GMDW: Nur ein Abend

TS-Runde Donnerstag 03.11.11
Erzähler: Clawdeen
Spieler: Lenja, Melekh, Samu

21.10.11 Abend
Nun wollten wir den Blechaffen erstmal Blechaffen seien lassen. Der Abend war noch jung und wir wollten die Gelegenheit nutzen um uns etwas besser kennenzulernen.
Alpi war schon zu müde um uns noch zu begleiten und ist dann abgebogen und nach Hause gegangen. Er war seit unserer ersten Begegnung seltsam skeptisch und zurückhaltend gewesen. Aminte sollten einander vertrauen und helfen, auf jemanden mit so vielen Hintergedanken hatte ich heute Abend keine Lust und so trauerte ich ihm nicht hinterher.

Im Café blieben wir nicht lange. Die Sprachbarriere ließ keine entspannten Gespräche aufkommen, sodass ich den anderen vorschlug irgendwo hinzugehen wo wir unter uns wären. Dort könnten wir dann auf ägyptisch ohne Probleme reden und verstehen. Dachte ich zumindest. Aber Annuk überraschte mich ihren Zweifeln. Es war schwierig für sie sich auf ihre Ägyptische Seite ienzulassen, vielleicht weil sie aus einer so anderen Kultur kam. Sie sprach von sich und ihrem Tem-Akh immer noch als getrennte Persönlichkeiten. Trotzdem verstand sie, was ich sagte als ich die Sprache der Tem-Akh benutzte, aber sie schien nicht antworten zu können. Wenn wir erstmal unter uns waren, würde ich ihr etwas in Hieroglyphen aufschreiben und versuchen diesen Fokus zu nutzen um sie dazu zu bringen ägyptisch zu sprechen. Dann könnten wir uns auch endlich ohne Übersetzer direkt unterhalten.

Im Raddisson Seaside angekommen, schnappten die beiden sich einen Kaffee und ich mir einen Pfefferminztee, dann gingen wir auf Samus Zimmer. Ich hätte auch gerne einen Kaffee, aber sie hatten hier einfach nirgends Kardamon, den müsste ich mir wohl selber dazu kaufen.
Ich hatte schon gehofft, sein Zimmer wäre vielleicht größer als meine Kajüte, aber ich hatte mich geirrt. Die Sterne hatten hier definitv nichts mit der Größe der Räume zu tun. Annuk setzte sich aufs Bett, ich überlegte kurz mich zu ihr zu setzen, entschied mich dann aber doch für einen Schneidersitz auf dme Boden. Samu nahm sich den einzigen Stuhl und ließ sich darauf nieder, das Bett nutzte er als Beinablage.

Wir unterhielten uns über meine kulturellen Hintergründe und darüber, dass ich schon vor meinem Tod viel über ägyptische Mythologie wusste und sie liebte, sodass ich mich jetzt nur wenig daran gewöhnen musste. Bei Lanja war das etwas ganz anderes, sie wäre, wie sie beteuerte, lieber eine Valkyre geworden als eine Mumie. Ob sie wohl kriegerisch genug war um sich für so etwas zu qualifizieren, wohl kaum. Gab es überhaupt Valkyren? Bestimmt, immerhin gab es auch den Schakalsgott mit seiner Digitalwaage. Aber was waren Valkyren? Ich hatte nicht die leiseste Ahnung.
Weiterhin war ihre erste Begegnung mit anderen Aminte wohl wesentlich unerfreulicher verlaufen als meine Beziehung zu Naranj. Wo sie verständnisvoll, hilfsbereit und freundlich gewesen waren, hatten die Aminte von Aswuat, nicht Assuan wie ich zuerst glaubte, hatten diese sich kaum die Zeit gefunden den Skandinaviern alles zu erklären, sie ausgenutzt und versucht übers Ohr zu hauen.
Die beiden mutmaßten sogar ob nciht die Aminte selbst den Terroranschlag verübt hatten bei dem sie verstorben und zu Mumien geworden waren. Mir war absolut unbegreiflich, wie sie soetwas von anderen Aminte denken konnten.
Ich würde sie davon überzeugen müssen, dass es sich um irgend eine Art von Missverständnis gehandelt hatte, so wie ich ihnen alles über die Äonen von Het-ka-Ptah beibringen würde. Horus sei dank, gab es zwar ziemlich viele, die die Bezeichnung Gott für sich beansprucht hatten, aber wenn man sich auf die mächtigen Äonen und Himmlischen beschränkte blieb die Zahl wenigstens zweistellig.

Dann bekam ich eine SMS von Naranj. Bis zum Ende der Woche müsste ich zurück nach Khem kommen, es gab Probleme über die sie mich später telefonisch informieren würde. Als ich daraufhin umständlich versuchte mir die Hilfe von Annuk und Samu zuzusichern, meinte er ich solle ihn doch einfach fragen ob er mir helfen würde. Annuk war wesentlich weniger deutlich. Sie schien mich zu mögen, aber sie wollte hier bleiben, zu Hause und mit Ägypten nichts zu tun haben. Und das obwohl sie immer wieder erwähnte, sie hätte niemanden hier der auf sie gewartet hatte, niemand zu dem sie gehen konnte. Sie tat mir leid, ich wollte nicht ganz alleine auf der Welt sein, egal wo.

Einige Zeit später meldete sich dann auch Samus Handy. Er zog sich zum telefonieren ins Badezimmer zurück und so unterhielten Annuk und ich uns eben alleine weiter.
Wir sprachen darüber, dass ich andere Kleidung tragen müsste, wenn ich wirklich beabsichtigte mit Amani hier nach Helsinki zu ziehen und sie empfahl mir dicke Wolle, damit ich nicht mehr so fror. Wir sprachen auch über Filme, Musik und kamen irgendwann auf unsere Wiedergeburt zu sprechen.
Sie konnte sich an ihre nur schwer erinnern und musste immer lange nachdenken, bevor sie etwas beschreiben konnte. Dadurch hatte ich den größeren Redeanteil, anders als bei den Filmen zuvor, vor allem als Ich ihr lautstark und wild gestikulierend meine Entrüstung über die Digitalwage des Schakalsgottes schilderte. Bei ihr hatte er sich an die klassische Vorstellung gehalten und die Waage mit der man ihn üblicherweise sah gewählt. Fabelhaft. Das machte die ganze Geschichte in meinen Augen nur noch schlimmer.

Samu kam wieder aus dem und musste gehen. Er hatte etwas zu Hause zu erledigen und wollte nicht darüber sprechen. Warum nächtigte er überhaupt in einem Hotel?
Ich führte Annuk zwei Etagen nach oben in mein Zimmer, stellte meine Tiefkühltasche auf den Tisch und widmete mich wieder unseren Gesprächen.
Wir redeten und redeten, ich weiß nicht einmal mehr genau worüber alles. Das Gehirn aus Uganda kam auf jeden Fall vor, da ich es gerade erneut in Stasis versetzen musste. Aber sonst kann es durchaus seien, dass einige der oben genannten Themen erst jetzt angesprochen wurden.
Schließlich kam Samu wieder und er hatte eine Flasche Wodka dabei und bot uns an mit ihm zu trinken. Annuk willigte sofort ein, aber ich lehnte ab und versuchte vergeblich die beiden davon zu überzeugen, dass es sich dabei um Gift handelte und sie nicht für ein bischen Spaß ihre Kat beschädigen sollten. Die Auferstehung und unsere neuen Hüllen waren wunderbare Geschenke des Osiris, die man nicht auf diese Weise besudeln sollte.
Erst als Samu mit hoher Geschwindigkeit mehrere Gläser Wodka in sich hinein schüttete, wurde Annuk, die eigentlich Lenja hieß wie sie mir auf Drängen Samus mitteilte, darauf aufmerksam, das irgendetwas an Samus guter Laune nicht echt war.

Sie war nur gespielt, eigentlich ging es ihm ganz und gar nicht gut. Um ihn vor größerem Unheil zu bewahren, entwendete sie ihm die Flasche, und entsorgte sie samt einem der zwei Gläser die er zum trinken nutzte. Aber Samu schnappte sich gleich die Flasche aus meinem Hotelzimmer.
Was die wohl da verloren hatte? Bestellt hatte ich sicherlich keinen Wodka. Samu wurde mit jedem gesprochenen Wort agressiver und wütender, alle Versuche ihn zu beschwichtigen waren vergeblich.

Ich ließ meinen Blick kurz zu Lenja schwenken, durch ihren Versuch ihn vor dem Alkohol zu beschützen, zog sie einen Großteil der Agressionen auf sich. Ich wollte nicht, dass ihr etwas zustößt, dass die Szene hier ausartete und so verwies ich ihn meines Zimmers. Obwohl ich fürchtete, er würde einmal kräftig zulangen und dann wäre es das mit mir, zeigte meine feste Stimme Wirkung. Missmutig zog sich Samu zurück.

Ich zögerte einen Moment, überlegte ob ich Lenja mitnehmen sollte. Eigentlich hätte ich sie gerne dabei gehabt, sie kannte Samu viel besser als ich, hatten zusammen mehr durchgemacht, als mit mir. Dann ging ich aber doch alleine und sie blieb im Zimmer zurück. Hoffentlich war sie schlau genug das Gehirn in Ruhe zu lassen. Ich woltle nicht verantworten, was mit ihr geschehen würde, sollte sie einen Blick riskieren.

Schnellen Schrittes ging ich den Weg zu Samus Zimmer ab. Ich hatte Glück, er war nirgedswo anders hingegangen, hatte das Hotel nicht verlassen. Den Geräuschen nach war er gerade dabei, sein Zimmer auseinander zu nehmen. Naja, 4 Sterne hatte es sowieso nicht verdient, der Menschheit ging durch sein Wüten nichts verloren. Es gab noch genug Kopien dieses Raumes überall im Hotel.
Ich hatte noch deutlich vor Augen wie ich meinen Zorn und meine Wut damals an meinen Büchern und meiner Einrichtung ausgelassen hatte. Ich würde ihn jetzt nicht stören, die Gefühle mussten raus und weg. Leider würden sie die völlig falsche Essenz erzeugen, er sollte heute Nacht nicht hier schlafen, hoffentlich folgten die Geister die sein Wutausbruch erzeugte ihm nicht?

Als es leiser wurde, klopfte ich und nannte meinen Namen. Erst zögerte er, dann ließ er mich ein. Mit diesem Anblick hatte ich definitiv nicht gerechnet. Das Zimmer sah aus, als hätte eine Bombe eingeschlagen. Ich sah nichts, was größer als meine Hand gewesen wäre, sogar in den Wänden fanden sich hier und da einige Löcher.
Ich redete ihm gut zu, versorgte seine blutigen Hände und war für ihn da, als er zusammenbrach.
Ich hielt einen schluchzenden Mann im Arm, der über den Tod seiner Frau trauerte. Sie hatte sich das Leben genommen während er auf der Hadsch gewesen war. Er dachte ich könnte ihn nicht verstehen.
Aber ich verstand ihn. Vor mir konnte ich Amani sehen. Wie sie ihre SMS tippte und ich niemals mehr antwortete. Zuvor hatte ich jeden Tag, dann jede Woche geschrieben und dann nichts mehr. Zwei Monate.
Ich verstand ihn nur zu gut. Es konnte keine größere Qual auf der Welt geben. Keine.

Stunden später ging es ihm besser. Ob ich an nur einem Abend in der Lage gewesen wäre mich wieder zu beruhigen? Ich kann es nicht sagen, vermutlich nicht. Also begeben wir uns wieder zurück nach oben, in mein Zimmer, zu Lenja.
Sie schien es mir ziemlich übel genommen zu haben, dass ich sie einfach hier stehen lies. Kaum waren wir hier, wollte sie auch schon nach Hause gehen. Ich versuchte per Blick herauszufinden, wie sicher Helsinki bei Nacht wohl war? In Misr wäre es unmöglich gewesen.
Mein schlechtes Gewissen ihr gegenüber zwang mich dazu sie zu begleiten. Sie wollte nicht hier im Hotel neben Samu auf dem Doppelbett schlafen, ich hätte auch den Boden genommen.

Halbherzig versuchte sie mich abzuhängen und führte mich dabei in den Hafen. Einen schönen Ausblick hatte sie hier, fast wie meine Brücke in Gizerah. Eigentlich um ein vielfaches besser, die Schiffe, die Lichter, der Palast. Atemberaubend.
Aber weiter half uns das nicht. Ich wusste einfach nicht, was ich sagen sollte.
Und dann klingelte mein Handy, Naranj rief an um mir ihre ominöse SMS zu erklären. Danach war alles anders.
Amani hatte in zwei Wochen einen OP Termin, dessen Auslöser geheim gehalten worden war und sie woltle von mri wissen, ob ich eine Idee hätte.
Natürlich hatte ich keine, woher sollte ich wissen, was Amani in einem aseptischen OP verloren hatte. Und das erst in zwei Wochen äußerst merkwürdig.
Verwirrt und mit einem Chaos sich im Kreis drehender Gedanken im Kopf legte ich auf. Lenja war schon ein gutes Stück weit weg. Aber ich wollte mich wenigstens noch verabschieden.

Statt dessen versuchten wir uns gemeinsam einen Reim auf mein Telefonat mit Naranj zu machen. Vielleicht war sie doch nicht sauer auf mich? Sie hatte viele Ideen, aber sie kannte mich nicht, kannte Amani nicht und so musste ich die meisten leider verwerfen.
Aber sie half mir etwas Struktur in den wirbelnden Strudel meiner Gedanken zu bringen. Nach einem weiteren Gespräch mit Naranj, trennten sich unsere Wege dann doch. Es war schon spät, ich hatte morgen einen Termin und musste ins Bett.
Lenja bekam ihren Willen und ging allein nach Hause. Ich glaub es hätte ihr gut getan, wenn sie mich hätte für sich da sein lassen. Niemand sollte so allein sein wie sie.
Wenn man nach Hause kam, sollte immer jemand da sein, der sich freute, dass man auf der Welt war.

Vor dem Schlafen gehen schrieb ich Amani noch eine SMS und bekam direkt eine Antwort? Was war denn da los?
Sie hatte keinen OP-Termin, zumindest keinen von dem sie wusste. Diese Information beruhigte mich nicht wirklich und brachte auch kaum mehr Ordnung in das Chaos aus Gedanken um Naranjs Informationen.
Warum konnte sie überhaupt schreiben, um diese Uhrzeit. Ich meine, ich war glücklich von ihr zu hören, aber irgend etwas war da nicht richtig.

Zaid hatte sie eingesperrt, im Schlafzimmer. Also war sie doch nur sein Zuchtkamel um seine abartigen Gene in die nächste Generation weiter zutragen. Sie hatte sich einem Freund von Zaid, der zu Besuch war, gegenüber gastfreundlich und nett benommen. Und gleich wurde ihr wieder lasterhaftes Verhalten unterstellt.
Ich wünschte ich hätte ein Messer gehabt, ich wünschte Kamal wäre tot und hätte dieses Wort niemals in den Mund genommen. Dieses eine verdammungswürdige Wort. Amani hatte es nicht verdient, niemals.

Ein dunkler Gedanke keimte in mir auf. Was wenn auch ich sie einsperrte? Wenn meine Erwartungen an sie, meine Liebe zu ihr sie nur in einen weiteren Käfig sperrte? Das wollte ich nicht. Also fragte ich sie, ob sie überhaupt mit mir fliehen wollte.

Aber sie würde mit mir kommen. Wenn ich es irgendwie schaffen konnte sie aus den Fängen Zaids und aus den Fängen meiner Familie zu befreien würde sie mit mir kommen. Egal wohin. Hauptsache Amani, die Kinder und ich waren zusammen.

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