WtA: CoNO, Erste Verwandlung

Tischrunde 21.01.2012
Erzähler: U.
Spieler: Elle (Clawdeen), Kilian, River (Silverlocke), Leif (Kazul), Kaitlyn (Arva)

Es würde eine harte Woche werden nach dem ganzen Spaß in der letzten. Ich würde zur Schule gehen, in den Ferien, und hatte auch noch ne Schweinekohle dafür gelatzt. Voll das Hindernis.
Früh aufstehen, hastig frühstücken und dann ab zur Schule.
Mit einem ekligen, vollen, stinkenden Schulbus. Ich wollte ein Fahrrad. Ob wir mir fürs nächste Jahr ein Fahrrad besorgen konnten?

Zu allererst gings ab ins Sekretariat. Hier in der Schule übernahm Elle die Führung, sie wusste, wos lang ging, was man machen durfte und was nicht. Ich wollte auf jeden Fall im Sommer wieder kommen und hier mit ihr zur Schule gehen. Also steckte ich die Hände in die Hosentasche, setzte mein Was-auch-immer-Gesicht auf und ließ alles klaglos über mich ergehen. Hier und da hätte ich gerne mal mitgemischt, aber ich sah immer zuerst zu Elle und checkte ab, ob ich mich mal aus dem Fenster lehnen durfte oder lieber nicht. Meistens war es ein „oder lieber nicht“. Ob die hier wirklich so streng waren, oder war das „oder lieber nicht“ nur Elles Streberselbst?
Ich musste eine weitere Million von Zetteln angucken und ausfüllen für den Austausch später, voll das Hindernis.
Heute war der Tag der neuen Leute, im Sekretariat war noch ein Neuer, der würde aber länger hier bleiben, denk ich mal, also nicht erst mal nur ne Woche. Ziemlich schüchternes Kerlchen, als Mädchen hätte man graue Maus oder Mauerblümchen gesagt, gab es so ein Wort auch für nen Kerl?
Naja, auf jeden Fall hatte er coole Klamotten an und Hammersandalen. Authentisch. Nicht so angepasst. Ich mag authentische Leute, jetzt musste er nur noch dazu stehen oder so, aus sich herauskommen.
Elle sollte sich um ihn kümmern und sie checkte auch sofort den Stundenplan ab. Sofort alles voll durchorganisiert schleppte sie uns beide gleich in den Matheunterricht zu Mr. Drake.
Montagmorgen, erste Stunde Mathe, Traumstart, um nicht zu sagen: Voll das Hindernis.

Im Matheunterricht gabs dann gleich noch mehr neue Leute. Also für die anderen, für mich war hier sowieso jeder neu, also außer Elle, deswegen zählte das nicht. Perspektive und so.
Ein reicher Schnösel und ein verwegen aussehender Kerl namens Leif. Die neuen Schüler setzten sich irgendwo nach hinten, ich blieb an Elles Seite und musste ganz vorne sitzen. Voll das Hindernis.
Ich meine, ganz vorne konnte man gar nichts sehen außer den Unterricht, und wer will schon Matheunterricht sehen? Montagmorgen ehwieso nicht. Naja, dann würde ich mir die anderen Leute später anschauen.

Später in der Mittagspause saß ich mit Elle am Tisch. Es schien hier so eine Art Reviere zu geben und ich musste mir keines erkämpfen, sondern durfte bei Elle sitzen. Ist nicht das beste Revier, würd ich mal sagen, aber allemal gut genug für mich.
Während wir so da sitzen, zeigt sie mir die verschiedenen Leute und erklärt, wer wer ist.

Aber dann ging die Post ab. Plötzlich wurde es immer stiller und alle beobachteten die Cheerleader und die Neuen. Schade, dass wir keine Cheerleader an der Schule hatten, definitiv ein Hingucker. Kaitlyn, die auch in Elles Klasse war, zoffte sich gerade um ihr Revier oder so mit ner anderen Cheerleaderin. Die eine ging gar nicht, aber Kaitlyn sah ganz nett aus, bis auf, dass da irgendwie was fehlte, so das gewisse Etwas oder wie sagt man noch? Dafür war die auf jeden Fall mal total verschärft drauf, hat so nem Footballochsenweichei nen ganzen Teller Nudeln in die Fresse gehauen und die Nudeln waren überall, haha.
Das hätte ne gute Massen-Essensschlacht geben können, aber Elle zuliebe blieb ich hier sitzen und machte nichts weiter, als mir die Gesichter der Beteiligten zu merken. Der Schnösel und Leif waren auch dabei. Leif wusste definitiv, wo die Party abging, zumindest sah er so aus.

Ich hätte gerne mit ihnen geredet, aber die waren schneller im Büro des Direktors, als man Schulregeln sagen konnte.
Gut, dass ich nicht mitgemacht hatte, die Drei wurden für die Hälfte der Woche aus der Schule suspendiert, an ihrem ersten Tag hier. Verschärft. Aber ich wollte noch mal wieder kommen und die würden mich sicherlich nicht nehmen, wenn ich hier sowas abzog. Für mich galt hier ja keine Schulpflicht oder so, die konnten mich einfach abschieben und dann gäbe es keine vier Jahreszeiten mit Elle.
Also zusammenreißen und ruhig verhalten. Hände in die Hosentaschen und das Hindernis aussitzen.

Dienstag, Mittwoch ging gar nichts. Alle waren immer noch damit beschäftigt, sich über die Hintergründe der montäglichen Essensschlacht den Mund zu zerreißen.
Kaitlyn war jetzt wohl nichtmehr mit ihrem Football-Ochsen zusammen. Richtig so. Weiß gar nicht, was die alle mit dem Spiel haben. Ich meine, besser als Fußball war es allemal. Aber es gab noch so viele andere noch bessere Sachen. Schade.
Zu Hause alberten Elle und ich immer wieder rum. Nur zuhören oder Briefe lesen und beim Hausaufgaben machen zuschauen wäre mir definitiv zu langweilig gewesen.
Aber ich piekste und kitzelte sie nicht nur, wir gingen auch noch mal tanzen, das machten wir alle paar Tage und dazwischen hatten wir eifrig geübt. Bevor ich wieder nach Hause musste, wollte ich gut genug jiven können, um einmal in der Mitte zu tanzen. Also für Elle, weil sie das gerne wollte. Mir reichte einfach tanzen. Beim Laufen oder so guckte ja auch keiner zu. Das machte ich für mich, nicht um irgendwelchen lahmen Leuten irgendwas zu zeigen. Einfach um zu gucken, wie weit ich hüpfen konnte, wie weit ich mich abrollen konnte, wie weit ich gehen konnte.

Trotzdem ist ab sofort Mittwoch mein Lieblingstag.
Also irgendwann mal hatten Elles Eltern so einen dämlichen Fragebogen ausgefüllt. Mann, seit den ganzen Austauschfragebögen kann ich die Dinger sowas von nicht mehr sehen. Und deswegen musste sie jetzt zum Arzt, wegen irgendeinem Gendefekt.
Und wenn schon. Elle war cool. Und wenn ein Defekt daran Schuld war, dann sollten sie besser mal herausfinden, wie man diesen Defekt bei anderen Leuten auch einbaut oder so, anstatt sie damit fertig zu machen. Sie hatte daran ganz schön zu knabbern. Ich konnte und konnte sie nicht aufmuntern. Sie wehrte sich nicht, wenn ich sie kitzeln wollte, reagierte nicht, wenn ich sie piekste. Nichts.
Scheiß-Arzttermin, voll das Hindernis.
Aber so wird man kein Lieblingstag.
Als ich schließlich nicht mehr wusste, was ich noch tun konnte, legte ich mich einfach neben sie aufs Bett.
Sie war ziemlich fertig wegen des Arzttermins, also sagte ich ihr, dass ich mitgehen und auf sie aufpassen würde. Für mich war das die ganze Zeit klar gewesen, für sie irgendwie nicht.
Sie robbte zu mir rüber, drehte sich zu mir und legte mir ihren Kopf in meine Achsel. Gut, dass wir heute nicht tanzen waren, sonst wäre sie direkt wieder gegangen.

Meine linke Achsel ist ab jetzt übrigens heilig. Und Mittwoche gleich mit. Gut, dass sie ihren Kopf nicht auf meine Brust gelegt hat, sonst hätte sie gehört, wie mein Herz explodiert ist.
Das war so nicht geplant. Ich war extra vorsichtig, hab gar nichts gemacht, weil ich sie nicht erschrecken wollte. Bin einfach nur ein Kilian gewesen, der halt etwas mehr gegrinst hat als sonst. Ging auch gar nicht anders, wenn die Elle dabei war und gute Laune hatte, musste ich einfach grinsen. Einfach nur Kilian hatte wohl schon gereicht, so ganz ohne Plan. Ziemlich cool.

Am Donnerstag in der Mittagspause wollte ich dann mal mit Leif und Kaitlyn sprechen, aber Elle hatte noch was mit dem Lehrer zu bereden, und als wir endlich rauskamen, waren alle schon weg. Voll das Hindernis, morgen musste ich besser aufpassen, das war mein letzter Tag mit Schule. Sonst mussten wir gucken, ob man sich irgendwie am Samstag noch treffen konnte oder so. Ich würde da diesmal länger wach bleiben, dann am Sonntag im Flugzeug schlafen und dann wieder Schule. Ohne Elle. Das würde irgendwie viel langweiliger werden. Ich würde sie vermissen. Gut, dass Sommerferien und Osterferien nicht so weit auseinander liegen. Ob ich meine Achsel wohl doch noch waschen sollte, bevor ich wieder herkam? Ich war mir da noch unsicher.

Am Nachmittag fuhren wir dann zu diesem dämlichen DNA-Krankenhaus, wo Elle untersucht werden sollte.
So ein Krankenhaus hatte ich im Leben noch nicht gesehen. Auf der anderen Seite sollte ich ihnen irgendwie dankbar sein, immerhin hatten sie mir zu meiner heiligen Achsel und meinem neuen Lieblingstag verholfen.
Ich versuchte sie aufzumuntern mit Gerede über Hochsicherheit und Zombieseuchen. Da hatten verschiedene Leute in der Schule mal drüber gesprochen. Also Zombiefilme. Ich guckte ja nur Tiersendungen.
Elle stand offensichtlich auch nicht auf Zombies und schon gar nicht, wenn sie selber einer wurde. Auf jeden Fall wurde sie nicht glücklicher.
Wir wurden eingelassen wie in ein Polizeirevier. Die Aufzüge waren auch megasicherheitsmäßig, man konnte sie nur mit Schlüssel bedienen und alleine gar nicht fahren. Da half auch die Rieseneingangshalle nicht, nach oben offen, so dass man den Himmel sehen konnte. Und auch dieses Wartezimmer. Grauenvoll. Es war so offensichtlich darauf eingerichtet zu beruhigen.
Ich meine, man kann nicht jemanden wegen eines harmlosen Gendefekts in ein Krankenhaus bestellen und dann megaviele Sicherheitsleute haben und ein Haus, das nem Militärstützpunkt oder Polizeirevier gleich kommt. Sowas ist nicht beruhigend. Überhaupt nicht.
Arme Elle.
Und ihre Mutter, die fraß das alles. Meine hatte mir beigebracht, dass man Ärzten nichts glauben darf, immer nachfragen muss und nichts einfach mit sich machen lassen sollte.
Da war das eine Mal, da war sie beim Frauenarzt, wegen einer Mammographie. Und sie war extra bei einer Frau gewesen und dann sollte da noch irgendwas anderes gemacht werden und dann wollte eine Krankenschwester, dass sie nochmal abgetastet wurde, von einem Mann und so. Dämliches Ärztezentrum. Hat sie natürlich nicht mit sich machen lassen. Sowas Dämliches.
Naja, dann kam die Krankenschwester und holte Elle. Wenn ich gewusst hätte, wie sehr sie Elle holte, dann hätte ich das Seramis schon da benutzt.
Wir versuchten, zusammen in die Untersuchung zu kommen. Und wie sehr die sich sträubten. Eigentlich hätten wir gleich wieder nach Hause gehen sollen. Leider sah Elles Mutter das Ganze etwas anders.
Und so musste Elle ganz alleine in die Untersuchungsräume. Ich jonglierte mit Seramiskügelchen, füllte einen dämlichen Fragebogen aus. Elle hatte gesagt, wir wären verwandt und deswegen könnte ich auch en Gendefekt haben.
Scheiß Fragebogen. Scheiß Untersuchung. Verficktes DNA.
Als ich fertig war, den Fragebogen mutwillig widersprechend auszufüllen und es immer noch 100 Jahre dauerte, die sie Elle untersuchten, bastelte ich mir Boomerangschwalben und übte sie zu werfen. Elles Mutter gefiel das gar nicht.
Mir gefiel gar nicht, wie sie sich von den Leuten hier behandeln ließ. Ich meine, das war ja eigentlich gar nicht meine Elle, sondern ihre. Sie hätte noch viel mehr Theater machen müssen als ich.
Das machte sie dann auch, als sie wiederkamen. Aber auf die völlig falsche Art und Weise.
Elle war k.o.
Die redeten irgendwas von gefährlichem Gendefekt und plötzlichem Sterben durch Stress und lauter Latein. Mann, immer wenn ich es mit Ärzten zu tun hatte, wünschte ich, ich könnte Latein und kein Französisch, aber man konnte nicht alles haben.
Auf meine Fragen reagierten die gar nicht richtig und erzählten nur weiter irgendwelche Sachen.
Elles Mutter glaubte denen alles und brach in Tränen aus.
Ich auch beinahe. Aber meine waren weniger verzweifelt als ihre. Meine wären eher wütend gewesen.
Scheißarschlöcher.
Selbst wenn sie irgendwann tot umgefallen wäre, hätte man zumindest vorher mal darüber sprechen können, ob man sie einem Risiko aussetzt, das sie tot umfallen lässt.
Verfickte Arschlöcher.
Wir sollten uns jetzt einfach so verdrücken. Elle zum letzten Mal gesehen, hinter Dutzenden von Scheiben angeschlossen an tausend Maschinen mit Kabeln überall. Voll das Hindernis.
Ich bestand darauf, noch mal zu ihr gehen zu dürfen, mit ihr zu reden. Arme kleine Elle. Jetzt kannst du dich gar nicht mehr in meine heilige Achsel legen.
Nicht mehr jiven, nicht mehr im Badekleid schwimmen gehen und keine doofen Stammbäume mehr basteln.
Aber warum bist du eigentlich nicht zu Weihnachten tot umgefallen? Warum jetzt? Irgendwas stimmte doch da nicht. Wenn das stressbedingt hätte passieren können, dann wärst du doch Weihnachten umgefallen. Und ich wäre nicht hier und hätte mich nicht in dich verliebt.
Also so richtig. Mehr als eine Hoffnung. Rote Elle vom Mississsippi und jetzt liegst du da und bist k.o.
Verarschen die uns hier?
Mal testen. Ich knickte einen von den fiesen Schläuchen ab, damit er nichts mehr in meine Elle pumpen konnte, sofort gabs Alarm und eine Krankenschwester kam herein.
Scheiße, jetzt hatte ich doch Angst. Ich wollte gerne alles rausreißen und meine Elle mitnehmen. Aber was, wenn die uns nicht verarschten, dann hatte ich meine L platt gemacht. Scheiße, scheiße, scheiße.
Ich traute mich nicht.
Außerdem kämen wir ehwieso nicht raus gegen deren Willen. Wir brauchten schon Polizei oder so. Voll das Hindernis.
Obermegariesenhindernis.
Mit einer schluchzenden Ellemutter räumte ich den Platz. Ich hätte explodieren können. Arschlöcher. Dumme Kuh. Jetzt hör auf hier rumzuheulen. Wir sind in Amerika. Alle verklagen die Polizei, rufen dem FBI Bescheid, sagen keine Ahnung, ach, scheiße, Mann.
Hör doch auf hier rumzuheulen.
Unverrichteter Dinge fahren wir nach Hause, als wir von nem Hippibus überholt werden. Moment, das war doch Leif. Was will der nur? Der spinnt doch und hupte hier wild rum. Ich versuchte, Elles Mutte einen Bären aufzubinden, aber sie glaubte mir nicht.
Aber Leif triebs immer bunter mit den Autos. Mann, sei vorsichtig, sonst teleportieren sich die Autos noch ineinander und dann gehts keinem von uns besser, egal was ist.
Schließlich wurde es Elles Muttertier zu bunt und sie schmiss mich raus. Ich stieg bei Leif ein und der brauste davon, während ich mich mit einer Hand am Griff über dem Fenster, mit der anderen im Sitz verkrallte. Hilfe.
Leif erzählte mir eine Geschichte, die absolut durchgedreht war. Er meinte, der Schnösel hätte ihn angerufen und wäre wegen des Anrufes entführt worden. Außerdem hätte man Kaitlyn samt ihrem Dad entführt und ihre Mutter platt gemacht. Und es wie Selbstmord aussehen lassen.
Scheiße, das ist der verschärfteste Mist, den ich jemals gehört habe. Jemals.
Und DNA ist schuld. Die wollten ihn auch holen, mit der Genfragebogenkacknummer.
Genfragebogenkacknummer bedeutete, dass Elle nicht krank war, sondern entführt. Und wenn sie entführt war und die eh schon gesagt hatten, dass ihr Leben am seidenen Faden hing, dann können die sie jederzeit platt machen.
Was sollte das?
Voll das Hindernis. Wenn die meine Elle platt machten. Dann weiß ich nicht, was aus mir wird. Ob es wohl noch nen anderen Deckel gibt? Scheiße, Mann, das will ich eigentlich gar nicht wissen.
Wir fahren zu einer Werkstatt. Was wollen wir in einer Werkstatt? Er kannte wohl Leute, die ihn vor DNA gewarnt hatten und die uns jetzt helfen sollten.
Das war schon mal gut. Ich hatte schon überlegt, irgend ne Gang zu suchen und da Mitglied zu werden oder so, um dann mit denen die Elle daraus zu holen. Werkstatt ging schneller, außerdem gabs da mehr Werkzeug. Und man konnte niemals genug Zeug dabei haben. Vorbereitung ist alles.
Leif sah das gehörig nicht so.

Für Leif war Action alles und er machte einfach mal ohne Plan. Aber die Idee, alles was ich drinnen bei DNA gesehen hatte aufzuschreiben und zu malen, war gut.
Außerdem hatte ich so Papier und Stift um ne Liste zu machen mit Dingen, die wir bräuchten, um da irgendwie rein und wieder rauszukommen.
Ein paar Sachen von der Liste wären für die Werkstatt auch nicht schlecht gewesen.
Die wurde nämlich von Wölfen bewacht.
Leif dachte, das wären Schäferhunde, aber das waren sowas von waschechte Wölfe, was auch immer die hier verloren hatten. Auf jeden Fall hatten die Wölfe das mit dem Bewachen voll drauf.
Sie ließen sich einfach nicht ablenken, und als wir mit dem Bus durch den Zaun fuhren, er den einen Spiegel abfuhr, um sich mit dem Fenster vor die Werkstatt zu stellen, so dass wir da einsteigen konnten, kamen die Wölfe uns zuvor.
Einer bewachte den Van von draußen und der andere war durch ne Scheiß-Hundeklappe oder so rein gerannt und erwartete uns von drinnen, bevor wir noch das Fenster hatten einschlagen können. Voll das Hindernis.
Aber verschärfte Wachhunde. Ehm Wölfe. Wie auch immer.
Dann tauchte endlich einer von Leifs Bekannten auf und war mega angepisst.
Ich wäre gerne sehr kilianmäßig angepisst gewesen darüber, wie angepisst der war, aber irgendwie war das hier nicht so ganz die richtige Situation dafür. Also war der Kilian mehr Elle und benahm sich, um Hilfe zu bekommen. Leif sah das auch schnell ein, dass man hier als Elle weiterkam und nicht als Leif.
Immerhin waren wir nicht die Kerle mit den Wachwölfen.
Wir erzählten also diese total beschissene alberne Geschichte, aber wurden nicht ausgelacht.
Der Kerl war besorgt und telefonierte, konnte aber hier nicht weg, obwohl er uns irgendwie helfen wollte. Der Wolf haute ab und hat nen Skandinavier begrüßt oder so, der kurze Zeit später reinkommt. Mann ey, die hatten es echt nur auf uns abgesehen.
Die beiden redeten und der Skandinavier sollte mit uns nach DNA fahren, um dort zu beobachten.
Ich zeigte den beiden meinen Block mit den Notizen zu dem DNA-Hochsicherheits-Verarschungshaus, deutsch, ups.
Der Kerl konnte ein bisschen deutsch und fand gut, dass ich von da komm und drückte mich. Okay. Wikinger waren ja irgendwie Germanen oder wie war das. Wie auch immer, wir fuhren und der Kerl schien tierisch Spaß zu haben, dass er was machen kann.
Wir parkten etwas abseits und beobachteten das DANN-Gebäude. Aber was beobachteten wir eigentlich Wachrouten, Wachwechsel, wäre gut gewesen, wenn uns einer gesagt hätte, was abgeht und was man so vor hat.
Ich versuchte irgendwelche Pläne zu schmieden und Sachen aufzutreiben, die man vielleicht gebrauchen könnte, aber mehr als ein Schraubenschlüssel kam dabei nicht rum. Naja, immerhin.
Der Kerl war noch ungeduldiger als Leif und wollte was unternehmen. Er sagte uns, wir sollten hier bleiben und gucken, er gehe kloppen. Na, super. Wir schlichen ihm hinterher, bis er einfach verschwand. In einer kleinen Einbuchtung von nem Warenhaus oder so gegenüber von dem DNA-Gefängnis. Wir untersuchten noch die Bucht auf Geheimtüren und andere Möglichkeiten zu verschwinden, zum Beispiel nach oben, aber fanden keine, bis wir schließlich merkten, dass da ein Wäschewagen aufs Gelände wollte. Verschärft.
Wir schlichen uns an den Wagen und es gelang uns, unbemerkt ins hintere Abteil, in die Ladefläche zu den kleinen Wäschewagen zu kommen.
Mit der Fracht wurden wir in die Tiefgarage des Gefängnisses gefahren und konnten dort aus dem Wagen kommen, während die Leute mit der Wäsche beschäftigt waren.
Ein richtiger Umschlagplatz für komisches Zeug und Wäsche war hier unten, so viel Zeug stand hier rum, dass die Leute aus dem Wagen keine Chance hatten uns zu bemerken. Wir schlichen uns zum Aufzug, mussten aber feststellen, dass wir auch den ohne Schlüssel nicht nutzen konnten und nicht mit den drei Wäschewagen und den Arbeitern in den Aufzug passten.

Leif kommt auf die geniale Idee, durch die Luke auf den Aufzug zu klettern, aber die war verschraubt. Ich dachte mir noch, was zur Hölle machen wir hier eigentlich, aber auch meine Ideen waren nicht besser. Wir passten nicht drunter, rechts und links klappte auch nicht, für oben drauf endeten sie zu sehr in Augenhöhe, also gabs aufs Maul.
Als sie den letzten Wagen brachten, schlichen wir uns von hinten an. Ich mit Schraubenschlüssel, Leif mit Holzklotz oder so. Mit voller Wucht gabs den Schraubenschlüssel auf den Hinterkopf und der Mann ging zu Boden. Scheiße, was mach ich hier eigentlich? Das durfte doch alles nicht wahr sein. Leif hatte nicht ganz so gut getroffen, sein Opfer ging nur in die Knie.
Es gab kein Zurück mehr. Wir waren hier widerrechtlich eingedrungen und hatten Gewalt angewendet. Wie war die Strafe für sowas? Durften die uns hier eigentlich erschießen, wenn die uns fanden?
Voll das Hindernis.
Ich wollte es nicht rausfinden, holte aus und trat dem Mann ins Gesicht. Dann ging er zu Boden. Ich hatte gerade zwei Mäner platt gemacht. Verschärft. Scheiße, das hier ist kein Spaß.
Wir schleiften die Leute in den Wagen, nahmen den Aufzugschlüssel und schlossen sie im Laderaum ein.
Welche Etage, welche Etage?
Es gab eine mehr, als ich dachte, aber die ist nicht unter uns. Komisch, wir beide hätten schwören können, die Gefängnisse seien im Keller.
Wenn also nicht im Keller, dann ganz oben?
Doch nicht, nur Büros und Angestellte. Wurden wir bemerkt? Keine Ahnung. Ab nach unten. Scheiß-Hindernisse. Scheiß-Elle-Entführer. Scheiß-DNA.
Der Aufzug ging wieder auf und …
… Wir sind in der Scheiß-Hölle. Da war ein Riesen-Fellding, das sich auf sechs Bewaffnete stürzte.
Das Fellding war ein Megawolfsmonster, das gegen die Bewaffneten stürmte um Elle, Kaitlyn und River die Flucht zu ermöglichen. River trug den Schnösel. Scheiße, Mann, die passten hier alle gar nicht rein.
Leif sah das genauso und wir schoben die Wäschewagen raus, damit gleich alle Platz hatten und fuhren sofort wieder runter. Ich drückte 20tausendmal auf den „Tür zu“-Knopf, bevor wir endlich weg waren.
Das Wolfsmonster wurde erschossen. Nach einer ganzen Weile im Kugelhagel. Sie redeten etwas von Silberkugeln.
Wir waren unten, rannten zum Wagen. Laderaum auf, die Leute griffen uns nicht an, gut, wäre ich jetzt nicht in Stimmung dafür gewesen. Alle hinten rein, Leif fuhr. Wie ne besengte Sau. Er brüllte irgendwas von wir müssen durch das Tor bevor es geschlossen würde. Scheiße, Mann, zitterte ich. So aufgeregt war ich seit meinem ersten Fechttunier nicht mehr gewesen. War ich überhaupt schon mal so aufgeregt? Eher nicht. Vielleicht doch. Als sich Elle an mich geschmiegt hatte.
Elle. Sie war völlig fertig. Ich kniete mich neben sie, nahm sie in den Arm und hielt sie fest, drückte sie. Aber dann brüllte uns Leif schon an, wir sollten uns bereit halten wegen des Tors.
Es war ein Sicherheitstor, gebaut, damit keine Leifs da mit ihren Bussen durchfahren konnten. Leif machte es trotzdem, zum Glück war es noch ein bisschen offen. Wir zerschellten nicht, aber das Dach wurde abgerissen. Einfach so weggefetzt.
Scheiße. Lauter Wachleute draußen, die auf uns warteten. Nein, Soldaten. Voll das Hindernis.
Kugeln flogen uns um die Ohren, River blutete, weil er sich am weggefetzten Dach geschnitten hatte und der Schnösel starb an Wunden, aus denen er alles vollblutete.
Scheiße.
Die Hölle.
So hatte ich mir New Orleans sicher nicht vorgestellt.
Der arme Schlucker stöhnte auf. Die Zeit blieb stehen. River hielt seinen Kopf in Händen und sah, wie das Licht in seinen Augen erlosch. Und explodierte.
Von vorne hörte ich ähnliche Geräusche, Leif explodierte auch. Dann brach es aus mir heraus. All die Wut, die ich, eigentlich seit heute Mittag erst, mit mir herumschleppte. Urwut. Bestialisch.
Brüllend stürmte ich vom Wagen, von dem nicht mehr viel übrig war, auf die Soldaten zu.
Kaitlyn, Elle, Leif und River – wir alle sind ein Wirbelsturm aus Klauen und Zähnen, der die Soldaten zerfetzte wie Schilfrohre.
Dann waren wir im Wald. Es war Abend und dämmerte.
Wir waren wieder Menschen. Nackte Menschen. Irgendwo im Wald und es dämmerte.
Voll das Hindernis, wie waren wir hier hingekommen?
Silberkugeln, Wolfsmonster, Wölfe an der Werkstatt, Leifs Vater an der Werkstatt, ich drehte mich zu ihm um und machte ihn blöd an.
Er war genauso verwirrt wie wir alle.
Scheiße, er hatte die Wölfe für Schäferhunde gehalten, das war unfair von mir, er wusste auch nicht mehr als ich.
Verdammt, voll das Hindernis.

Während ich wütend auf Leif war, ging es Elle nicht gut. Und ich hatte nicht aufgepasst, aber Kaitlyn. Ich hätte für sie da sein sollen, also für Elle, nicht für Kaitlyn. Obwohl die nackt auch noch ziemlich gut aussah. Ich mochte Frauen eigentlich lieber in Badeklamotten oder Unterwäsche als ganz nackt. Da konnte man sich vorstellen sie auszupacken wie ein Geschenk.
Kaitlyn ganz nackt und Elle erst, hoffentlich passierte da nichts, nicht dran denken, konnte peinlich enden.
Wütend schnappte ich mir einen kleinen grünen Zweig und fing an ihn durch brechen und drehen zu Sägespänen zu verarbeiten. Bloß nicht zu den beiden schauen.
Ich hatte was im Mund. Voll eklig. Bah und an den Fingernägeln auch. Ich schnappte mir einen Holzsplitter und machte mich daran, den Dreck zwischen meinen Zähnen zu entfernen und meine Finger- und Fußnägel zu reinigen.
Aber das war nicht einfach nur Dreck. Das war Stoff. Und Fleisch.
Ich hätte mich beinahe übergeben.
Kaitlyn wollte zurück nach DNA und ihren Vater rausholen, River wollte nach New Orleans und Ellen nach Hause.
Ich wollte eigentlich erst mal nachdenken und verschissene Erklärungen.
Wir konnten nicht einfach irgendwo hingehen und in New Orleans kämen wir heute Nacht ehwieso nicht mehr an.
Mal abgesehen davon, dass sicher keiner von uns im Dunkel den Weg durch einen fremden Wald finden würde, war ich viel zu k.o., um überhaupt noch irgendwo hinzugehen.
Und wenn ich schon platt war, dann waren die Mädchen auf jeden Fall auch platt und die anderen beiden bestimmt auch.
River machte ein Feuer um uns zu wärmen, wo hatte er denn hier nur genug trockenes Zeug dafür gefunden? Ziemlich gut, der Junge. Und dann saßen wir alle nackt am Feuer.
Irgendwie unangenehm, so. Also das nackt im Dreck sitzen, frieren und gleichzeitig vom Feuer verbrannt werden.
Ein bisschen wie Fieber. Heiß und kalt, voll das Hindernis.
Ich konnte nicht mehr. Meine Augen fielen immer wieder zu und so kringelte ich mich schließlich auf dem Boden in der Nähe des Feuers zusammen. Viel besser als zu sitzen. Musste ich mir merken.
Ich zog Elle zu mir runter. Nachher hielt sie sich noch krampfhaft wach und ging dann, wenn wir eingeschlafen waren, stiften. Und wurde dann von einem Krokodil gefressen.
Oh verdammt, eigentlich wollte ich auf einem Baum schlafen. War viel sicherer.
Konnte mich aber nicht mehr rühren, also musste ich liegen bleiben, wo ich war.
Elle wollte erst nicht, aber dann kam sie doch runter zu mir. Ich kuschelte mich an sie, wärmte ihre eine Seite, während die andere Seite vom Feuer übernommen wurde. Mein Rücken bildete den Schutzwall nach außen, zur Finsternis, Kälte und Krokodilen.
Ich hielt sie ganz fest.
Ich darf das, Elle.
Ich habe dich aus der Hölle geholt, Elle, zusammen mit Leif. Aber ich bin ein Monster.

Hoffentlich magst du Monster.

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