WtA: CoNO, Tanzen und nächtliche Ausflüge

Tischrunde 19.01.2012
Spieler: Elle (Clawdeen), Kilian

Ein ganzer Tag im Flugzeug, voll das Hindernis. Geht einfach mal gar nicht. Und in zwei Wochen musste ich dass schon wieder machen.
Und dann nochmal, damit ich wieder hier bin. Was man nicht alles auf sich nimmt, nur weil man ein bisschen Hoffnung hat. Bescheuert.

Und dann ihre Eltern, wie die erst aussahen. Ich hoffe, die haben sich extra so herausgeputzt, um mich zu beindrucken. Naja, ist ihnen gelungen, aber nicht im positiven Sinne. Zumindest schienen sie zu begreifen, dass ich voll im Arsch war und ließen mich weitestgehend in Ruhe.

Zu Hause bei Elle angekommen boten sie mir an, mich erst mal in Jens Zimmer auszuruhen. Ich nahm dankend an, packte nicht mal meine Sachen oder so aus, schaffte es gerade noch die Schuhe auszuziehen, die ich irgendwo im Zimmer mitten im Weg stehen ließ, bevor ich in den vom Flug zerknautschten Klamotten auf dem Bett zusammenbrach und den Schlaf der, naja, und schlief.

Dann wurde ich von Elles Pa geweckt. Verdammt, es war schon der nächste Tag. Eigentlich hatte ich noch mit Elle sprechen wollen, aber ich war viel zu platt gewesen.
Schnell schnappte ich mir meinen Bademantel irgendwo aus meinem Koffer und – Moment mal. Warum hatte ich nichts mehr an? Muss wohl zwischendrin nochmal aufgewacht und mich ausgezogen haben, ohne es mitzubekommen. Hoffentlich bin ich nicht noch geschlafwandelt oder so.
Es roch ziemlich lecker aus der Küche. Pancakes. Mit Bananen und Nutella. Also ich konnte mir aussuchen, was es gab und ich nahm halt Bananen und Schoko, das ist gut.

Elle war auch da und … sagte kein Wort. Pancakes waren wohl interessanter als ich. Ob sie mich bestrafen wollte, dafür dass ich einfach einen von unseren wenigen Tagen verschlafen hatte? Geschah mir recht.
Aber das würde ich schon wieder gut machen.
Später, wenn ich fertig war, mit ihrer Mutter über irgendwas zu sprechen. Ich versuchte, nicht zu knapp auf ihre Fragen zu antworten, aber mehr als zwei bis drei Sätze bekam ich meist doch nicht hin. Ich wollte doch mit Elle sprechen und nicht mit ihrer Mutter.

Wie von der Tarantel gestochen verschwanden ihre Eltern plötzlich, sie mussten arbeiten und hatten sich verquasselt beziehungsweise verlesen, in der Zeitung, also ihr Vater. Naja, selber Schuld.
Endlich weg.

Kaum waren die nervigen Hinderniseltern aus dem Haus, taute Elle auf und ich drückte ihr den letzten Brief in die Hand. Per Post wäre er wohl angekommen, nachdem ich wieder weg war, also hatte ich ihn einfach selbst mitgebracht.
Er schien ihr zu gefallen, aber sie wollte, dass ich mich schnell anziehen ging, damit wir raus konnten. Stadtführung und so.
Doch bevor es losging, musste ich ihr noch meine gewebten Perlenarmbänder und Ketten schenken. Schwarz mit pinkem Indianermuster. Sie bekam kaum den Mund auf, aber sie passten gut zu ihren Klamotten, also wohl eher, weil sie ihr gefielen. Ha. Hoffentlich hatte ich den verschlafenen Tag jetzt wieder gut gemacht.

Wen interessiert schon New Orleans? Ist halt ne Stadt. Davon gibts viele. Viel größer als meine, aber Stadt ist Stadt. Irgendwie zumindest.
Merkte sie auch, dass ich keinen Bock auf Stadt hatte. Aber dann gings ins French Quarter, mit der witzigen Musik. Voll gut. Also die Leute, nicht das Quarter. Darauf kommts nämlich an, auf die Leute, nicht auf die Häuser und wo die Leute wohnen und wie und alles. Nur darauf, was die Leute draus machen und die hier habens drauf. Ich kann zwar nicht Jiven aber ich kann mich bewegen. Elle fängt an zu grinsen und macht gleich mit. Super. Sie kann das natürlich viel besser als ich und zeigt mir, wie man richtig jived. Ich kriege kaum genug davon. Kann ihr zusehen, wie sie sich freut, mich bewegen und sie immer wieder anfassen. Das war ein guter erster Tag. Ich war mir nicht ganz sicher, als ich hier ankam, wie ich sie so fand.
Zwischendrin hatte sie es mir ziemlich angetan, ich meine hey, wer geht schon so viel arbeiten und fliegt zweimal hin und her, einfach so?
Aber dann waren da ein paar Briefe und die waren soooo spießig. Aber jetzt hier, als sie erst mal begriffen hatte, dass ich nicht wegen New Orleans hier war, sondern um Spaß zu haben, da war sie wie ausgewechselt.
Wir tanzten und tanzten und tanzten. Und danach tanzten wir noch weiter, bis wir nicht mehr konnten. Am Ende hatten sich sogar ein paar andere Pärchen dazu gesellt, junge Erwachsene.

So war das immer. Keiner machte, was er wollte oder wozu er Lust hatte, weil er sich nicht traute. Oder weil man sowas halt nicht macht. Ich bin der Kilian und ich mache allermeistens, was ich will. Nur wenn es zum Plan gehört, um etwas, was ich noch mehr will später zu bekommen, dann kann ich auch mal sein wie die anderen.
Aber warum sollte man nicht jetzt Spaß haben? Die ganzen Erwachsenen lebten viel zu sehr für später. War ja auch nicht das Schlechteste. Ich mochte einen guten Plan. Aber man durfte das Jetzt nicht vergessen. Ich lebte immer im Jetzt. Immer. Bis ich Elle kennengeschrieben hatte.
Das war das erste Mal, dass ich längere Zeit Sachen gemacht hatte, um später was davon zu haben. So Amerikaflüge und Austauschprogramme sind ganz schön teuer und noch viel nerviger.
Aber schon nach dem Tanz und beim anschließenden Milchshake, naja, sie trank nur Saft, aber ich ein voll komisches, aber irgendwie leckeres Milchshake, war mir klar, dass es sich gelohnt hatte.
Das Jahr würde gut werden. Wie gut, würde ich in der Nacht herausfinden, denn ich hatte einen Plan.
Mal schauen, wie sie auf meinen Plan reagieren würde.

Vom Milchshake und Saft erfrischt, wollte ich ein bisschen laufen. Naja, wenn ich laufen sage, heißt das für die meisten anderen Leute, sich auf selbstmörderische Art und Weise durch eine Stadt zu turnen. Ich begann mit bunten Steinen auf dem Boden, aber ging dann schnell zu Treppen, Wänden und spannenderen Bewegungsmöglichkeiten über.
Das war ein bisschen zu viel für Elle, aber bei den bunten Steinen war sie voll mit dabei, sie meinte, das hätte sie als kleines Mädchen immer schon gemacht. Ich auch, also nicht als Mädchen und so. Und klein war sie immer noch, kein Grund mit sowas aufzuhören, wenn man Spaß dran hatte.

Irgendwann ging es dann durch einige Drugstores zurück zu ihr nach Hause. Sie sorgte sich um meine Sicherheit und zeigte mir hier und da noch ein Krankenhaus, falls mal was passierte. Sie hatte Angst um mich, das hieß: Sie mag mich. Zumindest zusammen mit dem ständigen Grinsen. Gefiel mir, fand ich gut. Grins.

Zum Abendbrot gab es einen megaleckeren Eintopf. Fleisch und Grünzeug und komische Gewürze, sogar verschärft. Mag ich auch.
Danach wussten wir erst mal nicht so richtig, was wir tun sollten, also ich hätte da schon was gewusst, die ganze Nacht reden oder so, Elle massieren, aber ich durfte nicht zu hastig sein. Außerdem hatte ich einen Plan.
Irgendwie kamen wir auf Fernsehen und Disneyfilme. Dschungelbuch und König der Löwen konnten wir wirklich mal schauen, aber eigentlich mochte ich lieber Tiersendungen. Also mit richtigen Tieren und biologisch und Wissenschaft und so.
Elles Eltern hatten einen richtigen Kanal nur für Tiersendungen, verschärft. Und sie verdrückten sich direkt, um uns da alleine zu lassen. Schienen doch gar nicht so schlecht zu sein, ihre Eltern.

Aber aus den Tiersendungen wurde doch nichts.
Elle kramte die Briefe hervor, also nicht unsere, sondern die von unseren Großeltern. Die ersten hatte sie ja nicht lesen können, weil sie auf Deutsch waren. Kein Problem. Außerdem les ich gerne vor. Übersetzen ist immer ein bisschen schwierig, meiner Meinung nach kann man Sachen nur direkt in einer Sprache sagen, durch Übersetzungen werden die Gedanken hinter den Worten mehr und mehr verfälscht, aber ich gab mir Mühe.
Elle ging total analytisch an die Briefe ran, ich machte das eigentlich nur meinen Lehrern zuliebe, sonst les ich halt einfach und finde gut oder schlecht.
Aber dann kam sie auf die total dämliche Idee, einen Stammbaum zu basteln. Eigentlich gar nicht so blöde, aber mal im ernst, Elle: Ich steh auf dich und ich bin mir ziemlich sicher, dass du mich auch magst, da bastelt man keinen Stammbaum, in dem wir beide als Verwandte drin stehen. So ein Müll. Dabei hatte ich extra nachgelesen. Cousin und Cousine war schon nicht schlimm und wenn das dann noch zweiten Grades war so wie bei uns, dann war man eigentlich gar nicht verwandt. Also zumindest nicht näher, als man auch mit seinem Nachbarn verwandt war. Naja, ein bisschen schon, aber die Chance auf Anhäufung irgendwelcher Erbkrankheiten war zumindest nicht höher als bei anderen Leuten und deswegen war das nichts Verbotenes in den meisten Ländern.
Sie ließ und ließ nicht locker, aber ich konnte das nicht. Sie wollte, dass wir zwei basteln, einen für sie und einen für mich. Niemals.
Okay, wenn sie unbedingt einen wollte, dann konnte ich nichts machen, aber ich würde NIEMALS einen nehmen. NIEMALS NICHT.

Mein Plan jedenfalls war erfolgreich, sie kam in der Nacht mit nach draußen. Hatte das in letzter Zeit schon lange nicht mehr gemacht, war immer schwer beschäftigt und musste den Schlaf nehmen, wo ich ihn kriegen konnte, aber das jetzt, das war richtig gut.
Und Elle erst. Sie meinte, vorne gäbe es Bewegungsmelder und so. Egal, ihre Eltern würden jetzt sowieso schlafen und auch sonst kümmerte das keinen, wenn da jetzt Licht anging. Ich meine, hier gabs doch auch Katzen und Waschbären und sowas oder so. Aber wollten mal schauen, wo uns das hinführen würde.
Ich schlug vor, die entsprechende Sicherung auszuschalten, aber sie hatte keine Ahnung, wo der Sicherungskasten war, meinte aber, wir könnten raus klettern.
Konnte ich auch, aber sie nicht so gut. Dafür konnte ich ihr helfen. Verschärft.
Wir streunten ein bisschen durch die Nacht, bevor wir wieder hinein kletterten. Das war immer schwieriger als raus, aber hat richtig geschockt.
Ich mochte Elle mit jeder verrückten Aktion ein bisschen mehr.
Im Leben hatte ich nicht damit gerechnet, dass sie einfach sagt, jo, wir können ja da aus dem Fenster klettern. Ich hatte definitiv einen verrückten Einfluss auf sie, aber schon, als ich ihr Foto das erste Mal sah wusste ich, nein, hoffte ich, dass da sowas in ihr steckte. Man sah nicht einfach so aus und war dann bloß eine Streberin. Streber schauten nicht so frech.

Vom nachts schwimmen gehen war sie nicht so begeistert. Überall vermutete sie Krokodile und andere wilde Tiere, aber schlussendlich zogen wir das doch durch.
Ich wollte eigentlich erst nackt gehen, aber das wäre glaub ich ne Nummer zu hart gewesen für sie.
Ich war mal nackt schwimmen, nach der Sauna. Das war richtig gut. Aber man konnte es sich auch für später aufbewahren.
Ich hatte schwarze Badeshorts an und eigentlich hatte ich bei Elle mit was Pinkem gerechnet, statt dessen trug sie ein schwarzes Badekleid. Hatte ich noch nie gesehen sowas, ich kannte nur Bikinis und Badeanzüge, die fast Bikinis waren, weil sie so viele Löcher hatten, aber ein Badekleid, das war neu. Passte aber irgendwie gut zu ihr.

Viel zu schnell flog die Woche an uns vorbei und dann war auch schon Montag, und sie musste wieder zur Schule. Natürlich würde ich sie begleiten, was sollte ich auch sonst machen? In Jens Zimmer sitzen und Geschichten schreiben, ihren Eltern im Laden helfen? Ne, da nahm ich lieber die Schule auf mich.

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