde zu einer Meile. Wo ihre Finger mich eben noch berührt hatte kribbelte es vor Aufregung in den Genuss dieser Erfahrung gekommen zu sein, während sich die vor ihr liegende Haut anspannte und ihre Berührung erwartete, von Vorfreude entzückt.
Dann fuhr ich mit meiner Hand ihren Arm hinauf, bis ich ihre Schultern erreichte. Dort wendete ich meine Hand um mit meinem Handrücken und den Fingern ihren Hals zu berühren und anschließend ihre Wange zu streicheln.

Ich schmiegte mich an sie um ihr näher zu sein, genoss ihre Wärme und spürte wie verlockend weich sie war. Ich atmete langsam und ruhig, wie im Tiefschlaf und sog mit jedem Atemzug ihren Duft in ein. Nie wieder wollte ich andere Luft atmen. Jedes ihrer geflüsterten Worte erfüllte meinen Verstand, wie der Gesang der Chöre einen Tempel. Sie zog meinen Kopf auf ihren Schoß und fuhr mit ihrer Hand durch meine Haare. Am Kopf, im geflochtenen Abschnitt ziepte es und schmerzte ein wenig, aber gleichzeitig schmolz ich dahin unter ihrer Berührung. Mit ihren Fingern in meinem Nacken hätte ich am liebsten laut geschnurrt, wie ein schwarzer Kater. Wenn man verliebt war, sagte man manchmal man hätte Flugzeuge oder Schmetterlinge im Bauch. Mir wären Schmetterlinge lieb gewesen, ich glaube sie waren behutsamer. Aber von Schmetterlingen im Bauch war ich weit entfernt, ein ganzer Flughafen wirbelte durch meinen Bauch, mit Transportfahrzeugen, Fluglotsen, Kontrolltürmen und allem was sonst noch so dazu gehörte.

Dann wurde sie unruhig? Was war geschehen, warum hörte sie auf? Sicher konnte sie den Flughafen nicht gehört haben. Bis in alle Ewigkeit sollten sich diese Momente erstrecken, bis in alle Ewigkeit wollte ich bei meiner Schwester sein, bei Amani, all meinen Wünschen sein. Sie suchte mein Bett und wollte sich umziehen, ausruhen.
Ich offenbarte ihr das Geheimnis meiner sündhaft teuren Couch, Vater hatte sie bezahlt und transformierte sie in ein einladendes, weiches Bett für zwei Personen.
Selbst in der Finsternis war offensichtlich, niemand hatte jemals die zweite Hälfte benutzt. Gestern noch hatte sie mich nach einer Freundin gefragt, aber in meinem Leben gab es nur eine Frau.
Noch während ich alles bespannte und ordentlich zurecht legte verschwand sie im Bad.
Als sie zurückkehrte stockte mir abermals der Atem. Nur in ein Laken gehüllt trat sie wieder an die Couch, die jetzt ein bequemes Bett war. So musste Cleopatra ausgesehen haben, als sie dem Teppich entstieg und Caesar verführte.

Ob das Bett wirklich bequem war, wollte sie Wissen. ICh würde es ihr schon beweisen. Ich stellte mich vor sie und drängte sie bis an die Kante des Bettes, Milimeter für Milimeter. Wir standen so dicht voreinander wie noch nie. Ich konnte ihren Atem spüren, auf meinem Hals, auf meinem Kinn, im Gesicht. Süßer duftend als die köstlichste Blüte, ihre Lippen einladender als das himmlischste Obst. Mit einem frechen Grinsen im Gesicht, stieß ich sie behutsam an, sodass sie sich nach hinten auf das Bett fallen lassen musste.
Mit gespieler Empörung zog sie auch mich herab bis wir nebeneinander lagen und uns ansahen. Ein jeder verlor sich erneut in den Augen des anderen.
Dann gab sie mir einen Gute-Nacht-Kuss, mit gespitzten Lippen auf meinen Mund. Ich erstarrte, konnte mich nicht mehr bewegen wie eine Maus, im Blick einer Kobra gefangen. Einen winzig kleinen Moment zu lange verweilten ihre Lippen auf den meinen. Dann zog sie sich wieder zurück. Sie hatte mir das kostbarste Geschenk gemacht, welches ich jemals empfangen hatte, kostbarer als die ersten Sonnenstrahlen eines jeden Tages, kostbarer gar als das Leben selbst.

Ich stützte mich ab, und bewegte mich erneut langsam auf sie zu. Meine Lippen zu ihren Lippen. Wir berührten uns erneut, sie war so weich, so köstlich, ich war mir sicher ich könnte allein von ihren Küssen leben. Behutsam öffnete ich den Mund, nahm ihre Unterlippe zwischen die meinen und knabberte zärtlich an ihr. Sie erwiderte den Kuss, der eine weitere Ewigkeit andauerte bevor wir uns abermals trennten und ansahen. Ich streckte meinen rechten Arm aus, bis meine Hand wieder bei ihr war. Diesmal fuhr ich ihr durch die Haare, die langen dunklen, massierte ihr den Nacken, den Rücken.
Bis sie meine Hand ergriff und sie sich auf die linke Brust legte, ich sollte ihren Herzschlag spüren können. Es raste, schlug fast noch schneller als das meine. Es war als wollten unsere Herzen ausbrechen, hervorspringen und zum jeweils anderen gelangen um für immer dort zu verweilen.
Ich zog sie zu mir, ihren Rücken an meiner Brust, ihr Kopf an meinem Hals, meine Nase in ihrem Haar. Meine rechte Hand ruhte noch immer auf ihrem Herzen, während ihr mein linker Arm als Kopfkissen diente und ich sie eng umschlungen fest hielt.
Selig schliefen wir ein, Amani in meinen Armen. Auf der ganzen Welt konnte es nichts schöneres geben als diesen Moment. Jeden weiteren Morgen meines Lebens würde ich gerne so aufwachen wie es morgen geschehen würde.

Dachte ich zumindest während des einschlafen. Heute weiß ich, wenn es eine Hölle gäbe, dann würde ich dort jeden Tag so erwachen wie ich es am nächsten Mittag tat.

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Melekh Bint-Anat

Ich warte schon lange darauf endlich Mumien: Die Wiedergeburt zu spielen. Ägypten ist eines meiner Lieblingsländer, vor allem wegen der ägyptischen Mythologie. Allerdings wusste ich nie so richtig wie Mumien-Geschichten aussehen sollten oder wie ich wollte, dass Mumien-Geschichten sich spielten. Daher habe ich nie versucht Bekannte davon zu überzeugen Mumien zu spielen, weil ich einfach nicht gewusst hätte, was für eine Geschichte ich ihnen hätte bieten sollen.

Als ich erfuhr, dass Clawdeen eine Mumienrunde erzälte war ich Feuer und Flamme. Zunächst war es so gedacht, dass ich einen Gast-Auftritt in der Rolle eines/r Gerichteten übernehmen sollte und sie später für mich und einen weiteren Freund und Ägyptenliebhaber noch eine Mumienrunde starten würde.

Aber chaotisch wie das wahre Leben so ist, kam es zu keinem von beidem, sodass wir uns schließlich dazu entschlossen mich als regulären Spieler in der bestehenden Mumienrunde aufzunehmen. Es entwickelte sich so, dass ein Khri-Habi, ein Schrifgelehrter Heiler nicht schlecht wäre um die Gruppe zu ergänzen. Ich hatte schon 2 andere Charakterkonzepte erdacht und bearbeitet, die ich aber beide nicht in dieser Runde spielen konnte. Also entschloss ich mich dazu meinem alten LARP-Charakter Melekh, den ich früher immer angelehnt an Mumien: Die Wiedergeburt gespielt hatte auferstehen zu lassen und ihn in die Moderne zu adaptieren.

Aufgrund meiner Erschöpfung, was das Ausdenken von Charakteren anging, schrieb ich Clawdeen nur die Grundzüge des Charakters und nichts ausführliches, was sie dazu Zwang die Geschichte auf ihre Art und Weise zu interpretieren und mit Leben zu erfüllen.

Hier die Ergebnisse:

Name: Melekh Bint-Anat
Amenti: Khri-Habi (Schriftgelehrter)
Apparent Age: 26
Haarfarbe: schwarz lang. In der Regel zumindest zum Teil zu vielen kleinen Zöpfen geflochten, am häufigsten Bauernzopfartig am Kopf entlang und dann vom Hinterkopf über die Schultern fallend.
Augenfarbe: graugrün, bei bestimmtem Lichteinfall irisierend
Mental Attributes: Perception 3, Intelligence 3, Wits 3
Physical Attributes: Strength 2, Dexterity 3, Stamina 2
Social Attributes: Charisma 3, Manipulation 3, Appearance 3
Talents: Alertness 1, Athletics 2, Awareness 1, Empathy 1, Expression1, Intuition 1, Streetwise 1, Subterfuge 1
Skills: Crafts 2, Etiquette 1, Meditation1, Performance 1
Social Skills: Academics 1, Computer 1, Cosmology 4 (Duat-Realms), Linguistics 1 (M:Arabic, English), Medicine 3, Occult 4 (Shapechanger), Research 1, Science 1
Merits: Fascinating Eyes, Seductive
Flaws: Enemy, Nightmares
Willpower: 6
Balance: 2
Nature: Martyr
Demeanor: Caregiver
Initiative: 6 (4)
Sekhem: 2
Hekau: Amulets 1, Alchemy 1, Nomenclature 1
Charms: Stasis, Oblivion of Stone
Rituals: Simple Tonic, Simple SIghn of Protection (Heart)

Melekh ist ein relativ großer und ziemlich schlanker Araber. An seinem Körper findet sich kein Gramm Fett, aber auch kaum Muskeln. Trotzdem ist er auf seine Weise attraktiv, vor allem mit seinen Augen hat er schon so manchen verzaubert.

Er trägt meistens ein weites schwarzes Salwar Kameez, das mit einem Gürtel um die Taille zusammengebunden wird. http://www.oriental-style.de/index.php/de/Salwar-Kameez-Herren-Schwarz/c-SALWAR_KAMEEZ_KURTA/a-ART-NR.%3A%20SKH-1107-1?sidB3530DC5254946C4A40AEE4DB45123F8=oh1vlctc4u8avb4aikq8p1h7b5

An diesem Gürtel finden sich ähnlich einem Handwerkergürtel verschiedenste Ledertaschen in denen sich neben Taschenmesser, PDF-Reader, Smartphone auch Verbände, Riechsalze, Nadel und Faden, verschiedenste Kräutermischungen, Salben und Alkohol zum desinfizieren.

Unter dem ersten Gürtel trägt er einen weiteren, der ehemalig dafür gedacht war viele kleine Schnappsfläschchen aus Plastik zu beherbergen und dabei Werbung für eine bestimmte Marke zu machen. Jetzt ist auch dieser Gürtel schwarz gefärbt und beherbergt noch immer Plastikfläschchen, ohne Etiketten. Mal mehr und Mal weniger.
Unter dem Salwar Kameez schauen schwarze Lederschuhe hervor, vermutlich Boots oder sogar Stiefel.

Über dem ganzen trägt er in kälteren Gegenden (Europa) einen schwarzen Mantel, nur in Schneestürmen oder im Regen geschlossen aber sonst offen, um schnell an die Gürtelinhalte zu kommen. Sollte es derartig kalt sein, trägt er zusätzlich Lederhandschuhe und einen, wer hätte es gedacht, schwarzen Schal.

An seinem rechten Zeigefinger und auch um seinen Hals kann man etwas Silberschmuck blitzen sehen. Am Zeigefinger eine dünne um den Finger gewickelte Schlange, und am Hals eine dünne Silberkette mit einem Falken daran. Die Federn der Flügel sind vergoldet und den Hals des Falken ziert ein kleiner Rubin.

Auf dem Rücken trägt er einen Schwarzen Kippling-Rucksack in dem sich neben weiterer ärztlicher Ausrüstung (Verbandskasten+Stethoskop+einige Messer Pinzetten…Kleinigkeiten) auch Juwelierwerkzeug, ein Gebetsteppich, ein Laptop, ein Handtuch, eine von innen gepolsterte Kasette mit 3 kleinen Steinstatuen.

Weiterhin dabei sind auch Minikamera und Diktiergerät, ob er wohl doch noch von Zaid umgebracht wird?

Was man über Melekh in Erfahrung bringen kann:

  • Letztes Kind einer relativ wohlhabenden arabischen Familie aus Kairo, sein Vater Metschetschi ist ein hochrangiger Militär in der ägyptischen Armee.
    Seine älteren Brüder Kamahl, 36 und Abbas, 32 sind beide ebenfalls beim Militär. Außerdem hat er noch eine ältere Schwester.
  • Geboren am 13. März 85 in Alexandria.
  • Besuchte verschiedene private Englische Bildungseinrichtungen: Kindergarten, Grundschule, Oberschule und Gymnasium in Alexandria
  • Begann mit 19 sein Medizinstudium in Kairo an der Britischen Universität in Ägypten
  • Abschluss des Studiums mit 25 und Beginn des praktischen Jahrs im Cleopatra Hospital in Kairo wenige Monate später mit 26
  • Aufenthalt in Uganda, bei dem er sich eine schwere Krankheit zuzog und 2 Monate im Krankenhaus verbrachte
  • Arbeitet derzeit an einer seltenen neurologischen Krankheit die in Uganda zu seltsamen und vor allem zahlreichen Kindertodesfällen führt

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Eine Welt der Dunkelheit

Where the Shadows Grow Long
We live our days completely ignorant of the true terrors lurking around us. Only rarely do our experiences draw back the veil of shadows and reveal the horror in our midst. These glimpses into the supernatural can cause us to retreat into comforting lies – ‚There are no such things as monsters‘ – or stir our morbid curiosity. Only a few, however, can overcome their fear and dare to look deeper.

Abandon Hope All Who Enter
The World of Darkness Rulebook introduces a version of our contemporary world where the supernatural is real. Players join to tell tales of mystery and horror, where theme, mood and plot are more important to a character’s experiences than his weapons or equipment. Inside are rules for character creation, task resolution, combat and any activity your character attempts as he delves into the shadows. Hardcover. Page Count: 224

(DrivethruRPG, http://rpg.drivethrustuff.com/product_info.php?products_id=1124&it=1&filters=0_0_0_0_40050)

Als ich in der zehnten Klasse das erste Mal Vampire die Maskerade spielte war es um mich geschehen. Ich war schon immer ein Fan von Vampiren und Vampirfilmen gewesen, allen voran Anne Rice’s Vampirchronik. Und als ich nun die Möglichkeit hatte selber in die Haut eines Vampirs zu Schlüpfen verliebte ich mich gleich in das System. Nicht ganz unschuldig wird wohl der Erzähler gewesen seien, der Theater und Schauspiel studierte und jedem NSC einen eigenen Sprachstil und eigenes Gebahren mit auf den Weg gab.

Jahre später erst entdeckte ich dann nach und nach andere Spiele von White Wolf die ebenfalls in der WoD angesiedelt waren und es gab eigentlich keines, dass mich nicht interessiert hätte.

Irgendwann später erschien dann die neue WoD und wie viele Deutsche war ich zunächst abgeneigt, vor allem ob der starken Setting-Differenzen.  Jahre nach dem Ersterwerb las ich dann das Grundbuch und auch Requiem nocheinmal genauer und stellte fest, dass einige DInge die mir nie gefallen hatten massiv verbessert worden waren.

Was das Setting angeht, war ich der Überzeugung, dass man wenn man es wollte auch die Regeln der neuen WoD nutzen könnte um damit Maskerade oder Apokalypse zu spielen und in der Tat machte die Konvertierung, den Translation Guide beschaffte ich mir erst später, kaum größere Probleme.

Heute bin ich ein begeisterter Anhänger der neuen WoD, vor allem im Bezug auf die vielen Mini-Bücher und sich auf Menschen beziehenden Geschichten. Die Regeln haben mich durchweg überzeugt und ich versuche stets meine Mitspieler davon zu überzeugen nicht nach den Regeln der klassischen WoD zu spielen, sondern der neuen eine Chance zu geben.

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SC: Nicodemus Kyrillos

Unsere Eberron-Runde began ich mit dem Sorcerer Nicodemus. Allerdings verstarb nach Abschluss unseres ersten Abenteuers auf Stufe 10 unsere Paladinin auf der Reise zu den Festen von Mror. Da ich unter chronischer Charakterwechselitis leide, nutzte ich die Gelegenheit um mir einen neuen Charakter auszudenken. Hier aber erstmal Infos zu Nicodemus:

Nicodemus Kyrillos – Sorcerer 10

Nicodemus stammt aus Karnath und war einst überzeugter Patriot

Nach seinem Wehrdienst verpflichtete er sich für längere Zeit freiwillig und diente in der Arme nicht nur als schwere Artillerie, sondern auch als Spion oder Folterknecht. Mit Hilfe von Gedankenmagie war es für ihn nicht sehr schwierig die gewünschten Informationen aus Gefangenen herauszubekommen.

Im Laufe von verdeckten Ermittlungen entdeckte er einen völlig neuen Lebensstil für sich und begann mehr und mehr im Luxus zu schwelgen, Luxus den er sich als Soldat der Karnathischen Truppen nicht leisten konnte.

So verlies er schließlich die Armee um sich als Abenteurer an gut zahlende Kunden zu verkaufen.

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DZ-Gruppe: Finstere Zeiten

Um bei einem Changeling: The lost One-Shot in das System reinzuschnuppern, habe ich mir einen Changeling erstellt. Leider hatte ich an dem Abend Verspätung und so gut wie alle anderen SPieler sagten ab, sodass die Runde ausfiel.

Nun hart Palaemon dem nächsten One-Shot und ich hoffe doch noch irgendwann Changeling zu spielen.

Name: Palaemon
Seeming: Elemental (Waterborn)
Court:
Apparent Age: 20
Mental Attributes: Intelligence 2, Wits 3, Resolve 2
Physical Attributes: Strength 3, Dexterity 3, Stamina 2
Social Attributes: Presence 2, Manipulation 2, Composure 2
Mental Skills: Academics 1, Medicine (Emergency Care) 2, Occult 1
Physical Skills: Athletics (Swimming) 4, Brawl (Grappling) 1, Drive 1, Weaponry 1
Social Skills: Animal Ken (Animal Type: Fish/Dolphin) 3, Empathy 2, Persuasion 2, Socialize 2, Subterfuge 2
Merits: Striking Looks 4, Stunt Driver 3
Willpower: 4
Clarity: 7
Virtue: Charity
Vice: Envy
Health: 7
Initiative: 5
Defense: 3
Speed: 11
Size: 5
Wyrd: 1
Contracts: Dream) 2, Elements (Water) 3
Goblin Contracts: none
Pledges: none
Glamour/per Turn: 10/1
Weapons/Attacks:
. . 6L – Elements‘ Fury
. . 4B – Unarmed Strike
Armor:
. . 1/1   Elements‘ Fury (Def: –, Spd: –)

(Nin, http://www.drachenzwinge.de/forum/index.php?topic=33100.0)

Sebastian Desmarais – Palaemon
Spieler: Mandavar
Elemental, Waterborn

Mien

  • Haut wie grünes Meerwasser, Adern und Venen sind deutlich als dunkelblaue Linien unter der Haut zu erkennen
  • Fein gefiederte, federartige blaue Algen die ihm Schulterlang vom Kopf „wachsen“ statt Haaren
  • Augen in denen sich die Iris je nach Stimmung verändert, bei guter Laune sind sie blau wie die ruhige klare See, verschlechtert sich seine Stimmung verdunkeln sich die Augen und werden zu stürmischer See. Sieht man genau hin, kann man erkennen, dass sich kleine Wellen durch die Iris bewegen

Mask

  • Etwa 20 Jahre alt, braungebrannt, gut durchtrainiert
  • hellbraune strubbelige hochgegelte Haare, Augen wie das Meer, immer gut rasiert
  • Ausgeblichene Jeans, Turnschuhe, buntes enges T-Shirt, blauer Mantel meistens offen
  • Blessing:   Übernatürliche Zähigkeit aufgrund des Elementaren Körpers (1Gp um Wyrd als Gesundheit zu addieren für eine Szene)
  • Curse:   den Menschen weit entfremdet (Kein 10 again auf Mnp+Empathy/Expression/Persuasion/Socialize)
  • Waterborn:   1Gp um 1 Szene unter Wasser zu atmen und schnell zu schwimmen, 2*Speed,       dafür kann er keine Luft atmen und würde an Land ersticken

Hintergrund

  • Mutter Französin, Vater wo auch immer wir spielen
  • Hatte immer eine ziemlich gute Beziehung zu seiner Zwillingsschwester, beide waren in der gleichen Klasse und zusammen beim DLRG (Generic Rettungsschwimmerverein wenn wir nicht in Deutschland spielen sollten)
  • Jobben als Bademeister und Schwimmkurse geben
  • In den Ferien mit Schwester am Meer als Rettungsschwimmer arbeiten, jeden Abend Strandparty
  • Diverse Kurzlebige Beziehungen mit verschiedenen Mädchen, sowohl während des Schuljahr als auch in den Ferien
  • Eines Abends in einer kleinen Bucht eine gestrandete Meerjungfrau, will helfen, wird entführt
  • Im Unterwasserreich der Meerjungfrau ist er erst ihr Liebhaber, aber als er ihr langeweilig wird muss er in gefährlichen Unterwasserwaagenrennen fahren, bei Gladiatorenspielen mitmachen…
  • Zu Beginn gefiel ihm sein Dasein noch ganz gut, bis er langeweilige wurde, etwas dass er von seinen Freundinnen kannte, nur das er diesmal das Opfer war.
  • In den gefährlichen Rennen und Arenakämpfen konnte er gerade so eben überleben, aber er verlor öfter und endete schwer verwundet, als das er siegreich war.
  • Mit jeder Niederlage verlor er weitere Erinnerungen an sein Leben als Mensch, bis er schließlich kurz davor stand auch seine Schwester zu vergessen. Dies konnte er nicht zulassen und so rang er sich dazu durch das Reich seiner Hüterin zu verlassen. Insgeheim hatte er sich bis jetzt immer gewünscht, er könne ihr Interesse zurückerlangen wenn er nur gut genug würde.

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