Interludium: Aufbruch gen Osten

Tisch-Runde Freitag 04.05.12
Erzähler: Mandavar
Spieler: Adonai (Salubri Antitribu), Melissa (Tzimisce), Durga (Ravnos), Reynaud (Tremere Antitribu), Samnang (Wahrer Brujah), Tomás (Brujah)

Zwei Nächte vergingen, bevor alle Mitglieder des Klüngels und die neuen Gäste eine Einladung bekamen, sich in der dritten vor Durgas Haus einzufinden. Während sie darauf warteten zu erfahren, weswegen Melissa, der Seneschall, sie herbestellt hatte, füllten sich die Straßen rund um Durgas Waisenhaus mit Menschen, nackten Menschen. Männern, Frauen und Szlachta. Sie drängten sich Leib an Leib um alle dem Haus möglichst nah zu sein.

Dann nahmen drei Vampire ihren Platz in der Menge ein. Drei Engeln gleich legten sich die Frauen vor dem Haus in den Staub. Braune, rote und schwarze Haare vermischten sich mit dem Staub und Dreck der Kronstädter Straßen. Ein kleines Mädchen trat aus der Menge, schritt über die Engel wie einen schmutzigen Teppich und ging die Kronstädter Vampire, die der Zeremonie beiwohnten, ignorierend zur Tür, um klopfend um Einlass zu bitten. Sie verschwand kurz im Haus und kehrte dann gefolgt von Durga zurück. All die Menschen und die drei Engel, selbst das kleine Mädchen, waren Melissa und sie legten sich vor Durga in den Staub, machten sich ihr zum Geschenk. Sie wollten Durga nicht verlieren, wollten ihr verdeutlichen, dass sich in den letzten Nächten nichts geändert hatte und verschenkten daher, was ihnen am meisten bedeutete.

Durga holte einen Sari aus dem Haus und hüllte Melissa darin ein, bevor sie sie in ihr Haus führte und für den Rest der Nacht verschwand. Die anderen blieben ohne, dass man ihnen auch nur einen Moment Aufmerksamkeit geschenkt hatte, zurück. Adonai stellte die beiden Brujah-Gäste einander vor, während Reynaud und Eszter stillschweigend den Konversationen der drei lauschten. Es ging um Karthago und die Tristheit, welche die Nacht über alle Länder dieser Welt legte.

Die Zeit bis zum Aufbruch nach Osten verging ohne weitere größere Ereignisse. Adonai und Samnang trainierten mit Bocken ihre Schwertkampffähigkeiten, wenn Adonai nicht gerade damit beschäftigt war, sich aus Durgas albtraumhaften Illusionen zu befreien oder ihr im Austausch für diese Unterweisung den Kampf mit Klingenwaffen näherzubringen. Auch Vlad beanspruchte einiges von Adonais Zeit, hatte er doch beschlossen, diesem die Ehre zu erweisen, ihn verwandeln zu dürfen. Nur hatte sein baldiger Erzeuger die große Ehre, die ihm zuteil wurde noch nicht begriffen, und so musste sich Dracula redlich ins Zeug legen diesem zu beweisen, dass er ein würdiges Kind sein würde; auch wenn ihm diese Bezeichnung weniger als überhaupt nicht zusagte. Viktor organisierte die Reise und überwachte die Fertigstellung des Sarkophags.

Melissa hatte ihre Töchter bereits in die Verwaltung ihres Stockes eingewiesen und konnte so die letzten Tage vor ihrer langen Starre damit verbringen von Durga Hindi zu lernen, nicht ohne dabei die gemeinsame Zeit mehr als zu genießen. Durgas Terminplan war ziemlich voll, sie musste nicht nur die Hindi-Stunden, Nahkampfunterricht bei Adonai, private und geschäftliche Treffen mit Melissa unterbringen. Auch wollte sie sich um ihre Gäste kümmern und einen Termin mit Reynaud und Samnang vereinbaren. Beide hatten das Bündnis noch nicht mit Blut besiegelt und so lud sie sie ein, um sie unter Adonais Aufsicht dazu zu zwingen, ihren Rachefeldzug gegen Shukaris zu unterstützen.

Am Abend vor Reisebeginn fanden sich Durga, Eszter und Melissa am Sarkophag ein, um sich in Starre zu begeben. Beide in Gewändern, die nicht aufwändiger waren als Eszters übliche Bekleidung, begaben sich in Position, um von Eszter die kunstvoll geschnitzten Pfähle zu empfangen. Doch als die Priesterin sich mit erhobenem Pfahl auf Durga zu bewegte, verlor diese die Kontrolle über ihr Tier und stürzte sich wie eine wilde Bestie auf die überraschte Priesterin, die schneller auf dem Boden lag, als sie gucken konnte. Nachdem sie sich fasste, schaffte sie es, sich von der Wilden zu befreien, während Melissa Durgas Tier wieder unter Kontrolle brachte. Danach umschlang sie Durga liebevoll von hinten. Sie wollte sie nicht festhalten, das hätte sie in ihrem Zustand so oder so nicht geschafft. Es ging darum ihr Geborgenheit zu schenken, dem Pfahl gemeinsam entgegen zu treten.

Dann machte sich ein kleiner Konvoi, bestehend aus Durgas riesigem neuen Wagen und drei dunklen Kutschen auf den Weg gen Osten. Nicht nur Kainiten, auch einige Ghule und Gefäße waren dabei sowie reichlich Kleider für die Damen und Tonnen Proviant für Sterbliche und Tiere. Aber Proviant für die Kainiten wurde vernachlässigt. Es wären weitere Kutschen oder eine Hode Sklaven, die hinterdrein trotteten, notwendig gewesen, um die Vampire zu versorgen.vZu Beginn der Reise auf dem kurzen Abschnitt von Kronstadt nach Bukarest und von dort weiter in das winzige Constanta fiel dies kaum auf, es lohnte sich einfach nicht, in Wäldern und Wildnis zwischen den Städten zu jagen. Denn in diesen war der Tisch reichhaltig gedeckt und die Kronstädter wurden nach Adonais Anmeldungen bei den jeweiligen Voivoden nicht nur höflich empfangen, sie bekamen auch die Erlaubnis in den Städten zu jagen.

Aber die Reise an der Küste des schwarzen Meeres entlang nach Norden war weiter und wesentlich anstrengender. Man hatte sich darauf geeinigt diesen Weg zu gehen, um nicht durch das Gebiet des Osmanischen Reichs zu müssen, um nicht durch das Gebiet der Assamiten zu müssen, die im Krieg mit den europäischen Clans lagen.vDie weiten Steppen waren nicht nur menschenleer, auch an Jagdwild gab es kaum. Jeden dritten Tag konnten sie nicht weiterreisen, sondern mussten halten, um im Umland nach Hasen, Rehen und Vögeln zu jagen. Selbst mit der Mithilfe aller Ghule gab es nicht genug Blut für alle. Nach und nach hungerten die Kainiten aus und nur ihrem Alter und den damit verbundenen Reserven verdankten sie es, bis zu einem größeren Fischerdosrf zu kommen, in dem sie sich wieder sättigen konnten. Reynaud und Tomás waren besonders erfolgreich. Ersterer konnte mit der Kraft seines Willens ganze Familien unter seine Kontrolle bringen und sich von ihnen nähren, Tomás berauschte die Damenwelt in der einzigen Taverne des Dorfes derart, das sie sich schnell mit den restlichen Frauen des Dorfes füllte, die auch am Fest und seinen Küssen teilhaben wollten.

Der restliche Weg bis Odessa, im Norden des Schwarzen Meeres, war nicht mehr besonders weit und so trafen sie dort ein, ohne erneut völlig ausgehungert zu sein. Bei ihrer Ankunft konnten sie miterleben, wie eine Armee mongolischer Reiter von den Szlachta und Vohzd eines gewaltigen Unholdes abgeschlachtet wurde. Von den kleineren Kreaturen fiel die eine oder andere den Reitern zum Opfer, aber die größeren pflügten sich durch die Reihen der Sterblichen, als wären sie nichts weiter als Getreide. Besonders eine Kreatur, elefantengroß mit einem riesigen Maul und einem kleinen humanoiden Körper wütete unter den Menschen. Sie setzte nicht nur ihre Klauen und das riesige Maul ein, sie brachte die Elemente selbst dazu, sich gegen die Menschen zu verschwören und sie zu vernichten. Als keiner mehr am Leben war, bewegte sie sich an der Spitze ihrer Horde auf die Neuankömmlinge aus Kronstadt zu, aber sie war nicht auf eine weitere Probe des Krieges aus. Sie begrüßte die Kainiten, allen voran Viktor, den sie von der Kupalasnacht, an der er vor etwa 200 Jahren teilgenommen hatte, noch kannte.

Um dieser Nacht Willen und aus Gastfreundschaft lud sie die Reisenden in ihre mächtige Burg ein und erlaubte ihnen auch in der Stadt zu jagen. Sie durften sogar einige Tage verweilen, um sich auf die Weiterreise angemessen vorzubereiten, wurden sogar vor den Wölfen des Sturms in den Bergen um Tiflis gewarnt, mit Silber könnte man sie fernhalten. Tomás konnte die anderen davon überzeugen einige Leute unter Waffen anzuheuern, sie mit Blut zu verführen um sie als Proviant mitzführen, Adonais Vorschlag, sie schlafend in einem Wagen unterzubringen, konnte mangels Durchführungsmöglichkeiten nicht umgesetzt werden.

Mit einigen Silberpfeilen und einem versilbertem Schwert ging es dann an der nördlichen Küste des Schwarzen Meeres entlang wieder nach Osten Richtung Tiflis. Dort sollte laut Viktor ein gewaltiges Schiff warten, in dem die Fahrzeuge untergebracht werden konnten um das Kaspische Meer zu überqueren, ohne es wie zuvor das Schwarze Meer komplett umrunden zu müssen. Aber in den Bergen vor Tiflis sollten nach Sheoldred, der Flüsternden, der Voivodin von Odessa, Wolflinge hausen. Diese machten sich auch kaum, dass man mit dem schwierigen Weg durch das Gebirge begann, bemerkbar. In jeder Nacht heulten sie bedrohlich in der Nähe der kleinen Karawane, aber griffen noch nicht an. War es die Furcht vor dem Silber, welche sie auf Abstand hielt, oder wollten sie die Kainiten durch ihr Geheul und die Furcht, den nächsten Sonnenuntergang nicht mehr zu erleben, erst mürbe machen, bevor sie angriffen?

Dann eines Abends war es soweit, der Angriff hatte begonnen. Aber anders als erwartet. Die Kutschen lagen verlassen dar. Nur Vlad begrüßte die Vampire, alle anderen waren fort und er hatte sie nicht ohne massive Gewalt anzuwenden aufhalten können. Sie seien einfach in den Schnee davongeschritten, wusste er zu berichten. Söldner, Ghule, selbst die Kinder waren fort.

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