Second Breath

TS-Runde Montag 24.05
Erzähler: Mandavar
Spieler: Belegroddion, Clawdeen, Ethion, Rekandar

Vor etwa einhundert Jahren trug es sich zu, das Jin Jian Feng, eine Attentäterin, die für nichts sonst lebte, ihren Auftrag nicht erfüllen konnte. Sie war verraten worden, verraten von den Beamten denen sie diente, verraten an die Hinterbliebenden ihrer Opfer. Als wilde Meute stürzten sie sich auf die Attentäterin und rissen sie in Stücke. Aber ihr Leib war nicht das einzige, was in Stücke riss, auch ihre Seele ward in Stücke gerissen. Ihr Hun, ihr höheres Selbst, verblieb am Ort ihres Todes, geistlos, machtlos trieb es ein Jahrhundert im SCHATTEN des Königreichs der Mitte umher. Doch ihrem P’o, der wilden dunklen Seite ihrer Seele, wurde ein anderes Schicksal zuteil. Es wurde in die Yomi-Welt, die Tausend Höllen, gerissen. Es endete in der Hölle des lebendig gehäutet Werdens, regiert von Tou Mu, der eisernen Kaiserin. Seit Zeitaltern war sie eine eingeschworene Feindin der Wan Kuei, seit Zeitaltern entsandte sie ihre Diener, um den gefallenen Wan Xian zuzusetzen. Sie wollte die Attentäterin verändern, sie zu einer ihrer Kreaturen machen und erneut ins Königreich der Mitte senden. Dort sollte sie dann die Würdenträger unter den Wan Kuei morden, wie sie einst die Feinde des Kaisers hingerichtet hatte. Doch sie weigerte sich.

Die Hölle ist die Wiederholung. Und Zeit in den Tausend Höllen ist nicht, was sie hier ist. Hundert Jahre der Folter in der Hölle des lebendig gehäutet Werdens wären schlimm genug gewesen. Aber in den Tausend Höllen konnte ein Tag zu einem Jahr werden, eine Stunde, eine Minute konnte Jahre dauern und ihre Qualen waren endlos. Folterknecht nach Folterknecht nach Folterknecht versuchte, sie auf Tou Mus Seite zu ziehen und Jahr um Jahr sagte sie Nein. In der Moderne wurden auch die P’o anderer Bewohner des Königreichs der Mitte in die Hölle der eisernen Kaiserin gerissen.

Lu Bai, eine ehemalige Pharmakologin, wurde nach Jahren der Folter selbst zum Folterknecht. Sie war es, die als nächste an die Reihe kam, um Jin Jian Feng zu quälen. Aber die beiden ließen ihre angestammten Rollen hinter sich, sie überlegten, zu Verbündeten zu werden, um aus dieser Hölle zu entkommen.

Zur gleichen Zeit verbündeten sich auch Sun Sheng Zhi und Xun Heng Han, die in der Arena gegeneinander kämpfen mussten. Sun war ein geflügelter Dämon mit brennendem Kampfstab und Xun, ein ehemaliger Sniper der Triaden, war sein Opfer. Doch dafür fielen Xuns Worte auf fruchtbaren Boden und Sun begann an seiner Aufgabe an den Arenakämpfen der Hölle zu zweifeln. Dann schließlich war es soweit: Einer der Arbeiter an den Schmelzöfen sorgte dafür, dass Tiegel mit geschmolzenem Stahl, mit geschmolzenen Seelen umstürzten und für Chaos sorgten. In diesem Chaos ließ Bai Xun von ihrer Folterbank entkommen und folgte ihm, während Sun und Jin aus der Arena ausbrachen. Sie kämpften gegen und flohen vor ganzen Legionen insektoider, halbmetallischer Kreaturen, bis sie schließlich an dem Schmelzofen und ihrem Gehilfen ankamen. Eine gefährliche, gewaltig unsymmetrische Brutmutter war ihnen auf den Fersen und so blieb ihnen keine Wahl, als sich durch den Wasserfall aus geschmolzenem Stahl und Seelen zu stürzen.

Von silbriggrauen Wolken eines ewigen Sturms wurden sie umher geworfen, er riss an ihnen, drohte sie in den Wahnsinn zu treiben, aber die Zeit in den Höllen hatte sie gestählt, so dass sie nicht zu wahnsinnigen Bewohnern des Sturmwinds wurden. Ihr Hun war das Licht am Ende des Tunnels, auf das sie unbeirrbar zustrebten, bis sie es erreichten.

Was nun folgte nannte man den Zweiten Atemzug. Es war die unendlich schmerzhafte Wiedervereinigung von Hun und P’o, das Verschmelzen der Seelenfragmente. Das P’o musste dann dafür Sorge tragen die Barriere zu durchdringen, ein Loch in sie zu reißen, um den SCHATTEN zu verlassen. Das Hun nutzte sein Chi, um ein neues Gefäß für die duale Seele zu weben, um den Körper wieder in Stand zu setzen, um einen untoten Leib für sich zu erschaffen.

Als Untote, fleischfressende Bestien kehrten sie ins Leben zurück, hungrig nach Chi und ohne eine andere Möglichkeit es sich zu beschaffen als das Fleisch der Menschen zu verschlingen. Nur Lu Bai und Jin Jian Feng waren gestärkt genug, um nach ihrer Auferstehung nicht die Kontrolle an die Schattenseele, an ihr P’o, zu verlieren. Sie behielten die Kontrolle über ihre dunkle Seite, über ihren Hunger lange genug bei, um von den Kuei-jin des Hofes des Blutes gefunden und aufgenommen zu werden. Sie wurden in die Gänge unter der Verbotenen Stadt gebracht und dort gemeinsam mit anderen, mit wilden Tieren eingesperrt.
Nach und nach kamen auch die anderen zu sich und alle hatten etwas Zeit sich zu unterhalten, festzustellen, dass sie im Jahr 2007 angekommen waren, dass es keinen Kaiser mehr gab. Sie fanden heraus, dass es viele wie sie selbst gab, und dass die Kuei-jin immer noch organisiert waren wie vor Jahrhunderten. Es gab so etwas wie den Kaiser, einen Imperialen Vorfahren, der mit seinen Ministern über den Hof des Blutes regierte.

Min Ping Zheng, ein Kuei-jin, der schon ein paar Jahre hinter sich hatte, erkannte Jin aus seiner eigenen Zeit in den Höllen wieder. Dank ihr hatte er sich schon vor einer ganzen Weile befreien können. Dafür wollte er sich bei ihr bedanken und dafür sorgen, dass sie hier eher heraus kam. Die anderen hängten sich an sie dran und Jin sprach für sie, damit auch sie schnell ihre Seelenprüfungen hinter sich bringen konnten.

Der Reihe nach wurden sie gewaschen, eingekleidet und vor Ch’ang Li, den Imperialen Vorfahren, in die Halle der Bewahrung der Harmonie geführt. Er erklärte ihnen, dass sie noch keine Shen waren sondern Hin, Unpersonen ohne Daseinsberechtigung. Um zu beweisen, dass sie überhaupt das Recht hatten zu lernen, wie man ein Shen wurde, mussten sie die Seelenprüfung hinter sich bringen. Dies beinhaltete, dass sie sich darüber klar werden mussten, wer sie waren und was sie wollten. Auf verschiedene Arten wurden sie immer und immer wieder mit den Fragen konfrontiert um ihre Seele zu testen, um herauszufinden, ob sie ihr P’o kontrollieren konnten und das Recht hatten, eventuell dem Hof beizutreten.

Jin Jian Feng wurde gefoltert. Hätte sie sich noch genau an ihre Zeit in den Höllen erinnern können, wären die Kuei-Jin-Folterknechte vermutlich weniger erfolgreich gewesen, aber fehlende Erinnerung gemeinsam mit ihrer fleischlichen Hülle sorgten dafür, dass sie nichts anderes wollte als zu sterben, bis sie schließlich die richtige Antwort gab.

Sun Cheng Zhi unternahm eine Reise in die Gobi, in der er von Hunger und Durst verrückt gemacht wurde, bis er schließlich, angefressen von einem gewaltigen Heuschreckenschwarm, mit einer sprechenden Eidechse, seinem alten Meister und sich selbst konfrontiert wurde.

Lu Bai hingegen wurde in den Wahnsinn getrieben. Ein Phänomen des Wahnsinns war es, dass Gedanken unkontrollierbar unzusammenhängend wurden. Dies konnte bestärkt werden.

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