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Teil 10, Der Goblin und das Uboot

TS-Runde Donnerstag 15.03.12
Erzähler: Clawdeen
Spieler: Lenja, Melekh, Samu

Sonntag, 30.10.2011
Aus der ganzen Aktion auf der Insel entwickelte sich ein riesiger Fehlschlag. In meiner Besorgnis um Amani und die Kinder vergas ich viele von den Ideen die ich bereits gehabt hatte. Meine ersten Gedanken bei der INsel und den wieder marschierenden Soldaten waren Gespenster gewesen, immerhin war ich doch selbst irgendwie zur Hälfte eins. Naja zu einem Neuntel wenn man es irgendwie genau nahm, aber lassen wir das.
Auf jeden Fall dachte ich kein Stück mehr an Gespenster, auch nicht als ich später recht eindeutig mit gespenstischen Eigenschaften konfrontiert wurde. Nunja, die wären auf jeden Fall in der Duat so gewesen, mit materialisierten Gespenstern kannte ich mich nicht ganz so gut aus.
Aber ich greife wieder einmal vor. Springen wir lieber nocheinmal zurück zur Mitte, wo wir beim letzten Mal aufgehört hatten.

Mein Bein war von einem ziemlich üblem Treffer mit dem Kurzschwert ziemlich tief aufgeschnitten und ich konnte kaum noch laufen. Ich hatte aber noch Glück im Unglück gehabt, wäre der Schnitt etwas anders verlaufen, dann wäre ich innerhalb weniger Sekunden verblutet. Samu lag außer Gefecht drüben im Teezimmer, ich wollte mich lieber mit meiner Mitalchemistin beschäftigen. Vielleicht konnte sie auch etwas Tonikumähnliches herstellen? Konnte sie und sie war sogar so nett mir und auch Samu reichlich davon zu geben. Erst dachte ich es würde nicht helfen, aber das lag wohl irgendwie daran, dass ich das ganze Zeug, vermutlich Feenzeug wie ich später über Amani von Lara hörte, nicht sehen konnte. Warum in alles in der Welt mir ein solcher Trank nicht helfen sollte, nur weil ich ihn nicht sah, konnte ich mir aber beim besten Willen nicht erklären.
Samu meinte später es könnte so ähnlich sein, wie mit der Duat. Sollten diese Wesen wirklich eine Art Zwielicht haben, eine weitere zu unserer parallelen Ebene mit der man nur auf eine bestimmte Art und Weise interagieren konnte? Für Samu und Lenja war das sicher leicht vorstellbar. Ich mit meinem wesentlich umfassenderen, wenn auch etwas veraltetem Weltbild tat mich da etwas schwerer. Wie war das noch? Nicht einfach ein bereits gefülltes Gefäß zu füllen oder so?
Aber darüber machte ich mir erst viel später Gedanken, genauso wenig wie darüber warum sie uns überhaupt half. Ich kam mir immer noch ziemlich dumm dabei vor, ihre Hilfe einfach so anzunehmen, alles blind in mich hinein zu schütten, aber nur wer die Wahl hat, konnte sich auch entscheiden.
Vielleicht war die Rettung ihrer Tochter der Spinne ja so bedeutend für sie, uns aus Dankbarkeit weiter zu helfen? Ich an ihrer Stelle hätte so gehandelt, aber ich vollführte auch keine Experimente an dieser seltsamen definitiv isfethaltigen Substanz.

Es dauerte Stunden bis wir beide genug Elixiere gebraut hatten um nicht nur die Wunde an meinem Bein zu Versorgen, sondern auch Samus völlig zerfetzte Kat wiederherzustellen. Ich verlegte mich auf Salben, wollte nicht riskieren, dass es zu irgendwelchen seltsamen Wechselwirkungen zwischen ihren Tränken und den meinen kam. Auch so verlangten wir unseren Körpern einiges ab. Obwohl die Kraft für die Heilung durch meine Tonika zum Teil aus den verwendeten Substanzen stammte, beruhte wohl der Hauptteil auf der durch die riteulle Zubereitung entstandene Essenz. Anders konnte ich mir ihre Wirkung jedenfalls nicht erklären, immerhin hatte ich nichts von meinem Sekhem hinzugegeben. Auf jeden Fall, so viel war ich mir sicher, Sekhem hin oder her, so eine Blitzheilung musste einfach anstrengend sein für das entsprechende und auch das umliegende Gewebe.

Während ich also kleinschnitte, mörserte, köchelte, zusammenrührte und so weiter, schlug ich Lenja vor kurz zu Samu zu fahren und dann wiederzukommen. So konnte sie den Ring abgeben, er würde unser Problem zwar nicht lösen, aber die Spinne hatte gesagt er würde Kraft geben. Vermutlich Essenz in gebundener Form. Mehr Essenz für Lara, bedeutete weniger Last auf ihren Schultern und auf der von den Kindern. Eigentlich war derartige Ressourcenverschwndung nicht mein Ding, aber vielleicht konnte ich sie irgendwie mit meinem Sekhem entschädigen. Meine Dankbarkeit hatte sie so oder so.
Lenja war noch unterwegs, als mir einfiel sie könnte eigentlich eine Waffe mitbringen, immerhin machte sie regelmäßig Schießübungen und wer eine Pistole mit zu einem Kurzschwerter gegen DOlche Kampf brachte war klar im Vorteil.

Bevor sie wiederkam, nutzte ich etwas von meiner freien Zeit um mit Amani zu telefonieren. Am liebsten wäre ich gefahren um sie zu treffen, um sie in den Arm zu schließen, sie festzuhalten und zu trösten, um mich selbst zu trösten, um mich trösten zu lassen, aber ich konnte nicht. Keiner sonst konnte meine Arbeit hier erledigen. Dafür hatten die anderen noch Kapazität frei um auf Gedanken zu kommen, die ich in ähnlicher Form schon gehabt und wieder vergessen hatte. Samu kam auch auf die Idee mit den Geschossen, dachte aber dabei nicht an Voskow sondern an die Insel selbst. Hier war eine Kaserne, er hatte hier sienen Wehrdienst geleistet, also gab es hier auch Waffen. Er wollte welche besorgen, aber er konnte noch immer nicht richtig laufen, also musste ich ihn dazu überreden zu warten, bis Lenja wieder da war, dann würde es auch ihm besser gehen.

Wie nicht anders zu erwarten war ich auch bei ihrer Rückkehr noch mit köcheln beschäftigt und so gingen die beiden ohne mich. Allerdings waren die beiden recht lange unterwegs, was mich dazu veranlasste noch einmal bei Amani anzurufen, als ich endlich auch mit den letzten Durchgängen fertig war. Am Anfang war das Gespräch noch zweckgebunden, ich erkundigte mich über sie bei Lara nach eventuellen Bannen dieser Wesen dort, aber auch Lara konnte uns nicht weiterhelfen. Wie hätte man auch auf die Idee kommen können, das es Gespenster waren, die sich ebenfalls von Gefühlen ernährten, genau wie Geister. Völlig abwegiger Gedanke das.
Aber als das notwendige gesagt war, hörten wir einfach nicht auf zu sprechen. Ihre Stimme zu hören, in dieser Nacht, umgeben vom Isfet, nicht wissend was wir tun konnten um es zu vertreiben um es zurück in die Duat zu treiben war wie die Sonne aufgehen zu fühlen. Es gab mir Hoffnung.

Als wir dann endlich alle wieder halbwegs fit und auch ausgerüstet waren legte Lenja sich schlafen. Ich dachte zuerst ich traue meinen Augen nicht, ich meine sie musste das alles hier nicht tun, es waren nicht ihre Kinder, nicht ihre Amani. Aber sie war ein Aminte und sie wollte hier leben und als Aminte war es unsere Aufgabe dem Isfet entgegenzutreten und die Ma’at zu halten. Da gab man ihm nicht noch eine Nacht zusätzlich Zeit um sich auszubreiten um seinen Machenschaften nachzugehen.
Ich meine ich musste ihr zustimmen, wir waren nciht wirklich gut vorbereitet. Ich hatte noch zwei Dosen Salbe übrig, und die beiden hatten jede Menge Waffen angeschleppt aber eine vernünftige Vorbereitung hätte anders ausgesehen. Aber seien wir ehrlich, wir hatten keine Zeit und auch am nächsten Tag hätte unsere Vorbereitung nicht wesentlich besser ausgesehen. Wohingegen sich die gut 20 Apepnu sicher auf unsere Ankunft hätten vorbereiten können. Wir mussten das jetzt machen. Im Notfall auch ohne Lenja, als nächtliche Sonne, war sie kaum geeignet für ein solches Kommandounternehmen, obwohl sie sonst wohl tausend mal hilfreicher gewesen wäre als ich. Die Vereinigung mit ihrem Tem-Akh musste sie schwer getroffen haben, sonst würde sie sich auch nicht immer so widerspenstig zeigen was unser Erbe anging.
Irgendwie schafften Samu und ich es dann doch sie dazu zu bewegen mitzukommen.
Über die ganze Aufregung hatten wir dann aber vergessen, den Trank zu erneuern und als wir gerade auf die ersten Wesen trafen, die das Uboot bewachten, mussten wir uns wieder zurückziehen. Ohne die Fähigkeit zu sehen, hatte das alles wenig Sinn. Bei den ersten Apepnu die sich uns entgegenstellten handelte es sich um kleine leuchtende fliegende Wesen, aber wer wusste schon wie sie in ihrer Ebene aussahen, die Spinne war auch nur ein Schatten gewesen.

Wir flohen also vor den kleinen leuchtenden Schmetterlingswesen die zunächst außer Niesreiz nichts gegen uns in der Hand hatten, durchforsteten Teestube und Labor nach noch mehr von dem Ekelzeug und nötigten Lenja davon zu trinken. Diesmal konnte sie es bei sich behalten, aber wir ließen ihr auch kaum eine andere Wahl. Trotzdem musste ich ihr zustimmen was diesen Trunk anging, der Lebenszauber des Osiris konnte aab und an eine ziemliche Qual sein.

Dann stiegen wir wieder die Böschung hinab um uns dem Uboot zu nähern. Anders als von mir vermutet war es nciht untergetaucht. Lenja und Samu hatten recht, es handelte sich um ein Ausstellungsstück, am Ufer für Touristen aufgestellt. Ich meine nicht, dass ich ihren Worten nicht geglaubt hätte, es war nur so, dass ich einfach davon ausgegangen war, dass es sich unter Wasser befände und die beiden mich eine ganze Weile in dem Glauben gelassen hatten.

Wieder stellten sich uns diese Glühwürmer in den Weg,kleine, leuchtende Geflügelte Wesen. Samu wehrte das erste ab in dem er es mit den Händen zerklatschte, wie eine Fliege. Aber durch sein Klatschen fiel nicht nur die die er erwischt hatte zu Boden, das Geräusch nahm auch noch zwei weitere mit. Das musste ich überprüfen. Auch mein Klatschen streckte zwei der Kreaturen nieder. Ich hielt sie für soetwas wie eine Alarmanlage oder eine Makierung, so lange sie in der Nähe waren konnte man uns auch aus der Ferne gut sehen.
Da wir schon das zweite Mal anrückten würde man sowieso nicht mehr wirklich überrascht sein, also sollten wir lieber gründlich vorgehen. Mit einem schnellen Beifallklatschen, wie für eine Bauchtänzerin, einen Fakir oder einen Schlangenbeschwörer löschte ich auch die Lebenslichter der anderen aus.
Irgendwie taten sie mir ein wenig leid, wir wussten nicht, was sie wollten, wer sie waren, ob sie Feinde waren. Sie sahen eigentlich nicht wie Apepnu aus, aber der Schein konnte trügen, auch Schönheit konnte sich am Leid anderer Laben. Heute Nacht gab es keine Gnade, nciht für die, die zwischen mir und dem Ende des Leidens meiner Kinder standen. NIcht für die, die Amani diese wunderbare Ankunft beschert hatten.

Im Uboot wurden wir bereits erwartet, von einer Frau, die sich irgendwie über uns erhaben hielt und einem kleinen Mann, der viel zu viel Unsinn redete. Es schien geradezu eine Kunstform zu sein, mir auf meine Fragen zu antworten, ohne mir auf meine Fragen zu antworten.
Die Frau erntete eine ganze Salve aus der Maschinenpistole die Samu dabei hatte und der Goblin einen Schuss aus der Pistole die man mir überlassen hatte, heute Nacht wurde nicht lange gefackelt. Die Lage war ernst, ich war bereit zu reden, zu verhandeln, aber wer uns nicht ernst nahm, dem musste man irgendwie verklickern, dass wir nicht zum Spaß hier waren.
Trotz einer heftig blutenden Bauchwunde schien er nicht zu vernünftiger Rede fähig, hier brauchten wir Hilfe von jemandem der ihn vielleicht verstand, vielleicht von Lara. Gegen den Mann der auftauchte und Lenja bedrohte und auch diese seltsame Frau konnten wir kaum etwas ausrichten. Jedes Mal wenn wir sie trafen verschwanden sie eine Weile, nur um kurz darauf unversehrt wieder aufzutauchen. Fast so wie ein Gespenst das mit unserer Welt kollidierte, für kurze Zeit ephemerell wurde, in dieser Zeit durch Wände gehen konnte und sich erst danach wieder verfestigte. Aber ich hatte mich so auf Geister versteift, dass mir die Gespenster nciht in den Sinn kamen.
Die Frau schlugen wir in die Schlucht, aber der Mann verspottete uns nur, wir konnten seine Armee nicht sehen, weil sie vermutlich in der Duat, in den Landen der Toten stand. Schließlich zogen wir uns unverrichteter Dinge, aber mit dem ausführenden organ hinter der seltsamen ISfet-Ausweitung zu Samu zurück. Dieser ging nocheinmal zur Spinne, die er vor dem Mann schützen wollte, der jetzt einen neuen Handlanger benötigte. Er war erfolgreich und vertrieb den Mann. Vielleicht bis zur Fresserin?
Ich kümmerte mich erstmal um die Wunden des Goblins, er sollte uns nicht wegsterben, bis wir noch ein paar Informationen aus ihm herausgequetscht hatten und Lenja ging nach Hause. Sie wollte nicht mit einem Feind unter einem Dach schlafen.
Oft würde ich das sicher auch nicht tun.

Und dann geschah etwas mit dem ich so nciht gerechnet hatte. Die Sonne ging auf.
Es wurde nicht nur einfach Tag und hell, wie sonst hier in Helsinki, warm wurde es ja sowieso nie.
Aber die Mesektet, die Barke der Millionen kehrte aus den zwölf Stunden der Nacht zurück und wir konnten Ras Atem spüren.

Wenn ich jetzt nur hätte ruhen können. Aber es gab noch einiges zu tun, es war noch nicht durchgestanden.

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GMDW: Die Spinne von Suomenlinna

TS-Runde Donnerstag 23.02.12
Erzähler: Clawdeen
Spieler: Lenja, Melekh, Samu

Sonntag, 30.10.2011

Die beiden brauchten einen Moment um sich zu sammeln nachdem ich sie noch einmal nach ihren Beschreibungen fragte und ausdrücklich erwähnte sie sollen Versuchen Deutung, Interpretation zu unterlassen und nur Fakten beschreiben. Aber sie gaben sich Mühe, ohne von mir die Erklärung mit dem Blumenerdemann abzuverlangen.
Ich fragte Joana ob man ihren Schutzkreis betreten durfte und sie bejate. Allerdings durfte nur einer hinein und auch nicht lange.
Verdammt, ich hatte eigentlich Amani die Tonika geben wollen, damit sie auch etwas zu tun hatte, aber sie konnte nicht mit ihrem Ba heilen. Also musste ich hinein, konnte sie nicht ihren Kindern nähern bringen.
Überall war das Isfet drin heute, verflucht nochmal.

Ich stärkte Lara durch meine Berührung und rieb zwei ihrer Freundinnnen mit den Salben ein um ihnen die Kraft zu geben länger durchuhalten. Außerdem hatten wir Joanas Vorrat an Papier, Streichhölzern und Feuerzeugen wieder aufgefrischt. Lara dankte mir mit einem kurzen flüstern. Sie sagte etwas von einer Spinne auf der Insel, die einen Ring hatte.
Auch Lenja war der Auffassung, dass das Isfet welches die Kinder bedrohte von dort kam, also brachen wir so schnell wir konnten nach Suomenlinna auf.

Die Insel war aus irgendwelchen Gründen gesperrt, also konnten wir keinen offiziellen Verkehrsweg dorthin nehmen und da es schon spät war, konnten wir auch bei keinem privatem Verleih ein Boot ausleihen.
Es blieb uns ncihts anderes übrig, als eines auszuleihen, ohne dafür zu bezahlen.
Lenja versuchte eines der schnelleren kurzuschließen, aber sie war nciht sehr erfolgreich.
Nach dem zweiten oder dritten erfolglosen Versuch ging ich zurück zu dem kleinen Häusschen neben dem Zaun über den Lenja und ich gerade so eben hatten klettern können nd den Samu beinahe im Vorbeigehen genommen hatte.
Eine dicke Kette versperrte mir den Weg hinein, aber davon wollte ich mich heute Abend nicht aufhalten lassen. Wir mussten so schnell wie möglich fertig werden, keine Ahnung wie lange die Kinder noch durchhielten.

Als ich mit einem Haufen Schlüssel wieder zum Boot kam, hatte Lenja es gerade doch noch geschafft das Boot zu knacken und es zu starten. Sie übernahm das Steuer und lenkte uns zum Hauptpier der kleinen Inselgruppe. Zu unserer linken erstreckten sich zwei größere Inseln und zu unserer rechten ein oder zwei kleinere. Um mit System vorzugehen wollten wir uns eigentlich an die rechten zuerst machen, aber kaum hatten wir einen Fuß auf die Insel gesetzt spürrten Lenja und ich ganz deutlich einen gewaltigen Sog in den Süden auf die größeren der beiden Inseln.
Wir sahen uns nur kurz an und beschlossen diesem Sog zu folgen. Vorbei an einigen größeren Häusergruppen gingen wir bis fast auf die südliche Insel als wir noch etwas anderesbemerkten, eine andere Präsenz.

Aber sie kam nicht aus dem seltsamen Haus mit den aufgemalten Fenstern sondern von irgendwo dahinter. Das merkten wir allerdings erst, als Samu und ich uns schon durch die Tür hineingezwungen hatten. Zum Glück gab es auf der anderen Seite auch eine Tür. Sie führte uns in einen kleinen Hinterhof, von dem aus man ein anderes Haus betreten konnte, aus dem die merkwürdige Präsenz stammte. Außerdem war es mit einem großen Spinnennetz verziert, ich hatte ein echtes Riesenspinnennetz erwartet oder so, aber es war aus Stoff, für eine Stofftierspinne.

Hier musste es seien, also fing ich an nach der Spinne zu rufen, wie dumm von mir. Dann lies ich Lenja nach der Spinne rufen und stieg gleich mit ein: „Helmehecki!“ hörte sich irgendwie komisch an und die Stoffspinne rührte sich kein Stück.
Dafür öffnete sich aber die Tür zum zweiten Haus wie von Geisterhand. Vorsichtig traten wir ein, in ein irgendwie seltsam aber gemütlich aussehendes Haus.
Schon der Hof hatte einen vermischten Eindruck hinterlassen.
Alles, die ganze Insel, lag verlassen da, wie eine Gespensterstadt und dort in dieser kleinen Insel gab es noch einige gut gepflegte Blumenkästen. Überaus seltsam, aber irgendwie passend für eine Bekannte von Lara.
Drinnen gab es erstmal zwei Türen, eine mit einem Becherglas darauf, die andere mit Katzen.

Bei der einen sollte es sich um ein Labor handeln, bei der anderen um eine Teestube, wir entschieden uns natürlich für die mit den Katzen. Immerhin hatte ich Bastet mein ganzes erstes Leben lang hoch gehalten und in einem ihrer Tempel am Ende den Tod gefunden, als meine Arbeit getan war.
Ich hielt die Katzen für ein gutes Zeichen, vor allem als uns eine ältere Frau die Tür öffnete und im Raum hiinter ihr mehrere Katzen herumspielten.
Die alte Frau war natürlich auch so ein Geisterwesen wie Lara.

Eigentlich wollte ich ihr nciht vertrauen, wollte ihr nicht offenbaren worum es ging. Sie lebte noch hier auf der Insel, nachdem alle anderen sie schon verlassen hatten. Sie lebte mit dem Isfet, also musste sie einen nicht unbeträchtlichen Teil davon im Herzen tragen. War sie ein Ifrit, ein Apepnu?
Mein Vertrauen in Lara endete hier definitiv.
Aber ich hatte keine Zeit.
Tick, tick, tack, das ist die schwindende Zeit des Lebens unserer Kinder.

Die Spinnenfrau wollte erstmal einen Tee trinken, aber dafür hatten wir nun wirklich keien Zeit, nicht bevor wir das Isfet aus der Stadt vertrieben hatten. Hastig erklärte ich ihr weswegen wir hier waren, das wir irgendwas mit einem Ring machen sollte.
Beim ersten mal konnte sie mir nciht folgen, also musste ich alles nochmal in langsam erklären.
Bei Osiris, komm klar du dämlicher Geist.
Sie hatte den Ring, aber Lara schuldete ihr noch was, deswegen würde sie ihn nicht rausgeben.
Ich wollte schon den Mund aufmachen ihr einen Dienst anbieten so funktionierte das bei Geistern, als sie dies von selber vorschlug. Konnte also doch ein bisschen denken.
Leider kannte sie sich auch sonst ganz gut aus, der Ring würde uns nur Zeit erkaufen, aber nicht das Problem lösen.
Bei Anubis, was denn noch?
Ich wollte doch nur nach Hause, aber dazu musste man erstmal ein zu Hause haben und das musste man sich dieser Tage offenbar schwer erkämpfen.

Es gab noch irgendeinen Goblin, der das Isfet herbeirief und es auf die Stadt loslies, aber er war nciht alleine.
Er arbeitete zusammen mit irgendeinem seltsamen Pärchen aus den Tiefen der Duat, die schon eine ganze Armee von Apepnu hier auf die Insel gebracht hatten.
Na das konnte ja was werden.

Unsere Aufgabe sollte es sein, die Spinne, das Baby des alten Geists aus der Gefangenschaft bei den Boggarts die dem Goblin dienten zu retten. Von diesen Geisterarten hatte ich noch nciht so wirklich gehört, das würde ich später nochmal recherchieren müssen.
Dazu gab sie uns einen Beutel voller Nüsse gefüllt mit Blut und jedem einen Dolch. Um was es sich bei den Gegenständen handelte und das die Spinne wirklich groß war, konnten wir allerdings erst sehen, nachdem wir ein ziemlich abscheuliches Elixier getrunken hatten. Dafür offenbarte es uns die „wahre“ Gestalt der geisterhaften Dinge mit denen wir es zu tun hatten.
Die alte Frau, schien in ihrem Geisterich noch wesentlich älter und abgemergelter als sowieso schon, kein sehr hübscher Geist.

Lenja machte ein ziemliches Theate rum das Elixier und wollte es einfach nicht trinken. Lenja verdammt, wir sind hier nicht zum Spaß, es ging verflucht nochmal um Leben und nicht nur um eines davon.
Hau rein.
Tat sie dann auch, aber dann erbrach sie das ganze auf den Boden, wo die Katzen sofort begannen es aufzulecken. Nicht sehr Bastetgetreu.
Für einen weiteren Versuch hatten wir keine Zeit, wir mussten endlich los. Lenja musste sich auf unsere SIcht auf unsere Worte verlassen und das war ihr wohl um einiges lieber als noch mehr verdorbenes Zeug zu trinken.
Ich würde jeden Scheiß den es auf dieser verseuchten Welt gab trinken, wenn ich dadurch die Kinder in Sicherheit bringen und Amani glücklich machen konnte.

Jetzt ging es in Richtung des Sogs, zu seinem Ursprung.
Ich fackelte nicht lange konzentrierte mich und fand unter den alten Kaserneneingängen oder was auch immer das hier sein sollte schon bald den, hinter dem sich weitere Geister befinden mussten.
Mit gezogenen Messern gingen wir darauf zu, aber bevor wir eintreten konnten wurden wir von den Boggarts angegriffen, scheußlichen kleinen Gestalten. Mini-Apepnu.
Aber dadurch nciht weniger gefährlich. Einer Schlitze mir mit einem Kurzschwert den Oberschenkel auf und ich verlor ziemlich viel Blut, konnte kaum noch stehen.
Der andere versuchte mich zu beißen, schaffte es aber nicht und stieg dann auf Samu um. Als ob er da mehr Glück haben würde.
Lenja Begriff den ernst der Lage und machte ihrerseits ernst, dank ihrer Vorarbeit konnte ich mit einem Dolchwurf den mit dem Schwert ausschalten, der vor ihr floh.
Samu allerdings spielte da mit dem rum der immer wieder versuchte ihn zu beißen. Verdammt nochmal, deine Kinder, mach schon ernst, schlitz ihn endlich auf. Auf einen Apepnu mehr oder weniger kam es nicht an. Milde und Nachsicht gegenüber einer solchen Kreatur hatte ncihts mit Ma’at zu tun es war dumm und Zeitverschwendung.

Als unsere Gegner endlich gefallen waren sollte Samu tiefer in das Gemäuer eindringen, ich würde verletzt wie ich war draußen warten und Lenja blieb bei mir um nach mir zu sehen. Irgendetwas versuchte immer wieder uns zu lähmen und das mussten wir ausschalten.
Bevor wir wie Lenja minutenlang ausgeknockt wurden.
Drinnen gab es wohl einen gewaltigen Hund, um mit dem fertig zu werden brauchte Samu nicht nur das Kurzschwert sondern auch Lenjas Hilfe.

Trotzdem zerfetzte der Hund ihm völlig das Bein, Isis sei dank, hatte er vorher das Gatter der Spinne geöffnet, sodass die sich um den Hund kümmern konnte, der uns sonst sicherlich alle in die Lande des Westens getrieben hätte. Hatte Samu den ernst der Lage noch immer nicht begriffen oder war der Apepnu einfach zu stark?

Lenja rannte mit den Spinnenleckerlies und einem für sie gewaltigen Schatten in Richtung Mamaspinne davon, während ich versuchte Samu in dieser Welt zu halten.
Leider hatte ich alle Mittel die meine neue Existenz mir dafür zur Verfügung stellte schon für die Geistermädchen aufgewendet, sodass mir jetzt nichts weiter als erste Hilfe blieb, verdammt.
Eine Ewigkeit später kam erst die Spinnenfrau und dann Lenja wieder. Samu war mehr tot als lebendig und ich hatte nichts dagegen tun können, dass er uns verlies uund in den Westen ging.
Zum Glück war die Spinnenfrau eiine ALchemistin wie ich und hatte ein Tonikum dabei, welches seine Kat notdürftig reparierte, sodass sie seinen restlichen Bestandteile noch etwas länger als Hülle in dieser Welt dienen konnte.

Mit einem Zauber zur Levitation brachte sie Samu heim in das Spinnen Haus, aber ihre Kraft war erschöpft. Es gelang ihr nciht mich auch in vollem Umfang zu verzaubern, sodass ich langsamer, gestützt von Lenja zurückgehen musste.
Dabei versäumte ich dem kleinen beißenden Apepnu die Kehle durchzuschneiden. So viel zur Nachsicht. Mal schauen was er noch anrichten würde, bevor wir alles geregelt hatten, falls wir das überhaupt irgendwie hinbekämen.

Zurück in der Wohnung bei den Katzen legten wir erstmal eine kleine Verschnaufpause ein und berutschlugen was als nächstes zu tun war.
Der Goblin befand sich in einem Uboot or der Insel. Wie sollten wir da nur herunterkommen? Dafür fehlten mir zumindest die passenden Amulette oder Taucherausrüstung und ich glaubte nicht, dass die anderen besser bestückt waren. Geld war auch kaum noch was übrig.
Aber der Goblin sollte nicht unser Primärziel werden, sondern dieses seltsame Pärchen.
Wir waren ja schon wirklich gut mit den kleinen Apepnu klar gekommen und jetzt sollten wir vielleicht richtige, ausgewachsene Ifrite angehen? Ich sah mich schon gen Westen gehen.
Auch die etwa zwei dutzend weiteren Appnu die hier noch irgendwo herumstrolchen sollten, machten mir keinen Mut.
Wir waren mit zweien von denen nicht fertig geworden?

Wir mussten schwerere Geschütze auffahren, aber ich kannte keine, hatte keine und wusste keinen Rat.
Aber was war mit Voskow? Er lebte immerhin auch hier.

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GMDW: Netzwerk und Eide

TS-Runde Donnerstag 02.02.12
Erzähler: Clawdeen
Spieler: Lenja, Melekh, Samu

Freitag, 28.10.11

Wir eilten auf unser Zimmer und noch bevor ich irgendeine Chance hatte mit der mitlerweile etwas ruhigeren Amani zu sprechen verschwand sie im Bad und begann sich zu waschen.
Ich fühlte mich hilflos, warum sprach sie denn nicht mit mir? Konnte sie nicht spüren, wie sehr ich bereute, was sie durchmachen musste wegen mir?
Es gab so unendlich viel was ich ihr Sagen wollte und sie verschwand einfach.

Ich wusste nicht, was ich sonst hätte tun können und wandte mich Samu und Lenja zu, die bereits darüber beratschlagten wie wir am besten und schnellsten aus Ägypten verschwinden konnten, während ich Lenja um einige Kleidungsstücke für Amani bat.
Ich legte sie ihr vor die Badezimmertür, die sich kurze Zeit später öffnete damit sie die Sachen hereinholen konnte.
Noch immer kein Wort.

Noch während wir darüber sprachen welchen Flughafen wir nehmen wollten, wie wahrscheinlich und wie schnell meine liebe Familie damit beginnen würde verlies Amani das Badezimmer.
Unsicher trat sie schräg hinter mich und lauschte unseren Gesprächen, nachdem ich sie kurz vorstellte.
Wir mussten jetzt auf Englisch umsteigen. Ich war in einer Art Zwickmühle. Teil des Preises für das Gift von Voskow war es gewesen ein Gefäß von ihm mit hierher zu nehmen und mit Kraft zu Füllen. Ich hatte nicht die geringste Ahnung, wie man das anstellte, aber es kollidierte massiv mit unseren Fluchtplänen.
Am liebsten hätte ich alle mit zu den Pyramiden genommen, mich auf eine der unteren Stufen gesetzt und von dort die Sterne am Himmel betrachtet.
Eigentlich war es unangemessen sie mit
solchen Gefühlen in Verbindung zu setzen, es waren Ruhestätten für die Toten der ersten Dynastien. Aber sie waren schon damals, als ich in Khemet lebte da gewesen und unvorstellbar alt.
Gerne hätte ich dort mit Amani im Arm gesessen und den anderen aus alten Zeiten oder von der Ma’at und unseren alten Verbündeten erzählt.

Als ich aus meinen Gedanken erwachte hielt ich Amanis Hand und sie wa twas näher an mich herangetreten. Ein gutes Gefühl. Das hätten wir schon viel eher mal machen sollen.
Lenja redete gerade davon, wie geschickt es wäre über die Siwa-Oasen nach Libyen zu reisen und von dort zu fliege.
Ich war sofort begeistert, unerwartet und schwieriger nachzuvollziehen. Je weniger auf Helsinki und die Kinder deutete um so besser.
Ich rief Naranj an um sie zu fragen, was sie davon hielt, eigentlich unnütz. Natürlich war sie begeistert, dass wir sie besuchen wollten und sie Amani auch mal in Life sehen würde. Sie war sogar bereit ein paar ihrer menschlichen Freunde zu beten uns entgegen zu fahren um uns abzuholen und die Reise zu beschleunigen.

Gesagt getan, wir deckten uns noch mit Wasser aus dem Hotel ein, quetschten uns alle in dne Mietwagen und dann ging es ab Richtung Siwa. Erst fuhr Samu und dann als wir die Autobahn hinter uns ließen und ins offene Gelände fuhren übernahm Lenja, die einen Heidenspaß daran hatte durch die Dünen zu brausen. Amani, die sich dank meines Hinweises angeschnallt hatte und ich klammerten uns aneinander und an allen zur Verfügung stehenden Griffen des Wagens fest.

Später, wir fuhren schon Stunden durch die sengende Mittagssonne, kamen wir am vereinbarten Treffpunkt an, wo drei Jeeps auf uns warteten. Lenja und Samu fuhren in dem einen mit, Amani und ich in dem anderen und einer der Arabar bei denen ich mich herzlich bedankte fuhr unseren Mietwagen zurück nach Misr.
Dann brausten wir mit noch atemberaubenderem Tempo als Lenja es zuvor an den Tag gelegt hatte durch die Wüste.
Wir spürten den Wind im Gesicht, aber auch den Sand, der versuchte uns abzuschmirgeln. Wir waren im Reich Seths, dem roten Land.
Trotzdem fühlte ich mich irgendwie zu Hause, vor allem mit Amani neben mir. Ihr volles dunkles Haar wehte ganz wunderbar im Wind. Warum hatte sie überhaupt gefragt ob sie das Kopftuch abnehmen durfte? So eine dumme Frage. Sie wusste genau, dass ich nicht viel auf den Islam und dessen Traditionen gab. Nun da ich Bint-Anat war noch viel weniger.

Am Abend erreichten wir die Oasen, wo Naranj uns erwartete, wie sie mich damals auf meiner Hadsch erwartet hatte. Ich war die ganze Strecke von Luxor bis hierher gelaufen? Oh mein Gott. Die Haut musste mir vom Wind und Sand in fetzen vom Leib gehangen haben.
Sie begrüßte uns kurz und Amani besonders herzlich, damit sie sich nicht so verloren fühlte. Hätte ich nciht schon den ganzen Tag neben ihr gesessen und Zeit gehabt mit ihr zu sprechen, ihre Hand zu halten und ihren Anblick zu genießen, wäre ich vermutlich ungehalten über Naranjs Entführung gewesen.
Aber so war ich glücklich darüber, das Naranj ihr eine Freundin sein wollte, es würde Amani gut tun und würde meine Freundschaft zu Naranj erleichtern.

Während Lenja sich Naranjs beeindruckende Computeranlagen an sah, von denen aus sie einfach alles konnte, falsche Ausweise aufspüren, Zaid ausspionieren, Arzttermine meiner Schwester überwachen, Telefonanrufe abfangen und wahrscheinlich noch vieles mehr was ich mir nicht einmal im entferntesten vorstellen konnte, setzten Samu und ich uns in den Flur und begannen mit dem Blick nach draußen uns über die Zukunft zu unterhalten.
Dazu gab es wieder das Wasser des Lebens, mit einem Stück Zitrone darin, einfach köstlich.

Bevor die anderen zu Bett gingen fragte ich Naranj nach den Gefäßen und wir positionierten sie im Amuntempel unter einem kleinen Fenster durch das die ersten Sonnenstrahlen morgen scheinen würden. Die Gefäße würden sich dort von ganz alleine füllen.
Jeder von uns bekam ein kleines Häusschen, wie ich damals. Samu und Lenja wollten sich gleich schlafen legen, aber ich hatte noch einiges vor.
Mit einem lächeln im Gesicht und geheimnisvoll funkelnden Augen zog ich Amani mit mir auf die Coutch.
Nein, ich wollte nciht fortführen was wir damals in Gezirah begonnen hatten. Jetzt ging es um etwas viel wichtigeres. Es ging um Ehrlichkeit und Geheimnisse, denn diese konnten einen verbittert und hart werden lassen, ein Schicksal, welches ich niemals freiwillig auf mich nehmen würde.

Mit den Worten „dieses mal bin ich die Sharazad und du hörst zu“ machten wir es uns auf der Coutch bequem.
Meinen linken Arm hatte ich um Amanis Schultern geschlungen und mit dem rechten hielt ich ihre Hand, die sie sanft streichelte, als ich begann ein Märchen zu erzählen.
Ein Märchen aus dem Morgenland, dass ich unter den Geschichten aus „Alf Leila Wa Leila“ gut gemacht hätte. EIne Geschichte von einem jungen Mann, der nichts mehr begehrte als seine Schwester zu lieben und glücklich zu machen. Er wünschte sich dies so sehr, dass er bereit gewesen wäre für sie zu Sterben. Tatsächlich starb er, aber dies war nicht das Ende der Geschichte, denn im Tod fand er neue Verbündete und kehrte ins Leben zurück. Voller Energie, voller Kraft. Er fand neue Freunde, denen er von seiner Schwester erzählte und die sich gemeinsam mit ihm aufmachte sie zu befreien. Bis sie schließlich in einer verzauberten Oase einkehrten, wo der junge Mann seiner Schwestervon dem Weg erzählte der ihn hergeführt hatte.

Wie weich sie sich anfühlte, wie herlich sie roch, es fiel mir nicht ganz einfach meine Geschichte zu erzählen, ohne dabei den Verstand an meine Schwester zu verlieren aber es gelang mir.
Nicht ein einziges Mal zweifelte sie meine Worte an oder schaute ungläubig. Gebannt hing sie an meinen Lippen bis meine Geschichte mit unserer Wiedervereinigung endete.
So unglaublich sie doch war, erklärte sie sicher vieles. Mein Verschwinden, meine Rückkehr, meine seltsamen SMS und vieles mehr.
Es war nun schon morgens und wir mussten bald aufstehen. Doch diese Nacht gehörte uns. Es war unsere zweite gemeinsame Nacht.
Sanft zog ich sie mit mir in den Flur des Häuschens, keine Minute hatte ich ihre Hand losgelassen. Heute Nacht gehörte sie nur mir.
Ich hatte einen Plan.
Aber auch Amani hatte Pläne.
Bevor wir das aus verlassen konnten, schlang sie ihre Arme um meinen Nacken, stellte sich auf die Zehenspitzen und beugte sich zu mir vor.
Der Anblick ihres gestreckten Nackens war nichts im Vergleich zu ihren Augen, den kostbarsten Juwelen, die es auf diesem Planeten gab.
Dann küsste sie mich.

Auf dem Dach des Hauses mit dem Blick auf die Oase gerichtet, den Sternen über uns und dem ersten Hauch der Morgenröte in der Ferne, spielte ich noch einmal für Amani.
Und wir küssten uns. Es waren lange, zärtliche Küsse, voller Sehnsucht. Küsse die schon vor Jahren geküsst hatten werden wollen, aber keiner von uns hatte es gewagt.
Jetzt war der Damm gebrochen, wir gehörten Zusammen. Bis in alle Ewigkeit.

Samstag, 29.10.2011

Es gab ein herzhaftes Frühstück, von dem wir uns auch noch für die Reise am folgenden Tag reichlich einpacken konnten. Leider hatten wir nicht die Zeit länger hier bei Naranj zu bleiben, aber eines Tages würde ich wiederkehren.
Wir hatten uns darauf geeinigt mit einem Schiff über Kreta zu reisen und von dort nach Helsinki zu fliegen, da wir so am besten unsere Spuren verwischen konnten.
So mussten wir uns recht früh von Naranj verabschieden und fuhren dann mit einem kleinen Segelschiff samt griechischer Besatzung gen Kreta.
Lenja blickte ungeduldig dem Horizont entgegen, sie war ungeduldig, wollte zurück in ihre eisiges Heimatland. UNd das wo sie hier endlich etwas aufgetaut war. Hoffentlich würde die fehlende Sonne sie nciht erneut erstarren lassen.
Samu blickte düsteren Gedankengängen nachgehend zurück nach Khemet. Er fürchtete mein Schwager würde uns vielleicht die Marine auf den Hals hetzen, was ich für überaus unwahrscheinlich hielt.
Arm in Arm standen Amani und ich am Heck bis unser Heimatland, das Königreich der Sonne hinter dem Horizont verschwand. Doch selbst dann mochte ich mich nicht abwenden, viele schöne Erinnerung meines ersten Lebens und auch einige meines zweiten Lebens ruhten dort und warteten noch darauf enthüllt zu werden.
Trotzdem zogen wir uns dann in unsere winzige Kajüte zurück und legten uns schlafen.
Der vergangene Tag war sehr anstrengend gewesen. Es war etwas wie in alten Zeiten. Gemeinsamer Mittagsschlaf.

Am Abend kamen wir das erste mal auf die Idee bei Samu anzurufen, damit Amani mit den Kleinen sprechen konnte. Doch niemand ging ans Telefon. Aber es war auch schon spät, Lara war vermutlich schon im Bett.
Als ich am Nächsten Tag wieder und wieder versuchte sie zu erreichen, ging sie auch nicht ans Telefon und langsam wurde ich unruhig.
Auf der einen Seite wollte ich Amani keine Sorgen bereiten, auf der anderen wollte ich verdammt nochmal wissen, was da los war.

Auf Kreta trafen wir Silvia Nikaptah, eine recht ungemütliche Sefekhi, die sich mal eine Scheibe von Samus Gemüt und Agressionsbewältigung hätte abschneiden können. Sie wäre dadurch sicherlich eine entspanntere Persönlichkeit geworden.
Wir unterhielten uns über das Netzwerk aus Aminte, zu dem auch Nikaptah gehörte, während wir in einem einfachen Restaurant aßen und auch später in ihrer Wohnung.
So ein Netzwerk war eine gute Sache, sobald ich die Möglichkeit dazu hatte würde ich mit Freuden anderen helfen, wie Naranj mir geholfen hatte.
Von Lenjas Plänen eine Agentur zur Beratung in Gesundheits- und Sicherheitsfragen aufzumachen war ich wenig begeistert. Amani als Sekretärin? Nein, Amani konnte mehr, wenn sie die Zeit dazu fände, neben der Arbeit die die kleinen verursachen würden. Mutter zu sein war ein Vollzeitjob und nicht jeder hatte einen seltsamen Hausgeist namens Lara, der einem alles abnahm.
Außerdem war ich mir ziemlich sicher, das Amani es nicht wollen würde. Sie war die Mutter und ich würde an ihrer Seite seien.
Auch sonst war ich eher skeptisch. Eigentlich wollte ich erst mein praktisches Jahre vollenden und das am liebsten nicht in Finnland. Warum konnte die Welt niemals einfach sein? Warum konnten Lenja und Samu nicht in einem Land leben, dem es reichte, wenn ich arbeitete und für meine Familie, bestehend aus meiner Schwester , meiner Nichte und meinen zwei Neffen aufkam? Warum konnten sie nciht in einem Land leben, in dem es etwas wärmer war und indem man den Hauch des Ra auf der Haut spürte wenn man aufstand.
Das müssten wir neben unseren vielen anderen Aufgaben auch noch untersuchen. Naranj meinte Ra würde uns selbst an nördlicheren Orten unterstützen, irgendwas stimmte nicht in Helsinki.
Mal schauen. Wenn es uns gelang Ra dazu zu bringen wieder nach Helsinki zu schauen und wenn wir es mittels Job oder Samus Bekanntem schafften es Amani zu ermöglichen dort zu bleiben, dann könnte Helsinki vielleicht unser Zuhause werden. Mein Zuhause war bei Amani und wenn ich hier mit ihr Leben konnte, dann war es ein guter Ort, vor allem weil Lenja und Samu auch hier lebten. Nur ungern würde ich die beiden zurücklassen, aber ich war mir gleichzeitig ziemlich sicher, dass Lenja nirgendwo anders hin wollte.
Als wir uns dann schlafen legten, hatten Samu und Amani die ganze Küche geputzt und gespült, eine nette Geste im Ausgleich für die Hilfe die uns Zuteil wurde.
Samu und Lenja schliefen im Doppelbett, während wir es uns auf den Luftmatrazen bequem machten. Nikaptah hatte sich schon vor einer ganzen Weile in ein Nebenzimmer verzogen.

Sonntag, 30.10.2011
Nach einem etwas weniger gutem Frühstück, weil es nicht von Naranj, die mal Eva hieß und sich nicht nur mit Computern sondern auch komplizierter Mathematik auskannte, zubereitet worden war, ging es mit dem Hubschrauber weiter nach Athen.
Während Lenja und ich den Flug in all seinen Facetten mit unseren neu gewonnenen Sinnen aufsaugten, war Amani überhaupt nicht wohl dabei, den festen Boden hinter sich gelassen zu haben. Wer konnte es ihr verübeln? Sicher hatte Zaid ihr niemals eine ähnliche Erfahrung geboten.
Die Welt war so unendlich viel größer als noch vor wenigen Tagen, und damit auch um einiges aufregender.

Von Athen ging es weiter nach Helsinki, wo wir am frühen Abend ankamen.
Noch immer hatte ich Lara nicht erreichen können und so langsam machte ich mir Sorgen.
Was wenn mein Vater oder schlimmer noch Zaid jemanden von Naranjs können kannten?
Dann wüssten sie schon längst wo die Kinder waren, was war nur geschehen, während wir Amani geholt hatten?

Doch dann fiel es mir wie Schuppen von den Augen und ich entspannte mich sichtlich. Es war erst Sonntag. Wir hatten eine Woche wegbleiben wollen. Vielleicht hatte Lara mit den Kindern einen Ausflug gemacht, vielleicht hatte sie alle mit zu sich nach Hause genommen. Telefone konnte sie laut Samu wohl benutzen, bei Geistern konnte man sich da ja nie so sicher sein.
Wir sollten ihr dringend ein Handy besorgen und ich sollte auf den Schutzzeichen die Gabriel für die Kinder gefertigt hatte dringend ein Auge des Horizonts anbringen. Nur hatte ich mich damals gegen dieses Amulett entshcieden, weil ich keinen Nutzen in ihm sah. Ob Voskow es mir wohl beibringen konnte?

Wir gingen hoch und die WOhnung war lehr. Kein Chaos, kein Überfall, sie waren auf einem Ausflug, wie ich es mir gedacht hatte. Auf dem Tisch ode rim Kinderzimmer würde ein Zettel liegen wo sie waren.
Nein würde es nicht, wir kämen erst am Mittwoch wieder, wer hätte den Zettel schon lesen sollen?

Der Anblick des Kinderzimers verschlug mir den Atem. Ich wusste nicht, was ich tun sollte, aber Zorn kochte in mir hoch.
Ich fühlte mich verraten, betrogen.
Joanna, Samus Tochter, saß in der Mitte des Raumes auf dem Boden und verbrannte gefaltete Figuren um die Asche in einem Löffel zu sammeln. Auf dem Boden lag Lara gemeinsam mit drei weiteren verfluchten Geistermädchen und sie wirkten irgendeine Art Magie.
Niemand rührte sich.
Ich war so kurz davor den Boden auf dem sie ruhten zu verbannen, so wütend war ich. Ich wollte in die Küche stürzen, ein Messer nehmen und sie alle umbringen, verdammte Geister. Ich würde eure Körper die ihr auf was weiß ich welche niederträchtige Weise gestohlen hattet in kleine Stücke schneiden und sie den Löwinnen um Fraß vorwerfen. Euch würde ich den Zorn meiner Mutter Sachmet spüren lassen.
Ich würde euch jagen, ich würde euren Bann herausfinden und dann würde ich euch für alle Ewigkeit aus dieser Welt verbannen, oder besser noch euch einsperren und zwingen mit anzusehen, wie wir der Welt Ma’at wiederbrachten, die ihr auf so niederträchtige Weise besudeltet. Ihr werdet schon sehen, ich bin Melekh Bint-Anat ich werde nicht mehr schweigend daneben stehen.

Halt. Was hatte Lara da gerade gesagt, zu Samu? Sie wollte ihr Versprechen mir gegenüber halten? Und Lenja redete irgendetwas davon, dass die Magie im Raum einen Schutzkreis gegen etwas finsteres bildete. Aber warum sagte Samu dann, nach einem Ausflug in die Duat, dass die Kraft der Geister schwand und sie von den Kindern zehrten?
Ich verstand das alles nicht.
Aber was hatte Nikaptah noch gesagt? Manchmal glaubte man, man würde richtig handeln, aber voreilig tat man dann Dinge die man später bereute.
Erst nachdenken, dann handeln. Ich wollte Lara vertrauen, ich hatte ihr bereits vertraut, hatte die Kinder in Sicherheit gewägt. Nun musste ich meinen Teil tun.
Ich drehte mich zu AMani rum, die nur völlig hilflos daneben stehen konnte und keinen Schimmer davon hatte, was im Raum vor sich ging.
Ich fasste sie an den Schultern und berührte mit meiner Stirn die ihre. eine Geste des Vertrauens. Sie wusste noch weniger als ich. Ich hatte die Kinder hier zurückgelassen, hatte sie einer Fremden überlassen und meiner Schwester eingeredet alles wäre in Ordnung.
Nichts war in Ordnung. Anstatt lachend ihre Kleinen in den Arm nehmen zu können, musste sie das hier mit ansehen. Irgendwer würde dafür bezahlen. Irgendwer musste dafür bezahlen, dass ich mein Wort, mit gutem Gewissen gegeben gebrochen hatte.
Vertrau mir Amani.
Und so versicherte ich ihr:

„Ich werde Binsengefilde und Unterwelt in Bewegung setzen um dafür zu sorgen, dass es den Kindern wieder gut geht. Ich werde nicht ruhen, bevor ich sie nicht gerettet habe. Ich werde Binsengefilde und Unterwelt in Bewegung setzen um den zu Bestrafen, der hierfür verantwortlich ist.“

Dann drehte ich mich wieder um, ich musste herausfinden was hier los war und mir noch einmal alles was Samu und Lenja gesehen hatten genau erklären lassen.
Die beiden glaubten ja auch an den finstren Blumenerde-Aminte.

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GMDW: Über Grenzen hinaus, Teil 2

TS-Runde Donnerstag 26.01.12
Erzähler: Clawdeen
Spieler: Lenja, Melekh, Samu

Mittwoch, 26.10.11
Früh morgens brachen wir auf. Samu und ich ich mit dem Taxi zum Flughafen, wo wir Lenja trafen.
Samus Ruhe müsste man haben. Der kerl hatte die ganze Nacht durchgeschlafen, schlief im Flugzeug schon wieder, nicht aus der Ruhe zu bringen.
Ich hatte kaum geschlafen, es hatte sich angefühlt als hätte ich die ganze Nacht wach gelegen.
Im Flugzeug konnte ich auch nicht schlafen. Ich hatte versucht mögliche Szenarien im Kopf durchzuspielen, aber das alles ist sinnlos. Es würde sowieso anders kommen als ich dachte.
Also möglichst gut vorbereiten und dann spontan auf die Geschehnisse reagieren. Was anderes käme selbst bei guter Planung nicht raus.

Als wir in Misr ankamen war es endlich wieder warm. Ich hatte mich zwischendrin in der Flugzeugtoilette umgezogen und die zusätzlichen Isolationsschichten die in Helsinki notwendig waren in meinen Rucksack gestopft. Es musste sich ziemlich gut anfühelen ein Reptil zu sein und ab und zu mal seine alte Haut abzustreifen um wiedergeboren zu werden.
Ich wünschte nur mit dem abstreifen der Unterkleidung hätte ich auch einen Teil meiner Sorgen abstreifen können.

Ich traute meinen Augen kaum, wir hatten den FLughafen noch nicht ganz verlassen, da wurden wir schon von Naranj begrüßt.
Unsere Ausweise zum Undercover Schwesterretten schienen ja mächtig gut zu sein, für das Geld hatte ich mehr erwartet. Doch Naranj, der sicherlich mein darübe betrübtes Gesicht auffiel, versicherte mir, dass die Ausweise nciht so schlecht waren, sie war nur einfach besser.
Aber warum war sie überhaupt in Misr? Musste sie nicht in der Siwa Oase nach dem rechten sehen und die Stasis aufrecht erhalten?
Auf jeden Fall freute ich mich sie wieder zu sehen, es gab kaum jemanden den ich heute hier lieber getroffen hätte. Eigentlich nur einen Menschen.
Sie hatte schon wieder einiges vorbereitet um uns bei der Entführung und unserem Aufenthalt hier unter die Arme zu greifen und lud uns in ein Teehaus ein. Ich hatte schon soviel gutes von ihr erzählt, trotzdem begegneten Samu und Lenja ihr eherzurückhaltend. Immer diese Abendländer.
Ob Naranj wohl früher auch so gewesen ist?
Zielstrebig fuhr sie uns durch das totale Chaos der Straßen von Misr, irgendwann nahm das Gehupe ab und wir waren da. Der „Seattle Coffee House“ lag schlicht wie wh und je vor uns, aber diesmal ließ ich mich nicht von dem äußeren Eindruck in die irre führen und beobachtete gespannt Samus und Lenjas Gesicht, als wir den Innenhof betraten. Der Laden verdeutlichte auf eine sehr stimmungsvolle Art und Weise, dass es das Innere war was zählte.
Aber mit derlei Feinheiten konnte ich mich kaum beschäftigen.
Wir hatten gerade Platz genommen und Naranj lud uns zum Essen ein, als eine wahre Flut von Erinnerungen mich überkam. Ich konnte nicht anders, ich musste mir wieder Hummer bestellen.
Den anderen schien es hier zu gefallen, sie aßen gut und unterhielten sich mit Naranj, immer noch auf ihre typische Abendländische Art.
Ich hätte genauso gut Presspappe essen können. Schade, dass ich Naranjs Geld verschwendet hatte. Trotz meiner verbesserten Sinne war es völlig egal was ich da gerade mit meinen Backenzähnen zermalmte.
Immer wieder sah ich zu dem Platz herüber, an dem ich damals gesessen hatte. Vor meinem geistigen Auge konnte ich noch immer sehen, wie sie die 8 Schätze auf überaus elegante Weise verspeiste. Jede ihrer Bewegungen war mir in die Seele gebrannt.
Warum nur, warum nur musstest du uns hierher führen Naranj?
Wäre es nciht besser gewesen, mich abzulenken, damit ich mich besser auf die vorliegende Aufgabe konzentrieren konnte? Mir noch einmal zu zeigen wofür ich kämpfte, mich an Amani zu erinnern, würde mich das nicht ablenken?
Dann waren die anderen fertig mit ihren Unterhaltungen und Naranj drückte Lenja zum Abschied noch einen kleinen Umschlag in die Hand, was da wohl drin war? Ein Handbuch zur ägyptischen Mythologie?
Nein es waren Papiere für Amani, aber warum hatte Naranj sie Lenja gegeben? Das mit dem Handbuch musste ich dann wohl bei Zeiten selbst erledigen.
Naranj nahm den beiden ihre seltsame Art nicht übel, und lud uns alle zusich in die Oase ein. Irgendwann Naranj, in anderen zeiten, wenn wir ein halbes Dutzend Probleme weniger zu bewältigen hätten, dann würde ich Urlaub machen und dich besuchen kommen. Und darauf bestehen Samu und Lenja mitzunehmen.

Dann überlegten wir, ob wir noch diese Nacht nach Alexandria aufbrachen, oder doch Naranjs Angebot annahmen? Lenja wollte gerne mehr von Ägypten sehen und wenn ich ehrlich war wollte ich das auch. Zu gern hätte ich ihr die Pyramiden aus nächster Nähe gezeigt, versucht ihr zu vermitteln, wie Kemet einst gewesen war, woher die Tem-Akh kamen.
Samu aber blieb eine Stimme der Vernunft und lies sich nicht dazu verleiten unzweckmäßige Unternehmen zu starten, die nicht direkt in Zusammenhang mit Amanis Rettung standen.
Er wollte nichteinmal zulassen, dass ich meine Wohnung aufsuchte um einige Erinnerungsstücke und hilfreiche Gegenstände aufzutreiben, wie zum Beispiel meine Überwachungskamera.
Doch lies er sich dazu überreden dies mit Lenja an meiner statt zu übernehmen.
Dazu mussten sie die ganzen Parkanlagen des Cleopatras durchqueren, aber als sie mit meiner Gitarre, einem Fotoalbum und der Kamera samt gespeicherten Videos zurückkehrten, lobten sie das Krankenhaus mit keinem Wort. Wussten sie denn nicht, wie schwierig es war, so einen wundervollen Ort hier inmitten all des Chaos zu erschaffen und aufrecht zu erhalten?
Lenja war beeindruckt von der hohen Qualität der Kamera, natürlich war sie von hoher Qualität, sie war der erste Plan gewesen um meiner Schwester die Freiheit zu schenken.

Die Pyramiden sahen wir dann nur vom Auto aus, ein klitzekleiner Umweg, auf den ich bestanden hatte. Doch anders als erwartet, erfreute mich ihr Anblick kaum, jedes mal wieder konnte ich mich über das McDOnalds aufregen, dass dort absolut überhaupt gar nichts verloren hatte. Man sollte es einfach streichen.

Mitten in der Nacht kamen wir dann in Alexandria an, ein Hotel hatten wir von unterwegs gebucht.
Ich schleppte Taschen und Koffer, Samu übernahm Lenja. Mit ihr war nachts kaum was anzufangen.
Ich sank ins Bett und endlich konnte ich schlafen. Die schlaflosen Nächte und anstrengenden

Donnerstag, 27.10.11
Vorsichtshalber hatte ich mir den Wecker gestellt, doch hier war das völlig unnötig. Ich spürte einfach als die Barke die zwölfte Stunde der Nacht verlies, und die Sonne aufging. Ich konnte den Atem des Ra auf meiner Haut fühlen, er stärkte mich und erfüllte mich mit Tatendrang. Fort waren all die Zweifel und das flaue Gefühl im Magen. Gut gelaunt griff ich in die Seiten der Gitarre und spielte zu meinen morgendlichen Gebeten.

Später, nachdem wir ungefähr alle Geschäfte die es hier gab abgeklappert hatten um Samu aber vor allem Lenja, die um einiges Anspruchsvoller war, der Umgebung entsprechend einzukleiden fuhren wir am Haus meiner Familie vorbei.
Wie lange war ich schon nicht mehr dagewesen?
Doch ich dachte nciht an schöne Kindheitserinnerungen, es war eine feindliche Festung, die es auszukundschaften galt, bewacht von vier teils verkleideten Feinden, aber hätten es nicht sechs sein sollen?
Ich schrieb Amani einige SMS um weitere Informationen zu erhalten und sie in unsere Pläne einzuweihen. Ohne ihre Mitarbeit, könnten wir auch gleich wieder Abreisen.
Ich war ihr dankbar dafür, dass sie darauf verzichtete mich auf die Gefahr, die von den mit Schnellfeuergewehren bewaffneten Soldaten ausging, oder dass sie mir doch geschrieben hatte nciht zu kommen.
Sie akzeptierte einfach, dass ich jetzt hier war, bereit mein Leben zu riskieren um ihr mehr Freiheit zu schenken, um mit ihr Zusammen zu sein. Sie konnte ja nicht Wissen, dass ich auch jedes darauf folgende Leben geben würde, nur damit es ihr gut ging.
Mit ihrer Hilfe ersannen wir einen Plan, der mir ganz und gar nicht gefiel.
Ob ich mir jemals werde verzeihen können, was ich ihr antuen musste um sie zu retten? Und all das nur weil ich kein Krieger war.
Mit Freuden hätte ich einen jeden dieser Toren die sich zwischen mich und meine Schwester stellten Ammut zum Fraß vorgeworfen, aber ich konnte nicht.
Ich war nur Arzt.
Und die Umstände zwangen uns dazu einen anderen Weg zu gehen.
Von Voskow hatte ich ein Gift. Ein Gift gedacht für den Fall, dass Zaid doch hier wäre, eine Art Versicherung.
Ich hatte es ihm verabreichen wollen, auf das er bis zu seinem sehr langsam, aber sicher eintretenden Tod unvorstellbare Qualen erlitt.
Das gegenmittel hätte er erhalten sobald Amani und ich in Sicherheit bei den Kindern waren.
Dieses Gift schmuggelten wir über eine Bedienstete zu Amani, sie würde es nehmen müssen.
Würde sie mir jemals verzeihen?

Freitag, 28.10.2011
Der Tag begann vor dem Sonnenaufgang, alles sollte bereit sein wenn es soweit war.
Naranj war so gut, Mutter anzurufen und ihr vorzugaukeln sie hätte einen Gutschein für eine ihrer Lieblingsboutiqen erhalten, als Bonus für eine besonders treue Kundin. Dieser Teil des Plans schien Naranj am besten zu gefallen, sie hatte sich mehr als bereitwillig darauf eingelassen Mitzuspielen. Ohne sie wäre es wieder einmal schwierig geworden, keiner sonst sprach Arabisch.
Dann ging es schnell in eine Apotheke wo ich Valium, Spritzen, Mundschutz und andere Accessoires für unsere Kostüme erstand. Das Valium hatte natürlich auch einen tieferen Sinn, wir würde es nutzen um Wachleute außer Gefecht zu setzen die uns im Wagen begleiteten.
Im Krankenhaus besorgen Lenja und Samu Wäsche, ich ziehe mich direkt um und besorgen uns einen der Krankenwagen aus dem Fuhrpark.
Wie selbstverständlich ging ich durch das Krankenhaus, sah aus wie ein Arzt, nahm mir einen Schlüssel voom Brett und dann ging es in den Fuhrpark.
Samu würde fahren, ich mimte den Arzt, Lenja eine Krankenpflegerin die mir zur Seite stand.

Als alles vorbereitet war, schrieb ich Amani, dass sie jetzt das Gift nehmen könnte. Ursprünglich hatten wir verschiedene Ideen gehabt, wir hatten auch über aufgeschnittene Pulsadern und eine Putzmittelvergiftung nachgedacht, aber mit dem Gift war es am sichersten, es würde auf keinen Fall irreversible Schäden zurücklassen.
Aber das Gift war auch der qualvollste der Wege.
Warum hatte ich nicht vorher an sowas gedacht? Warum hatten wir kein Mittel dabei, das zwar grauenvolle Symptome hervorrief, aber keine grauenvollen Qualen?
Warum musste ich ihr das antun?
Warum?

Von Naranj erhielten wir eine SMS mit nur einem Wort: „Go“. Sie hatten den Notruf abgesetzt und mit dröhnendne Sirenen und Blaulicht machten wir uns auf den Weg. Wir waren viel zu nahe, hoffentlich merkte niemand, dass wir zu schnell eintrafen.
Wenige Augenblicke später erreichten wir das Grundstück meiner Familie. Ich musste mich zusammenreißen, durfte keine Regung erkennen lassen, durfte mich auf keiinen Fall verraten.
Die Haustür war bereits geöffnet, dort standen zwei Wachleute und diskutierten aufgeregt miteinander, während zwei der Bedienstete, eine war Abda mit dem roten Kopftuch, der wir dies alles verdankten, eine dritte Person herausschleppten. Sie krümmte sich ni Agonie, war ganz eingehüllt in hässlichen braunen Stoff, sodass man sie kaum erkennen konnte.
Amani. Meine Schwester. Meine Libe. Ich bin hier.
Doch ich durfte nicht zu ihr eilen um sie in den Arm zu schließen und festzuhalten. Ich durfte ihre Qualen jetzt noch nicht beenden, durfte nicht für sie da ssein. Jetzt noch nicht.
Ich weiß nicht, ob irgendjemand sich vorstellen kann, was ich in diesen Momenten erlitt.
Endlich war ich da, konnte sie sehen und doch war sie in unerreichbare Ferne.
Jeder Schritt war, als täte ich ihn auf Rasiermessern, bis Lenja und ich den Angestellten dabei halfen Amani auf der Liege zu bugsierne und ich sie festschnallte.
Sonnenbrille, Mundschutz und neue Frisur erfüllten ihre Aufgabe meine Identität zu verschleiern gut, ich hörte keinen der Angestellten meinen Namen nennen und auch die Wachleute schienen keinen Verdacht zu schöpfen.

Kaum das Amani gesichert war und Lenja und ich samt nur enem Wachman, wir hatten mit zweien gerechnet, im Wagen waren und die Türen geschlossen hatten brauste Samu davon.
Das machte er wirklich gut, unser Auftritt hatte sie alle getäuscht. Nur ein Wachmann statt drei, kein Auto welches uns folgte.
Und ich konnte mich um meine Schwester kümmern. Und konnte es gleichzeitig nicht. Was ich dort tat war nur Show für den Wachmann, und Qual für mich.
Eine schnelle Injektion und in wenigen Minuten wäre sie befreit von den Qualen die Serekhet ihr bereitete.

Plötzlich bremste Samu, darauf hatte Lenja nur gewartet. Sie hatte gerade eine der Valiumspritzen bereit gemacht, und nun tat sie so, als hätte sie durch das plötzliche Anhalten die Kontrolle verloren und rammte dem Wachmann die Spritze in den Oberschenkel. Nicht in deinen Oberkörper, der durch eine kugelsichere Weste geschützt war, in deinen Oberschenkel, das war geplant du Narr.
Hoffentlich denkst du daran, wenn du aufstehst.
Du lebst nur, weil ein anderer dich ersetzen würde töteten wir dich. Du lebst nur, weil du es nicht Wert warst getötet zu werden.
Aber stell dich noch einmal zwischen mich und meine Schwester und du gehst zu Ammut.
Früher hatte es auch eine Liebe gegeben, eine Liebe die verboten war. Eine Liebe zu meinem Bruder, der ich nicht nachgeben durfte, denn ich war mit einem anderen verheiratet.
Doch der Ma’at zu Liebe unterdrückten wir die Gefühle sperrten sie ein, bis sie irgendwann erstarben.
Es hatte nur zwei kurze Momente der Sünde gegeben und mein ganzes Leben musste ich dafür bezahlen. Musste dafür bezahlen mit einem Verstoß gegen die Ma’at, mit der Liebe meiner einzigen Tochter.
Diesmal würde es anders sein.
Ich würde auch der Ma’at dienen, aber die Zeiten hatten sich geändert. Dieses mal würde ich die Liebe leben und jeden Vernichten der sich uns in den Weg stellte. Es gab kein Kemet mehr, dass man über unsere Gefühle hätte stellen müssen.
Und wie sollte man Ma’at halten, wenn man sie nicht im Herzen trug? Unmöglich.
Nur mit Ma’at im Herzen und meiner Liebe an meinser Seite würde ich mich für den Rest der Welt opfern. Dieses Leben sollte auch mir gehören, alle anderen danach würde ich völlig bedingungslos für Ma’at aufopfern. Aber ein von Liebe erfülltes Leben, mehr wollte ich nicht.

Ich injizierte all meinen Wünschen das Gegengift und wartete darauf dass es anschlug. Jetzt endlich konnte ich für sie da sein. Ich nahm sie in den Arm, hielt ihre Hand und berührte mit der meinen ihre Stirn.
Sie sollte sehen, dass ich da war, immer für sie da sein würde um sie aus der Finsternis in die Freiheit zu führen.
Sie kahm wieder zu sich. Ganz langsam lassen die Schmerzen nach, viel zu langsam. Das zittern lies nach und die Augen klärten sich.
Sahen mich an und erstrahlten. Mir war als könnte ich den Atem des Ra spüren.
Sie legte ihren Arm um mich, und lächelte mich an.
All die Schmerzen die ich auf mich genommen hatte um hierher zu kommen traten in den Hintergrund. Nur wenige Worte verließen ihren Mund: „Deine Haare…“.
Ich wusste es Amani und es schmerzte mich sie zu schneiden. Aber ich musste nur wenige Sekunden zögern. Sie hatten mir viel bedeutet Amani, aber du selbst bedeutest mir die Welt.

Am Krankenhas angekommen stellten wir den Wagen ab, wechselten hinüber in den Mietwagen nd fuhren zum Hotel.
Beim umsteigen hatte ih Amani gestützt, sie war immer noch geschwächt von dem Gift.
Es tat mir so unendlich leid, Amani, bitte verzeih mir.
Auf der Fahrt zum Hotel brach sie in meinen Armen in Tränen aus.

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GMDW: Über Grenzen hinaus

TS-Runde Donnerstag 26.01.12
Erzähler: Clawdeen
Spieler: Lenja, Melekh, Samu

24.10
Heute war ich mit Lenja unterwegs. In Ägypten sah es zur Zeit nicht gut aus und wenn meine Familie ins Spiel kam, wurde es noch gefährlicher. Immerhin sollten da diese sechs Wachleute sein, die das Haus bewachten. Was konnte ich nur gegen sechs Bewaffnete unternehmen?
Die war das erste mal in meinem Leben, dass ich kurz bereute kein Militärarzt oder dergleichen zu sein. Ich war einfach kein Stück wehrhaft, konnte nicht gefährlich sein. Zumindest nicht in direkten Auseinandersetzungen.
Samu konnte ordentlich zulangen, er hatte das ganze Zimmer zerlegt und ein Loch in die Wand geschlagen, letztens. Lenja konnte wohl mit einer Pistole umgehen, zumindest sprach sie darüber sich in Ägypten eine Pistole besorgen zu wollen um im Notfall zurück zu schießen. Und ich konnte, ja, was konnt eich eigentlich?
Nachdenken, aber dass auch nur beschränkt gut wenn es um das Wohlergehen, um das Leben meiner Schwester ging.
Ich wollte daran arbeiten auch in Konflikten etwas hilfreicher zu sein und bat Lenja darum mir zu zeigen, wie man mit einer Pistole schoss.
Sie nahm mich mit auf eine Art Schießstand oder besser in einen Schießkeller und zeigte mir die Grundzüge.
Ziemlich kompliziert so eine Pistole, aber irgendwie würde ich das schon hinbekommen.

25.10
In letzter Zeit schlief ich zunehmend schlechter. Zu meinen Alpträumen mischte sich auch noch die Nervosität der bevorstehenden Reise, der Befreiung. Das flaue Gefühl in meinem Magen wurde von Stunde zu Stünde größer. Die Sonne fehlte mir immer noch, die Morgengebete waren weniger erfüllend als sonst. Ich wollte nicht immer mit neuer Kraft belohnt werden, wenn ich betete, so etwas erwartete ich gar nicht.
Aber selbst hier in Helsinki, wo man den Atem des Ra nicht verspürrte, hatten sie mich bis jetzt mit einer Art Ruhe erfüllt wie ich sie sonst nur selten verspürt hatte. Sie hatten mir Kraft gegeben, mir geholfen mich auf das zu konzentrieren was wichtig war und mir geholfen voran zu gehen.
Doch am Tag vor unserem Flug zurück ins Königreich der Sonne konnten sie es nicht. Oder besser ich konnte es nicht. Ich fand keine Ruhe, konnte mich nicht auf den Frieden Ma’ats konzentrieren, fand sie nicht in meinem Herzen.
Auch mit dem Essen verhielt es sich nicht anders. Mir war schlecht und jeder Bissen den ichschlcukte kostete mich viel Überwindung. Am liebsten hätte ich gar nichts gegessen, aber mein Körper würde die KRaft brauchen. Ausgehungert und schwach konnte ich Amani nicht retten, nicht einmal mit Samu und Lenja an meiner Seite.

Ich bin sehr froh die beiden getroffen zu haben. Ob Naranj sich überhaupt vorstellen konnte, was ich ihr dadurch, dass sie mich zu ihnen geschickt hatte alles verdankte? Ich kann mir keine besseren Freunde vorstellen, als die beiden.

Doch am Dienstag, verhielten sich die beiden nicht wie sonst. Ob sie genauso aufgeregt und mitgenommen waren wie ich? Hormone konnten so grausam seien.
Aber ich hatte keine Zeit mich damit auseinander zu setzen. Es ist nicht einfach Ma’at zu wahren, wenn man selbst so aufgewühlt war.
Ich wollte mich an diesem noch einmal besonders viel mit Amanis 3 Kleinen beschäftigen, ihnen einen schönen Tag bieten, bevor ich sie alleine lassen würde. Vielleicht eine ganze Woche. Allein in einem fremden Land, ohne Mutter, ohne Vater, naja das waren sie wahrscheinlich gewohnt und mit einem mehr als sonderbarem Kindermädchen. Mir war nicht ganz wohl dabei. Sie sollten diesen Tag haben um sich daran zu erinnern, um sich zu erinnern, dass ihre Mutter nicht die einzige war, die sie tief in ihrem Herzen trug, falls etwas schief ging. Und es konnte so vieles schief gehen.
Deswegen ging es mir auch schon den ganzen Tag so schlecht.
Und als hätten meine Gedanken noch weitere böse Geister angezogen, war Razir mehr als quengelig. Er wollte nicht essen und verwendete seine ganze Energie darauf abwechselnd zu weinen und der Welt schreiend mitzuteilen, dass es ihm nicht gut ging.
Ich sah es Razir, ich sah es, aber was sollte ich denn tun?
Weder bei seinen Backenzähnen noch bei der Erkältung konnte ich ihm groß helfen mit dem was ich gelernt hatte. Ich versuchte ihn zu pflegen und ihn zu beruhigen, aber es sollte einfach nicht sein. Lara bot mir ihre Hilfe an, aber ich glaube ich war in meinem Stolz gekränkt.
Wie sollte ich mich denn später um alle drei kümmern und für Amani da sein, wenn ich es jetzt nicht einmal mit einer Erkältung und ein paar Zähnen aufnehmen konnte?
Ich zog mich mit Razir in eines der vielen Schlafzimmer zurück und versuchte ihn zu beruhigen, aber sobald ich von seiner Seite wich, begann er erneut zu weinen und zu schreien. Es war zum verzweifeln.
Ich konnte nichts tun. Hilflos wie eh und je.
Nein das war nicht richtig. Ich konnte doch etwas unternehmen.

Ich verlies ihn kurz und bat Lara um Hilfe. Mit ihrer Magie konnte sie Razir die Ruhe bringen, die er so dringend benötigte.
Und nicht nur das, sie hatte einen Löffel, den sie Schatz nannte, so wie ich Amulett dazu gesagt hätte.
Mit ihrem magischen Löffel, bereitete es ihr keine Probleme den kleinen erst zu Füttern und ihn anschließend mit ihrem Schlaflied einzulullen. Doch er weinte immer noch, wälzte sich hin und her.
Ich konnte es nicht länger ertragen. So lange schon, hatte ich mich viel zu wenig um meine Schwester und die Früchte ihres Leibes gekümmert.
Jedes weinen quälte mich, als würde ich es selber verspüren.
Schließlich nutzte ich eines meiner Tonika und rieb Razir nicht nur Bauch und Rücken mit dem Heilmittel aus Kemet ein, sondern auch sein Zahnfleisch, welches vermutlich der Urheber seiner Qualen war. Wie gehofft zeigte es bald darauf Wirkung und gab seinem Körper die Kraft mit allem fertig zu werden.
Endlich fand er die Ruhe die er so dringend benötigte um gesund zu werden.
Danach sprach ich noch einmal mit Lara und gelangte endlich zu der Einsicht, dass mein Verhalten ihr gegenüber kaum angebracht war.
Menschen konnten anderen Menschen die grausamsten Wunden schlagen, nicht der Kat. Es machte einfach keinen Sinn ihr die Kinder auf mundane Weise anzuvertrauen und dann Misstrauen zu zeigen weil sie eine Art Geist war.
Bestimmt gab es Magie mit der man Schreckliches bewirken konnte aber warum sollte sie das tun?
Sie hatte sich so lange Zeit gut um Samus Kinder gekümmert und sie hatte sich bis jetzt auch gut um meine Neffen und Nichten gekümmert. Warum sollte man sie verutreilen, wenn sie Magie benutzte mit der sie einem geplagtem Kind Ruhe gönnen, ein unwilliges Kind das Essen musste zum Essen brachte?
Man durfte es nicht mit der Magie übertreiben, sonst lies man ihnen keine Chance aufzubegehren, sich zu entwickeln, aber wenn ihre Magie so ähnlich wie unseere Hekau funktionierte, dann musste ich mir auch darüber keine Sorgen machen. Erstmal.

Lenja und Samu schauten einen Film von dem ich nichts verstand und dann zogen sie sich auch schon zurück. Samu legte sich einfach schlafen, wie schaffte er das nur? Lenja musste sich noch um unsere Ausweise kümmern und wollte uns dann morgen früh am Flughafen treffen.

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GMDW: Nach Vorne

TS-Runde Donnerstag 24.11.11
Erzähler: Clawdeen
Spieler: Lenja, Melekh, Samu

23.10 Abends

Auf einen geschäftigen Tag folgte ein geschäftiger Abend. Den ganzen Tag war ich auf hochtouren gelaufen, hatte mich im Hotel abgemeldet, meine Sachen zu Samu geholt, Emails und Infos von Naranj studiert und ein Spaziergang mit Lara und den Kindern unternommen.
Dann war es auch schon Abends und keiner hatte daran gedacht etwas zu Essen einzukaufen, also konnten wir nichts gescheites Kochen. Nichts gescheites in Form von Pommes und Fischstäbchen kam aber nicht nur bei den kleinen Finnen sondern auch bei den kleinen Alexandriern sehr gut an.

Gabriel aß wie üblich alleine in der Küche, Reste von gestern. Er ließ alle unsere Einladung ins Esszimmer zu kommen einfach abblitzen, war zu spät gekommen und zog sich kurz nach dem Essen schon zum schlafen zurück.

Eigentlich hatte ich gedacht er wäre etwas aufgetaut in letzter Zeit, aber im Wald oder sonst wo, muss ihm wohl eine Schlange über die Leber geschlängelt seien. Er zeigte sich abweisend wie zu Beginn und würde doch nicht mit nach Alexandria kommen, um uns zu begleiten und mir zu helfen. Er wollte unbedingt ohne Hinweise diesen Mörder finden und stoppen, ganz alleine. Außerdem wollte er sich um allerlei weltliche Dinge kümmern, ein Gemälde das er verkauft hatte, seine Wohnung seinen Studienplatz und so weiter.

Wie gerne hätte ich mein praktisches Jahr beendet, aber anderes ging gerade vor.
Ich bin mir auch noch nicht ganz sicher, wo ich es beenden werde. Helsinki ist kalt wie die Zwölf Stunden der Nacht, der Atem des Ra ist nicht zu spüren und überhaupt wollen diese dämlichen, dummen, bürokratischen Idioten Amani nur 3 Monate in ihrem blöden dunklen Land dulden. Sie sollten sich lieber freuen, dass es so nette finnische Aminte gibt, das jemand wie Amani mir und meinen Freunden zur Liebe hier bleiben würde. Sicherlich eine Bereicherung und das auf einer viel wichtigeren Ebene als irgendein arabischer, zukünftiger Neurochirurg. Aber nein. Bei Osiris und Isis, das …

Samu meinte man könne da vielleicht was machen, er hätte Freunde die beim Amt arbeiteten.
Ich versuchte mich dankbar und freundlich zu geben. Ich würde gerne bei Samu und Lenja bleiben, aber hier? Ich hatte mir den hohen Norden irgendwie anders vorgestellt. Helsinki war von Innen wesentlich weniger einladend, als es von Misr aus gewirkt hatte.
Vielleicht würden die beiden ja mit mir auswandern?

Aber ich greife vor. Eigentlich erfuhr ich all dies erst am nächsten Morgen.
Den Abend verbrachten wir damit Pläne zu schmieden wie wir Amani retten könnten. Ich wollte es definitiv erledigen während Zaid nicht anwesend war, aber trotzdem wurde sein Haus bewacht von einem halben Dutzend Leuten, wie Amani meinte. Wie sollten wir nur mit einem halben Dutzend Schlägertypen, wohlmöglich noch Soldaten fertig werden?

Wir waren zwar Aminte, aber keine großen Krieger oder Magier wie aus den Geschichten. Nur einfache Leute. Wir würden Amani „entführen“ müssen, wenn sie gerade nicht zu Hause war, aber natürlich lagen die Kutabtage genau so, dass es verdammt knapp werden würde. Zaid fuhr Mittwochs und kehrte Donnerstags wieder zurück. Also blieb die Kutab nur als letzter Versuch.
Vermutlich musste ein Ablenkungsmanöver her. Außerdem wollten wir Undercover vorgehen. Lenja, ich wusste doch, dass ein Privatdetektiv verdammt hilfreich werden würde, konnte uns gefälschte Papiere besorgen, sodass niemand bemerken würde, dass wir es waren die da nach Alexandria flogen. Niemand vielleicht außer Naranj, die sofort herausfinden wollte wer wir wären, nur so zum Spaß. Die Papiere waren verdammt teuer, ohne Naranjs finanzielle Unterstützung hätten wir eine Undercover-Reise gleich vergessen können und ich die ganze Aktion. Wer nicht arbeitete verdiente auch kein Geld um nach Alexandria zu fliegen und dann mit seiner Schwester zurück nach Helsinki.

Lenja übernachtete im Wohnzimmer. Sie hatte noch ausgehen wollen, aber weder Samu noch ich waren in der richtigen Stimmung und dann war sie nach dem ganzen Gerede zu faul gewesen sich noch zurückzuziehen. Oder taute sie doch ein wenig, langsam, Inch für Inch auf?

Gleich am nächsten morgen, sorgte ich dafür, dass sie sich wieder in eine andere Richtung entwickelte, als ich erwähnte, dass alle Aminte besser so hilfsbereit und aufgeschlossen wären wie Samu und Naranj. Sie schien eine Morgenmuffel zu sein und übermäßig beleidigt durch meine Bemerkung. Als ich ihren Gesichtsausdruck sah, bereute ich sofort, was ich gesagt hatte, aber tief in meinem inneren wusste ich, es war die Wahrheit. Sie wollte zwar helfen und dafür war ich unendlich dankbar. Aber sie war soo misstrauisch. Erst die Geschichte mit Aswuat, falsche Namen, sich nicht nach Hause bringen lassen und sändig irgendwohin abhauen. Irgendetwas war da nicht ganz richtig mit ihr, das musste sie doch einsehen. Das eigene Verhalten zu leugnen machte es nicht ungeschehen.

Trotzdem wollte ich eigentlich nicht gemein zu ihr sein und sie beleidigen. Also bemühte ich mich den Rest des Tages über durch zubereiten eines ordentlichen Kaffees und den Einkauf leckerer Schokopralinen ihre Gunst zurückzuerlangen.
Sie war eine Freundin und ich wollte sie nicht verjagen.
Vielleicht sollte ich heute Abend auf ihren Wunsch von gestern, tanzen zu gehen eingehen? Außerdem wollte ich sie sowieso noch um einiges bitten und könnte mir gut vorstellen, dass ihr gefiel was ich vorhatte.

Heute war dann der Tag an dem ich erfuhr, dass die Finnen Amani nicht hier haben wollten und beinahe mein Handy gegen die Wand geschleudert hätte und Samu mich beruhigen musste.
Außerdem bestätigte das EBN meine Vermutung, dass es sich bei den Gehirnen um irgendein abgedrehtes Phänomen handelte, denn sie hatte nichts gefunden, was die Wandlung hätte erklären können. Keine Viren, keine Bakterien, keinen Pilz, keine anderen Mikroorganismen, nichts. Einfach ein Phänomen.

Aber das nächste zuerst.
Also rief ich wieder einmal Lenja an.

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GMDW: Kinder

TS-Runde Donnerstag 10.11.11
Erzähler: Clawdeen
Spieler: Lenja, Melekh, Samu, Gabriel

22.10 Morgens

Heute würde ein anstrengender Tag werden, ich hatte viel zu tun. Erst zum EBN, dann mit Lenja einkaufen gehen und ich wollte noch mit Voskow sprechen.
Zaid würde nicht hinnehmen was ich vor hatte. Ich hingegen würde nicht hinnehmen, dass er sich mir in den Weg stellte. Er hatte genug verbrochen. Naranjs Recherche diente im Grunde genommen nur dazu mein Gewissen zu beruhigen. Hoffentlich würde sie mir die Ergebnisse schicken, nach denen es mich verlangt.
Aber was ist wenn nicht? Dann würde es Probleme geben. Nein ich würde mir das Gift besorgen, hoffentlich war Voskow schon lange genug ein Aminte um die richtigen herstellen zu können. Dann würde ich Zaid demonstrieren, dass mit mir nicht zu Spaßen war, auch ohne Muskeln und Kampfausbildung konnte ich ihm zusetzen.
Und vielleicht, vielleicht würde er zu Osiris gehen. Sein Leben lag so zu sagen in Naranjs Computerzauberkünsten.
Ich bemühte mich leise zu sein, sicherlich hatte ich Samu mit meinen Träumen wach gehalten, also wolte ich ihn in Ruhe ausschlafen lassen. Nach der Morgenhygiene betete ich noch kurz zu den Äonen Het-ka-Ptahs, in Richtung der bald aufgehenden Sonne, bevor ich in den Frühstückssaal entschwand. Das Essen war nciht ganz meins, aber ich ernährte mich einfach von Saft und frischem Obst und lies den Rest links liegen.

Dann ging es mit der Bahn zum EBN, wie beabsichtigt war ich etwa 15 Minuten vor 0800 vor Ort, aber das Gebäude lag noch im Tiefschlaf vor mir. Erst um kurz vor 8 erschien der erste Mensch vor dem Gebäude. Eine nette Frau, die mich kurz fragte bei wem ich einen Termin hätte und die mich dann mit hinein nahm, sogar bis vor Prof. Alefuzoffs Zimmertür.
Frau Irina Alefuzoff machte einen weniger guten Eindruck auf mich. Sie hatte sich ken Stück auf diesen Termin vorbereitet, wusste nicht worum es geht, und hatte auch keinen ordentlichen Terminplaner ode irgendetwas, was ein vielbeschäftigter Mensch nutzen sollte um sein Leben zu organisieren. Möglichst schnell brachte ich die Übergabe des Gehirns hinter mich, zugern wüsste ich was Kramer ihr damals geschickt hatte. Ich konnte mir einfach nicht vorstellen, dass er ihr nichts mitgeteilt hatte über unsere Arbeit an den Kindern.
Voskow hatte mir geantwortet, um 1600 sollte ich am Stand sein um meine Sonderwünsche zu besprechen. Auch Naranj hatte mir eine SMS geschickt, ich hätte eien Email, deren Anhang ich ausdrucken sollte und um 12 zu Stand 47 bringen sollte. Tja, da würden Voskow und ich uns wohl vor der verinbarten Zeit wiedersehen.

Eine dreiviertel Stunde später ging es dann zurück ins Hotel. Ich kaufte mir W-Lan Zugang und stellte fest, dass Samu nicht mehr da war. Also legte ich mich mit Laptop aufs Bett und surfte auf Finnischen Seiten durchs Internet. Wäre sicherlich einfacher gewesen wenn Lenja oder Samu mir mit diesen komischen Zeichen hätten helfen können. So musste ich immer erst mühsam englische Übersetzungen suchen. Nachdem ich herausgefunden hatte wie ich hier Asyl beantragen konnte, schickte ich noch eine Mail an das Bürgeramt. Ich schilderte ihnen die Situation von mir und meiner Schwester und bat um Asyl für uns 5.
Dann klingelte mein Wecker, 1000, Lenja hatte jetzt lange genug zu geschlafen.

Als ich sie anrief brauchte sie eine Weile um ans Telefon zu gehen, vielleicht war sie doch noch im Bett gewesen? Ich erzählte ihr von meinem neuen Auftrag. Sie willigte ein mir mit dem Drucken zu helfen, und als Entschädigung lud ich sie zu einem Kaffee ein. Und da ich schoneinmal dabei war, lud ich auch Samu zu dem Treffen mit Voskow ein, man konnte nie Wissen was einen erwartete. Jemanden dabei zu haben, der ein ganzes Zimmer in nur 15 Minuten zu Sägespähnen verarbeiten konnte, würde nicht schaden.
Lenja brachte ihn auch schon mit ins Café. Es war mir etas unangenehm, ich hatte nur sie eingeladen, immerhin hatte Samu nichts gedruckt, aber keiner von beiden schien es mir übel zu nehmen.
Wieder tranken wir zusammen und wieder mussten wir uns über unappetitliche medizinische Berichte unterhalten. Denn bei den Dokumenten, die ich ausdrucken sollte, handelte es sich um eine Tatortbeschreibung und den Bericht der Pathologie über einige höchst seltsame Morde.
Arme Lenja, sie wollte doch einfach nur Kaffee trinken und jedesmal kam so etwas dazu. Lag vielleicht ein Fluch auf uns?

Dann war es an der Zeit rüber in die Kauppahalli zu gehen, aber anders als ich gedacht hatte, konnte Voskow mit dem Bericht nichts anfangen. Also war Stand 47 der internationale Aminte-Treffpunkt in Helsinki. Wer würde wohl dieses Mal hier auftauchen? Vielleicht Alpi oder Maarit?
Dann zupfte mir auch schon jemand am Mantel und rief meinen Namen. Aus Oberschenkelhöhe. Die Stimme kam mir bekannt vor, aber ich konnte mich nciht an einen Aminte im Rollstuhl entsinnen.
Wer also mochte es wohl sein. Zögerlich drehte ich mich um und blickte an mir herab.

Ich konnte mein Glück kaum fassen, mein Herz war kurz davor zu explodieren, aus lauter Freude. Es war Wakur. Sofort hockte ich mich hin und umarmte ihn, hielt Aussschau nach den anderen. Und da war Aneesh, sie kam zögerlich auf mich zu. Wir hatten uns schon viel zu lange nicht mehr gesehen Aneesh, aber du bist trotzdem in meinem Herzen.
Aber das alles roch nach einer Falle. Ich suchte die Menschenmassen nach Amani ab. sie war nicht hier. Wie konnten die Kinder ohne Amani hier sein? Meine Mutter war auch nicht da. Wollte man mich ablenken um mich ohne Gegenwehr zu erledigen. Aber in meinem Rücken mussten noch Samu und Lenja sein, sie würden nicht zulassen, dass Zaid sich von hinten anschlich. War es möglich, dass er die Kinder zur Ausführung einer solchen Tat benutzte? Barbarisch. Abartig. Einfach unvorstellbar. Aber es war möglich.

Dann sah ich Rasir. Er befand sich auf dem Arm irgendeines Abendländers, bleiche ungesunde Haut, lange braune Locken, braune Augen. Wie konnte so jemand mit Zaid unter einer Decke stecken? Er übergab mir Rasir und faselte irgendetwas, ich hatte keine Zeit ihm zu lauschen. Das Blut brauste so laut durch meine Ohren, ich wurde beinahe taub davon. Alle 3 waren hier. Ich konnte es nicht fassen.

Der Bericht. Welcher Bericht? Achso ja, hätte man sich denken können. Ich hatte ihn fallen gelassen, vergessen. Ich hob ihn auf und überreichte ihn Gabriel.
Er hatte für Naranj gearbeitet. Die Zettel für meine Kinder. Ich wusste nicht was ich sagen sollte. Unglaublich. Naranj war wirklich die beste. Ich erklärte ihm noch kurz, dass ich ihm helfen würde, weil er die Kinder zu mir gebracht hatte, sobald ich meine Angelegenheiten geregelt und Amani befreit hatte.

Sie hatten sich völlig eingesaut mit Schokolade von Lenja. Sollte sie doch behaupten sie mochte keine Kinder, aber Oxytocin wirkte immer. Sie würde schon lernen, dass die drei einfach wunderbar waren. Nach meinem kurz angebundenen Gespräch mit Gabriel, ich wollte jetzt wirklich lieber Zeit mit den Dreien verbringen, kaufte ich ihnen entgegen Lenjas Warnung Kuscheltiere. Viel zu teuer natürlich. Aber ihre Geschenke lagen noch in meinem Wohnheim in Misr. Ich hatte vergessen sie Amani später zu geben. Ich freute mich so sie zu sehen, da sollten sie ruhig auch etwas haben über dass sie sich freuen konnten. Heute war nicht der Tag um „Nein“ zu sagen, von denen würde es noch genug geben.

Während ich mit den Kindern spielte, unterhielten sich Lenja, Samu und Gabriel auf Finnisch.
Wieso gab es eigentlich so viele finnische Mumien? Die beiden schienen auch nicht so recht mit ihm klarzukommen. Er war recht seltsam, aber er hatte Wakur, Aneesh und Rasir hergebracht und ihnen sogar Amulette angefertigt. Ich hatte bis jetzt nichtmal die Zeit gefunden mir eines herzustellen. Also würde ich versuchen seine seltsame Art hinzunehmen und freundlich zu ihm zu sein.
Überhaupt wollte ich möglichst zu allen so freundlich sein, wie es Naranj zu mir gewesen war. Mir ging es jetzt viel besser als noch vor einigen Monaten, auch wenn noch physische Hindernisse im Weg standen, mit meiner Auferstehung hatte ein neues Leben begonnen. Und es war in Ordnung. Es war alles andere als einfach und jeden Tag kamen neue Komplikationen hinzu, aber es war in Ordnung. Ich hatte Frieden mit mir geschlossen, Bint-Anat hatte mir Frieden geschenkt. Wir würden die Welt in Ordnung bringen und mit mir hatten wir begonnen. Auch den anderen würde ich helfen mit sich Frieden zu schließen, auch wenn es viel Arbeit bedeutete.

Dazu musste ich aber erstmal das aktuellste Problem lösen. Wohin mit den Kindern?
Samu hatte schon einen Plan, war mir einen Schritt voraus. Aber er meinte es seie andersherum. Was er wohl vor hatte? Ich verabschiedete mich von Gabriel und bot Lenja an mich zu begleiten, aber sie konnte ihre Zuneigung zu den Kindern nicht zugeben und zog sich lieber allein zurück. Irgendwann wirst auch du auftauen Lenja.

Die Adresse die Samu mir gegeben hatte lag in einer noblen Gegend. Das haus war modern und seine Wohnung einfach gigantisch. Warum hatte er nur im Hotel gehaust? Er hatte sogar schon ein Kindermädchen engagiert und würde auch mich hier wohnen lassen, bis, keine Ahnung. Sicherlich so lange wie es nötig war. Samu war ein toller Aminte. Er war offen, hilfsbereit und für jeden da, so wie ich auch sein wollte.
Mir knurrte der Magen und wir inspizierten gerade die Küche als wir aus dem Kinderzimmer ein seltsames Lied hörten und absolut gar keine Geräusche von den Kindern. Das Lied erinnerte mich an meine eigenen Lieder, nur dass es nicht ägyptisch sondern nordisch war. Sofort musste ich an Lenjas Valküren denken. Ich hatte schon vor einer Weile darüber nachgedacht, dass wir Aminte sowas ähnliches waren wie von Gespenstern oder Geistern Besessene oder Getriebene.
Welches Mädchen, dass gerade mal die Schule hinter sich hatte kannte solche Lieder?
War auch sie getrieben von einem Geist oder gar Bessessen, oder verschmolzen so wie ich?
Ich schlich mich ins Kinderzimmer. Überhaupt nicht leise. Schade.
Die Kinder saßen aufgereiht in einer Linie und rührten sich nicht. Es erinnerte mich an eine Geschichte meiner Schwester, aber ich konnte es nciht einordnen. Ich wusste nur, dass es ganz entschieden FALSCH war.

Ich bat Lara kurz mitzukommen, und versuchte sie irgendwie dazu zu bringen mir zu sagen, wer oder was sie war, was zur Hölle sie von den Kindern wollte, was sie mit ihnen gemacht hatte.
Aber sie wich all meinen Fragen aus, wollte mir nicht die Wahrheit sagen. Sogar Samu versuchte mich zu beschwichtigen er wollte das Kindermädchen nicht verlieren.
Aber ein Kindermädchen, dass sich von der Essenz unserer Kinder ernährte? Das war ausgeschlossen, wir mussten herausfinden, was sie war und was sie brauchte.
Ich lies mich erst einmal beschwichtigen, entschuldigte mich für mein Verhalten und kochte Mittagessen für heute und morgen. Die ganze Zeit behielt ich Lara im Auge. Ich würde ihr schon noch auf die Schliche kommen, oder zumindest verhidnern, dass sie den Kindern irgendetwas antat.
Wir schickten Samu einkaufen und ich nutzte die Gelegenheit ihr weiter auf den Zahn zu fühlen.
Genau vor ihrer Nase benutzte ich eines meiner Hekau und versuche sie erneut dazu zu bringen sich zu offenbaren. Ich verrate ihr sogar, dass ich Melekh Bint-Anat bin, aber sie versteht mich nicht und nennt mir wieder nur ihren dämlichen normalen Namen. Na warte, irgendwann bekomme ich dich zu packen Geist. Auf ewig hälst du das Spiel nicht durch.

Du wirst Amanis Kinder nichts antun. Amani. In diesem Augenblick erinnerte ich mich an unseren Abend. Beinahe konnte ich ihre hand fühlen, wie sie über meinen Kopf und Nacken strich. Wie konnte ich jetzt nur daran denken. Diese wunderbaren Erinnerungen waren gleich nach den Kindern und Amani das wertvollste, was ich besaß. Sorgfältig verstaute ich sie wieder in den tiefen meiner Seele und wollte mich erneut Lara zuwenden.
Aber irgendetwas war jetzt anders. Sie schien nicht mehr so bedrohlich. Ich wusste noch immer nicht, was sie war aber das würde ich schon noch herausfinden. Immerhin passte sie schon lange auf Samu Kinder auf und es ging ihnen noch gut. Alte Lieder singen und Basteln, das hätte ich auch mit den Kindern gemacht. Aber sie gleich mit irgendeiner Art Zauber beeinflussen, darüber würden wir nochmal reden müssen.
Ich vereinbarte mit ihr, mir das Lied beizubringen, sie hatte es ziemlich zu Beginn unseres ersten Gespräches angeboten und wenn wir schonmal dabei waren, könnte ich mich nochmal um diesen Zauber kümmern.

Dann kam auch schon Samu zurück. Eigentlich nicht schon, sondern dann erst, er war weit über eine Stunde weg gewesen. Vermutlich weil er unterwegs Gabriel ud Lenja geroffen und mitgebracht hatte. Zum Glück hatte ich für zwei Tage gekocht, es würde wohl für uns alle Reichen. Hoffentlich konnte man für morgen noch einkaufen, die Tiefkühlpizzen würde ich eigentlich lieber tiefgekühlt lassen.
Während Lara und ich den Tisch deckten, benahm sie sich als wäre nichts gewesen, wollte die anderen nicht sehen lassen, dass ich erkannt hatte, dass sie kein Mensch war. Nun gut, vorerst konnten wir es dabei belassen.
In einem riesigen Speisezimmer setzten wir uns alle zusammen um zu Essen, ich nahm Rasir auf den Schoß und fütterte ihn. Nur Gabriel blieb in der Küche.
Den Bericht über den eigenen Tod zu lesen hatte tiefe Furchen in seiner Seele hinterlassen.

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GMDW: Nur ein Abend

TS-Runde Donnerstag 03.11.11
Erzähler: Clawdeen
Spieler: Lenja, Melekh, Samu

21.10.11 Abend
Nun wollten wir den Blechaffen erstmal Blechaffen seien lassen. Der Abend war noch jung und wir wollten die Gelegenheit nutzen um uns etwas besser kennenzulernen.
Alpi war schon zu müde um uns noch zu begleiten und ist dann abgebogen und nach Hause gegangen. Er war seit unserer ersten Begegnung seltsam skeptisch und zurückhaltend gewesen. Aminte sollten einander vertrauen und helfen, auf jemanden mit so vielen Hintergedanken hatte ich heute Abend keine Lust und so trauerte ich ihm nicht hinterher.

Im Café blieben wir nicht lange. Die Sprachbarriere ließ keine entspannten Gespräche aufkommen, sodass ich den anderen vorschlug irgendwo hinzugehen wo wir unter uns wären. Dort könnten wir dann auf ägyptisch ohne Probleme reden und verstehen. Dachte ich zumindest. Aber Annuk überraschte mich ihren Zweifeln. Es war schwierig für sie sich auf ihre Ägyptische Seite ienzulassen, vielleicht weil sie aus einer so anderen Kultur kam. Sie sprach von sich und ihrem Tem-Akh immer noch als getrennte Persönlichkeiten. Trotzdem verstand sie, was ich sagte als ich die Sprache der Tem-Akh benutzte, aber sie schien nicht antworten zu können. Wenn wir erstmal unter uns waren, würde ich ihr etwas in Hieroglyphen aufschreiben und versuchen diesen Fokus zu nutzen um sie dazu zu bringen ägyptisch zu sprechen. Dann könnten wir uns auch endlich ohne Übersetzer direkt unterhalten.

Im Raddisson Seaside angekommen, schnappten die beiden sich einen Kaffee und ich mir einen Pfefferminztee, dann gingen wir auf Samus Zimmer. Ich hätte auch gerne einen Kaffee, aber sie hatten hier einfach nirgends Kardamon, den müsste ich mir wohl selber dazu kaufen.
Ich hatte schon gehofft, sein Zimmer wäre vielleicht größer als meine Kajüte, aber ich hatte mich geirrt. Die Sterne hatten hier definitv nichts mit der Größe der Räume zu tun. Annuk setzte sich aufs Bett, ich überlegte kurz mich zu ihr zu setzen, entschied mich dann aber doch für einen Schneidersitz auf dme Boden. Samu nahm sich den einzigen Stuhl und ließ sich darauf nieder, das Bett nutzte er als Beinablage.

Wir unterhielten uns über meine kulturellen Hintergründe und darüber, dass ich schon vor meinem Tod viel über ägyptische Mythologie wusste und sie liebte, sodass ich mich jetzt nur wenig daran gewöhnen musste. Bei Lanja war das etwas ganz anderes, sie wäre, wie sie beteuerte, lieber eine Valkyre geworden als eine Mumie. Ob sie wohl kriegerisch genug war um sich für so etwas zu qualifizieren, wohl kaum. Gab es überhaupt Valkyren? Bestimmt, immerhin gab es auch den Schakalsgott mit seiner Digitalwaage. Aber was waren Valkyren? Ich hatte nicht die leiseste Ahnung.
Weiterhin war ihre erste Begegnung mit anderen Aminte wohl wesentlich unerfreulicher verlaufen als meine Beziehung zu Naranj. Wo sie verständnisvoll, hilfsbereit und freundlich gewesen waren, hatten die Aminte von Aswuat, nicht Assuan wie ich zuerst glaubte, hatten diese sich kaum die Zeit gefunden den Skandinaviern alles zu erklären, sie ausgenutzt und versucht übers Ohr zu hauen.
Die beiden mutmaßten sogar ob nciht die Aminte selbst den Terroranschlag verübt hatten bei dem sie verstorben und zu Mumien geworden waren. Mir war absolut unbegreiflich, wie sie soetwas von anderen Aminte denken konnten.
Ich würde sie davon überzeugen müssen, dass es sich um irgend eine Art von Missverständnis gehandelt hatte, so wie ich ihnen alles über die Äonen von Het-ka-Ptah beibringen würde. Horus sei dank, gab es zwar ziemlich viele, die die Bezeichnung Gott für sich beansprucht hatten, aber wenn man sich auf die mächtigen Äonen und Himmlischen beschränkte blieb die Zahl wenigstens zweistellig.

Dann bekam ich eine SMS von Naranj. Bis zum Ende der Woche müsste ich zurück nach Khem kommen, es gab Probleme über die sie mich später telefonisch informieren würde. Als ich daraufhin umständlich versuchte mir die Hilfe von Annuk und Samu zuzusichern, meinte er ich solle ihn doch einfach fragen ob er mir helfen würde. Annuk war wesentlich weniger deutlich. Sie schien mich zu mögen, aber sie wollte hier bleiben, zu Hause und mit Ägypten nichts zu tun haben. Und das obwohl sie immer wieder erwähnte, sie hätte niemanden hier der auf sie gewartet hatte, niemand zu dem sie gehen konnte. Sie tat mir leid, ich wollte nicht ganz alleine auf der Welt sein, egal wo.

Einige Zeit später meldete sich dann auch Samus Handy. Er zog sich zum telefonieren ins Badezimmer zurück und so unterhielten Annuk und ich uns eben alleine weiter.
Wir sprachen darüber, dass ich andere Kleidung tragen müsste, wenn ich wirklich beabsichtigte mit Amani hier nach Helsinki zu ziehen und sie empfahl mir dicke Wolle, damit ich nicht mehr so fror. Wir sprachen auch über Filme, Musik und kamen irgendwann auf unsere Wiedergeburt zu sprechen.
Sie konnte sich an ihre nur schwer erinnern und musste immer lange nachdenken, bevor sie etwas beschreiben konnte. Dadurch hatte ich den größeren Redeanteil, anders als bei den Filmen zuvor, vor allem als Ich ihr lautstark und wild gestikulierend meine Entrüstung über die Digitalwage des Schakalsgottes schilderte. Bei ihr hatte er sich an die klassische Vorstellung gehalten und die Waage mit der man ihn üblicherweise sah gewählt. Fabelhaft. Das machte die ganze Geschichte in meinen Augen nur noch schlimmer.

Samu kam wieder aus dem und musste gehen. Er hatte etwas zu Hause zu erledigen und wollte nicht darüber sprechen. Warum nächtigte er überhaupt in einem Hotel?
Ich führte Annuk zwei Etagen nach oben in mein Zimmer, stellte meine Tiefkühltasche auf den Tisch und widmete mich wieder unseren Gesprächen.
Wir redeten und redeten, ich weiß nicht einmal mehr genau worüber alles. Das Gehirn aus Uganda kam auf jeden Fall vor, da ich es gerade erneut in Stasis versetzen musste. Aber sonst kann es durchaus seien, dass einige der oben genannten Themen erst jetzt angesprochen wurden.
Schließlich kam Samu wieder und er hatte eine Flasche Wodka dabei und bot uns an mit ihm zu trinken. Annuk willigte sofort ein, aber ich lehnte ab und versuchte vergeblich die beiden davon zu überzeugen, dass es sich dabei um Gift handelte und sie nicht für ein bischen Spaß ihre Kat beschädigen sollten. Die Auferstehung und unsere neuen Hüllen waren wunderbare Geschenke des Osiris, die man nicht auf diese Weise besudeln sollte.
Erst als Samu mit hoher Geschwindigkeit mehrere Gläser Wodka in sich hinein schüttete, wurde Annuk, die eigentlich Lenja hieß wie sie mir auf Drängen Samus mitteilte, darauf aufmerksam, das irgendetwas an Samus guter Laune nicht echt war.

Sie war nur gespielt, eigentlich ging es ihm ganz und gar nicht gut. Um ihn vor größerem Unheil zu bewahren, entwendete sie ihm die Flasche, und entsorgte sie samt einem der zwei Gläser die er zum trinken nutzte. Aber Samu schnappte sich gleich die Flasche aus meinem Hotelzimmer.
Was die wohl da verloren hatte? Bestellt hatte ich sicherlich keinen Wodka. Samu wurde mit jedem gesprochenen Wort agressiver und wütender, alle Versuche ihn zu beschwichtigen waren vergeblich.

Ich ließ meinen Blick kurz zu Lenja schwenken, durch ihren Versuch ihn vor dem Alkohol zu beschützen, zog sie einen Großteil der Agressionen auf sich. Ich wollte nicht, dass ihr etwas zustößt, dass die Szene hier ausartete und so verwies ich ihn meines Zimmers. Obwohl ich fürchtete, er würde einmal kräftig zulangen und dann wäre es das mit mir, zeigte meine feste Stimme Wirkung. Missmutig zog sich Samu zurück.

Ich zögerte einen Moment, überlegte ob ich Lenja mitnehmen sollte. Eigentlich hätte ich sie gerne dabei gehabt, sie kannte Samu viel besser als ich, hatten zusammen mehr durchgemacht, als mit mir. Dann ging ich aber doch alleine und sie blieb im Zimmer zurück. Hoffentlich war sie schlau genug das Gehirn in Ruhe zu lassen. Ich woltle nicht verantworten, was mit ihr geschehen würde, sollte sie einen Blick riskieren.

Schnellen Schrittes ging ich den Weg zu Samus Zimmer ab. Ich hatte Glück, er war nirgedswo anders hingegangen, hatte das Hotel nicht verlassen. Den Geräuschen nach war er gerade dabei, sein Zimmer auseinander zu nehmen. Naja, 4 Sterne hatte es sowieso nicht verdient, der Menschheit ging durch sein Wüten nichts verloren. Es gab noch genug Kopien dieses Raumes überall im Hotel.
Ich hatte noch deutlich vor Augen wie ich meinen Zorn und meine Wut damals an meinen Büchern und meiner Einrichtung ausgelassen hatte. Ich würde ihn jetzt nicht stören, die Gefühle mussten raus und weg. Leider würden sie die völlig falsche Essenz erzeugen, er sollte heute Nacht nicht hier schlafen, hoffentlich folgten die Geister die sein Wutausbruch erzeugte ihm nicht?

Als es leiser wurde, klopfte ich und nannte meinen Namen. Erst zögerte er, dann ließ er mich ein. Mit diesem Anblick hatte ich definitiv nicht gerechnet. Das Zimmer sah aus, als hätte eine Bombe eingeschlagen. Ich sah nichts, was größer als meine Hand gewesen wäre, sogar in den Wänden fanden sich hier und da einige Löcher.
Ich redete ihm gut zu, versorgte seine blutigen Hände und war für ihn da, als er zusammenbrach.
Ich hielt einen schluchzenden Mann im Arm, der über den Tod seiner Frau trauerte. Sie hatte sich das Leben genommen während er auf der Hadsch gewesen war. Er dachte ich könnte ihn nicht verstehen.
Aber ich verstand ihn. Vor mir konnte ich Amani sehen. Wie sie ihre SMS tippte und ich niemals mehr antwortete. Zuvor hatte ich jeden Tag, dann jede Woche geschrieben und dann nichts mehr. Zwei Monate.
Ich verstand ihn nur zu gut. Es konnte keine größere Qual auf der Welt geben. Keine.

Stunden später ging es ihm besser. Ob ich an nur einem Abend in der Lage gewesen wäre mich wieder zu beruhigen? Ich kann es nicht sagen, vermutlich nicht. Also begeben wir uns wieder zurück nach oben, in mein Zimmer, zu Lenja.
Sie schien es mir ziemlich übel genommen zu haben, dass ich sie einfach hier stehen lies. Kaum waren wir hier, wollte sie auch schon nach Hause gehen. Ich versuchte per Blick herauszufinden, wie sicher Helsinki bei Nacht wohl war? In Misr wäre es unmöglich gewesen.
Mein schlechtes Gewissen ihr gegenüber zwang mich dazu sie zu begleiten. Sie wollte nicht hier im Hotel neben Samu auf dem Doppelbett schlafen, ich hätte auch den Boden genommen.

Halbherzig versuchte sie mich abzuhängen und führte mich dabei in den Hafen. Einen schönen Ausblick hatte sie hier, fast wie meine Brücke in Gizerah. Eigentlich um ein vielfaches besser, die Schiffe, die Lichter, der Palast. Atemberaubend.
Aber weiter half uns das nicht. Ich wusste einfach nicht, was ich sagen sollte.
Und dann klingelte mein Handy, Naranj rief an um mir ihre ominöse SMS zu erklären. Danach war alles anders.
Amani hatte in zwei Wochen einen OP Termin, dessen Auslöser geheim gehalten worden war und sie woltle von mri wissen, ob ich eine Idee hätte.
Natürlich hatte ich keine, woher sollte ich wissen, was Amani in einem aseptischen OP verloren hatte. Und das erst in zwei Wochen äußerst merkwürdig.
Verwirrt und mit einem Chaos sich im Kreis drehender Gedanken im Kopf legte ich auf. Lenja war schon ein gutes Stück weit weg. Aber ich wollte mich wenigstens noch verabschieden.

Statt dessen versuchten wir uns gemeinsam einen Reim auf mein Telefonat mit Naranj zu machen. Vielleicht war sie doch nicht sauer auf mich? Sie hatte viele Ideen, aber sie kannte mich nicht, kannte Amani nicht und so musste ich die meisten leider verwerfen.
Aber sie half mir etwas Struktur in den wirbelnden Strudel meiner Gedanken zu bringen. Nach einem weiteren Gespräch mit Naranj, trennten sich unsere Wege dann doch. Es war schon spät, ich hatte morgen einen Termin und musste ins Bett.
Lenja bekam ihren Willen und ging allein nach Hause. Ich glaub es hätte ihr gut getan, wenn sie mich hätte für sich da sein lassen. Niemand sollte so allein sein wie sie.
Wenn man nach Hause kam, sollte immer jemand da sein, der sich freute, dass man auf der Welt war.

Vor dem Schlafen gehen schrieb ich Amani noch eine SMS und bekam direkt eine Antwort? Was war denn da los?
Sie hatte keinen OP-Termin, zumindest keinen von dem sie wusste. Diese Information beruhigte mich nicht wirklich und brachte auch kaum mehr Ordnung in das Chaos aus Gedanken um Naranjs Informationen.
Warum konnte sie überhaupt schreiben, um diese Uhrzeit. Ich meine, ich war glücklich von ihr zu hören, aber irgend etwas war da nicht richtig.

Zaid hatte sie eingesperrt, im Schlafzimmer. Also war sie doch nur sein Zuchtkamel um seine abartigen Gene in die nächste Generation weiter zutragen. Sie hatte sich einem Freund von Zaid, der zu Besuch war, gegenüber gastfreundlich und nett benommen. Und gleich wurde ihr wieder lasterhaftes Verhalten unterstellt.
Ich wünschte ich hätte ein Messer gehabt, ich wünschte Kamal wäre tot und hätte dieses Wort niemals in den Mund genommen. Dieses eine verdammungswürdige Wort. Amani hatte es nicht verdient, niemals.

Ein dunkler Gedanke keimte in mir auf. Was wenn auch ich sie einsperrte? Wenn meine Erwartungen an sie, meine Liebe zu ihr sie nur in einen weiteren Käfig sperrte? Das wollte ich nicht. Also fragte ich sie, ob sie überhaupt mit mir fliehen wollte.

Aber sie würde mit mir kommen. Wenn ich es irgendwie schaffen konnte sie aus den Fängen Zaids und aus den Fängen meiner Familie zu befreien würde sie mit mir kommen. Egal wohin. Hauptsache Amani, die Kinder und ich waren zusammen.

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GMDW – Die Heimat und Die Fremde

TS-Runde Donnerstag 29.10.11
Erzähler: Clawdeen
Spieler: Aako, Lenja, Melekh, Samu kam etwas später dazu und Maarit fehlte

20.10.11 Nachmittag
Seit einigen Stunden saß ich jetzt untätig am Flughafen herum. Seit meiner Ankunft war ich fleißig gewesen, hatte meinen Rucksack und meine Taschen um einige Gegenstände ergänzt, die ich zusätzlich zu den Gaben, die ich von Naranj erhalten hatte, benötigen würde. Ich musste noch immer lächeln, wenn ich an meine drei Gefäße hinten im Rucksack dachte; sie hatten die Form alter Götterstatuen und waren eigens für mich angefertigt worden. Ein Geschenk für meine angenehme Gesellschaft in der Oase. Am wichtigsten waren aber eigentlich die Thermounterwäsche und Unterzieher, ohne sie würde ich einen Aufenthalt in Helsinki wohl kaum überleben.
Es hatte mich einiges an Aufwand gekostet, so kurzfristig entsprechende Kleidung aufzutreiben in einer Stadt, in der es eigentlich niemals wirklich kalt wurde.
Plötzlich stand eine junge Frau vor mir, ich war nicht einmal sicher, ob das Wort schon angebracht war, vielleicht müsste man noch Mädchen sagen?
Sie hatte rote lange Haare, lächelte seltsam und war irgendwie falsch gekleidet.
Kaum sah ich zu ihr hoch, begann sie schon irgendetwas zu brabbeln. In einer Sprache, die ich nicht verstand.
Sie hörte sich eigentlich ganz nett an, aber sie hätte alles sagen können und ich hätte es nicht gemerkt.
Was war das überhaupt für eine Art, jemanden auf einem internationalen Flughafen in so einer seltsamen Sprache anzusprechen?
Es durfte doch ziemlich offensichtlich sein, dass ich Arabisch sprach und dazu vermutlich Englisch oder Französisch.
Da hier nun aber die Briten stationiert waren und Napoleon den Pyramiden nur einen kurzen Besuch abgestattet hatte, wäre Englisch angebracht gewesen und nicht dieses Gebrabbel.
Ich teilte ihr mit, dass sie bitte Englisch sprechen möge, was sie in Ratlosigkeit versetzte. Sie sah sich zu ihren Begleitern um:
Einer streng drein blickende, blonde Frau, die sich lieber ihrem Handy widmete als unserer Begegnung, einem schweigsamen Mann, der sich später als Samu vorstellte und ein freundlicher älterer Herr, der wenige Minuten später eintraf, aber offensichtlich mit den dreien befreundet war.
Mir kam ein Geistesblitz und ich erwähnte Helsinki.
Das kannten sie zumindest. Mir kam die Vermutung, dass es sich bei diesen Abendländern wohl um die Gruppe von Aminte handeln könnte, von der man mir erzählt hatte. Wenn sie erst vor kurzem auferstanden waren, war es nur logisch, dass sie von ihrer Hadsch noch nicht nach Hause zurückgekehrt waren.
Aber wir alle sollten hier auf den gleichen Flieger warten? Zufälle und so.
Ich versuchte ihnen auf unauffällige Weise mitzuteilen, dass ich wie sie Aminte war. Aber die sprachlichen Barrieren und Samu als Übersetzer führten dazu, dass wir uns nicht richtig verstanden. Also riskierte ich mein Glück und grüßte sie in der Sprache, die sie verstehen mussten, in der Sprache unserer Tem-Akh.
Ich hatte recht, sie verstanden meinen Gruß auf altägyptisch, aber sie merkten nicht, in welcher Sprache ich mit ihnen gesprochen hatte.
Auch mit meinen Worten „Sonne sieht euch“ konnten sie wenig anfangen, nur der ältere Herr erwiderte etwas, auf Finnisch wie ich vermutete.
Einfach prima, diese Aminte. Wie konnte man nur kein Englisch sprechen, also bitte!
Trotzdem vermuteten wohl auch sie, dass ich nicht einfach irgendein seltsamer Vogel war und so zogen wir uns an einen etwas stilleren Ort zurück, um ungestörter zu reden. Still bedeutete in unserem Falle auch erbärmlich stinkend, denn wir mussten uns in der Nähe der Toiletten aufhalten, um ungestört zu sein. Abartig.
Dort stellte sich das rothaarige Mädchen als Annuk vor und bei dem Herrn handelte es sich um Alpi, klangen irgendwie nach Inuit, diese Leute. Bei der strengen Blonden handelte es sich wohl um eine gewisse Maarit, wohl kein Eskimo.
Ich erklärte ihnen, dass ich sie vielleicht suchte, weil ich die Hilfe anderer Aminte benötigte, aber sie waren noch immer sehr skeptisch.
Offensichtlich hatten sie schlechte Erfahrung mit einer Firma namens Assuat gemacht, schon wieder einer dieser Sprachfehler. Aber außer dem Staudamm wollten weder mir noch meinem Smartphone samt Google keine anderen Träger dieses Namens einfallen, was sie etwas beruhigte.
Als wir dann in den Flieger stiegen hatten wir auch noch Sitzplätze, die ziemlich nah beieinander lagen. Ob hier wohl Naranjs Computerzauberkräfte am Werk gewesen waren? Ich war ziemlich erschöpft, eine lange Autofahrt, Notfallshoppen, ewige Wartezeit und jetzt noch ein achtstündiger Flug, da wurde es eng, selbst mit meiner neu gewonnenen Konstitution. Ich schnappte mir meinen MP3-Player, achtete darauf, dass auch ja der Kühlbox nichts geschah und schon war ich eingeschlafen.

21.10.11 Nacht
Um 1 Uhr nachts kamen wir in Helsinki an. Meine warmen Klamotten befanden sich in meinem Rucksack, aber ich konnte nicht riskieren mich jetzt umzuziehen, sonst hätte ich Alpi, Annuk und Samu aus den Augen verloren. Daher musste ich leider bis auf die Knochen frieren.
Welcher Wahnsinn hatte nur jemals Menschen dazu verleitet sich hier niederzulassen? Mir gefiel es definitiv besser daheim.
Ich erkundigte mich bei meinen lieben mitreisenden Aminte, wo ich denn heute Nacht unterkommen könnte und Annuk empfahl mir ein seltsam preisgünstiges 4-Sterne Hotel, das Radisson Seaside. Mit diversen Infoflyern und der Hilfe eines Fahrkartenautomaten, der glücklicherweise Englisch verstand, fand ich meinen Weg in das Hotel.
Schneller Check-In, ab ins Zimmer und dann duschte ich erst einmal gründlich und verdammt heiß. Am Ende hätte man mich sicher essen können, aber wenigstens waren alle meine Knochen wieder aufgetaut.
Ich schätzte noch kurz ab, wann die Sonne morgens aufgehen würde und stellte mir den Wecker entsprechend.

21.10.11 Morgen
Am nächsten Morgen richtete ich meinen Gebetsteppich zur Sonne aus, stellte meine Gefäße auf und begann mein morgendliches Gebet. Seit meiner Wiedergeburt betete ich jeden Morgen zu den Äonen aus Het-ka-Ptah. Und jeden Morgen spürte ich zur Antwort den Hauch des Ra, wie wir Aminte das Gefühl nannten, wenn die ersten Sonnenstrahlen unsere Lebenskraft, Sekhem genannt, erfrischten. Man muss sich dieses Gefühl in etwa so verstellen, wie wenn man nach einer erholsamen Nacht absolut ausgeschlafen, geduscht und mit dem Lieblingsfrühstück im Bauch voller Tatendrang aufwachte.
Nur leider schien Ra nicht auf dieses Land hier zu blicken, denn ich konnte seinen Hauch nicht spüren. Noch ein weiterer Grund so schnell wie möglich alles zu erledigen, was ich hier vor hatte, um dann woanders hinzugehen.
Außer natürlich, hier würde mein Zuschlupf sein. Dann würde ich für immer hier bleiben.
Ich verschickte diverse SMS und Emails; für einen guten Start in das dritte Leben galt es einiges zu organisieren. Ob man das in einer Telefonwerbung verwenden konnte?
Im Hotel gab es äußerst seltsames Frühstück, ich aß ein bisschen hiervon und etwas mehr davon, bevor ich mich dann auf den Weg in die Kauppahalli machte.
Bei der Kaupahalli handelte es sich um einen Suq in einem alten Gebäude, nicht weit von meinem Hotel entfernt. Mir gefiel die Architektur und auch ein Großteil der feilgebotenen Waren. Nichts arabisches, aber es machte einen sehr finnischen Eindruck. Besonders das Rentierfleisch und die Schnitzereien überzeugten mich. Ich schätzte es, wenn die Menschen stolz auf ihre Herkunft waren und die Kultur ihres Landes hoch hielten.
Ich hatte aber auch gelesen, dass alles hier etwas teurer sein sollte als anderswo. Die Touristen zahlten so oder so, wenn sie erst mal hier waren. Also verzichtete ich darauf, mir etwas zu kaufen, vielleicht würde sich später noch woanders die Gelegenheit dazu bieten.
Stattdessen machte ich mich auf die Suche nach Stand 47, dort würde ich einen Nicholai Voskow finden, der mich dann mit den Neu-Wiedergeborenen in Verbindung bringen würde. So lautete zumindest Naranjs Plan.
Voskov war ein beleibter Krämer, der Wert auf theatralische Auftritte und klischeehafte Kostüme zu legen schien. Ich hatte gerade eine Übereinkunft mit ihm erreicht und mich umgedreht, um meinen Gedanken nachzugehen, als mich irgend jemand an der Brust anstieß.
Annuk, das lustige rothaarige Mädchen, stieß mir einen Räucherfisch auf mein Kameez. Eigentlich hatte ich vorgehabt unser erneutes Zusammentreffen mit einem „Es gibt keine Zufälle“ zu kommentieren, aber der Fisch brachte mich aus dem Gleichgewicht.
Ich zückte sofort ein Taschentuch, während Annuk sich entschuldigte und die drei, denn auch Alpi und Samu tauchten auf, ein Gespräch mit Voskow begannen. Samu war wieder so freundlich für mich zu übersetzen.
Die drei wollten Gefäße haben, um hier besser überleben zu können. Ich verstand das nicht ganz, wie sollten ihnen hier Gefäße helfen, wenn der große Ra uns nicht einmal mit seinem Atem bedachte, in diesem im wahrsten Sinne des Wortes gottverlassenem Land? Naja, wenn es sie glücklich machte, sollten sie sich ihre Gefäße besorgen. Vielleicht würden sie meine Hilfe zur Kenntnis nehmen und dann eher geneigt sein, mir bei dem zu helfen weswegen ich hergekommen war. Uganda würde sich irgendwann schon vor der Macht geballter Wissenschaft und okkulter Literatur ergeben. Ich war zwar auch hier um Dokter Alefuzoff zu treffen, aber mein Hauptaugenmerk richtete ich bereits auf etwas anderes.
Auf Amani. Ich brauchte dringend Hilfe, denn ich hatte keine Ahnung wie ich sie aus Khem heraus schaffen sollte, ob sie überhaupt woanders hin sollte und was danach käme. Fragen über Fragen die ich nicht beantworten konnte.
Als sich nun herausstellte, dass es wirklich keine Zufälle gab und ich sie suchte, überreichte ich jedem eine kleine Schachtel mit Gebäck und kleinen Hathor-Ushebti. Eigentlich hatte ich selber welche schnitzen wollen, aber Naranjs Fahrstil war zu wild gewesen und so hatte ich sie in einem Souvenirshop erworben.
Verdammt, immer noch keine SMS. Ohne ihre Einwilligung brauchte ich mir gar keine weiteren Gedanken machen, konnte keinen nach Hilfe fragen.
Voskow wollte erst um 18 Uhr mit den anderen über genaueres sprechen, jetzt hatte er zu viele Kunden und seine Worte waren nicht für alle Ohren bestimmt.
Also gingen wir zunächst in ein Café, wo wir vier uns unterhalten wollten, bevor wir dann genauere Infos bekommen sollten, was die Gefäße anging.
Der Kellner wusste nicht einmal, was Kardamon war, als ich meinen Kaffee bestellte, sehr bedauerlich. Also wich ich auf Pfefferminztee aus. Ich berichtete den anderen von Uganda, und dass ich hoffte, sie beherrschten vielleicht Hekau, mit denen wir dort weiterkämen.
Endlich, nachdem ich alle fünf Minuten mein Handy auf SMS überprüft hatte, bekam ich eine von Amani. Telefonieren, heute Abend um 20 Uhr. Sie hatte mein Flehen erhört.
Wieder einmal enttäuschten die anderen mich, sie waren sehr zögerlich und zurückhaltend. Noch vor wenigen Stunden hatte ich mich für meine Tit-for-Tat Gedanken geschämt. Aber diesen skandinavischen Mumien fehlte definitiv die freundliche Offenheit, mit der Naranj mir begegnet war und mit der ich anderen Menschen, ja, anderen Wesen begegnen wollte. Hoffentlich würde ich mit der Geschichte von meiner Schwester mehr Erfolg bei ihnen haben als mit den Kindern aus Uganda.
Samu und ich bemerkten draußen auf der Straße einen seltsam torkelnden Mann. Überall am Körper hatte er merkwürdige Wunden. Ich eilte, gefolgt von Samu und schließlich den anderen, hinaus und versuchte dem Verletzten zu helfen, aber kaum, dass wir ankamen, war er schon tot. Wenige Momente später traf der Krankenwagen ein, den Annuk gerufen hatte.
Als ich sah, wie sie die Leiche abtransportierten, nämlich in Kitteln und ausgestattet mit Handschuhen sowie Mund-/Nasenschutz, wurde mir etwas schwummerig. In meinem Bestreben zu helfen hatte ich eine einfache Grundregel vergessen und keine Handschuhe getragen. Entsetzt musste ich an Uganda denken und daran, dass ich noch immer nicht wusste, wie ich mich dort angesteckt hatte. Schnell die Hände waschen. Samu schien ähnliches zu denken, auch wenn er seine Hände wohl am liebsten mit einer Maschine abgeschmirgelt hätte statt sie nur zu waschen.
Dann war es auch schon fast 18 Uhr und wir machten uns auf den Weg zurück zur Kauppahalli. Die meisten Geschäfte hatten schon geschlossen, die Stände waren abgebaut, aber Voskow erwartete uns. Er hatte das Foto eines seltsamen Spielzeugs dabei, einem Blechaffen auf einem Mofa, mit – wie Voskow uns erklärte, einem abnehmbare – Hut. Dieser Hut war ihm besonders wichtig, aber er wollte einfach nicht herausrücken, was es mit dem Affen auf sich hatte. Und das, nachdem er schon mein Willkommensgeschenk so überaus skeptisch beäugt hatte. Ein sehr seltsamer Mann. Irgendwann gab ich auf, ich wollte den anderen nicht ihren Gefäßhandel zerstören, aber ich würde schon dafür sorgen, dass niemand wegen eines Blechaffen zu Schaden käme. Auch den anderen kam sein Verhalten seltsam vor, aber wie ich wollten sie erst versuchen den Affen zu finden, bevor weiteres geplant wurde. Noch während unserer anschließenden Missionsbesprechung klingelte der Wecker meines Handys. 19.45 Uhr, es war Zeit für mein Telefonat mit Amani.
Es tat gut, nach sooo langer Zeit endlich wieder ihre Stimme zu hören. Allerdings konnte ich sie kaum zu Wort kommen lassen, denn es gab so ungeheuer viel, was ich ihr sagen wollte und sie hatte nur wenig Zeit. „Amani, ich … ich habe mich verändert. Ich bin jetzt mehr so, wie du mich an unserem letzten Abend gesehen hast. Ich … ich wollte mich dafür entschuldigen, … um Verzeihung bitten … dafür, dass ich dein Leben zerstört habe.“
Sie war verwirrt, natürlich verwirrte ich sie, und meinte, ich bräuchte mich für nichts entschuldigen.
Ich offenbarte ihr, dass ich ihr schon vor Ewigkeiten mein Herz geschenkt hatte und es niemals wieder haben wollte. Endlich hatte ich ausgesprochen, was bis jetzt nur in meinen Augen sichtbar gewesen war. Ich flehte sie an mit mir fortzugehen. Ich wollte, dass sie und ihre Kinder Ägypten verließen, um uns aus der Reichweite unserer Familie zu begeben. Wir würden uns ein Leben woanders aufbauen, egal wo. Es war nur wichtig, dass wir zusammen waren und niemand uns bedrohte. Alles was ich hatte, was ich jemals haben würde, alles was ich geben konnte versprach ich ihr, würde ich geben, um den Kindern und ihr ein neues Leben zu ermöglichen.
Aber ich musste sie auch warnen und ich glaube, meine Warnungen verwirrten sie am meisten.
Ich würde anderes haben, um das ich mich kümmern musste, es würde andere Menschen geben, die meiner Hilfe bedurften, weswegen ich nicht immer uneingeschränkt für sie da sein könnte. Aber das kümmerte sie nicht. Wir hatten uns in den letzten zwei Jahren nur zwei Tage lang gesehen, hielt sie fest. Wen kümmerte es da schon wenn ich nicht immer da war, Hauptsache, ich war überhaupt da, und zwar öfter als an einem Tag im Jahr. Nun, mir selbst schwebte eine um ein vielfaches größere Zahl vor Augen.
Aber mein größter Einwand sollte erst noch kommen. Ich konnte ihn jetzt noch nicht richtig erklären, schon gar nicht am Telefon, ohne dass sie mich sah. Hätte ich jetzt von Ifriti und Menschenfressern angefangen, von Ghulen, die Blut tranken und alle gemeinsam dem großen Verderber dienten, sie hätte niemals ja gesagt.
Also umschrieb ich es, so gut ich konnte. Ich erklärte ihr, dass es Leute gab, die vom Leid anderer profitierten, Leute, für die dieses Leid überlebenswichtig war. Diesen Leuten würde es nicht gefallen, dass ich vor hatte, Leid zu mindern und den Menschen zu helfen. Sie würden mir Böses wollen und dadurch, dass es nichts auf der Welt gab, was mir wichtiger war als Amani, Wakur, Aneesh und Rasir brächte ich auch sie in Gefahr. Um mich zu treffen, könnte man ihnen schaden.
Wir konnten nicht besonders lange darüber sprechen, sie musste bald aufhören, durfte nicht erwischt werden.
Und so sprach ich Worte aus, die ich ein Jahrzehnt mit mir herumgetragen hatte. Worte, die mir seit einem Jahrzehnt das Leben schwer machten.
Worte die mich gefangen gehalten hatten, aber als ich sie flüsterte:
„Amani, ich liebe dich!“, herrschte einen Moment lang Stille, bevor sie flüsternd antwortete:
„Und ich liebe dich.“
In diesem Moment war mir, als würde ich empor schweben auf die Barke der Millionen, die Sonnenbarke, emporschweben in den Himmel. Da sie sich aber gerade in den zwölf Stunden der Nacht befand und ich nicht die geringste Absicht hatte mich in Kämpfe mit grauenvollen Ifriti zu stürzen, ging ich lieber vor Freude strahlend zu den anderen zurück.

Sie unterhielten sich noch immer über die beste Möglichkeit an einen Blechaffen zu kommen, von dem niemand wusste, wo er war. Annuk wollte ihn erst mal finden und dann schauen, während Alpi schon vorschlug, eine Replik anzufertigen, falls man das Original nicht erreichen könne.

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Mummy: Prelude, Part III

Als Aminte Wiedergeboren

Als ich erwachte, ging es mir besser. Ich fühlte mich leicht, beschwingt und sah mich zunächst erst einmal um. Bei meinem eigenen Anblick erschrak ich, denn ich lag noch immer in einem völlig zerwühlten Bett. Ich sah noch einmal an mir herunter. Kein Zweifel, hier stand ich und sah mir beim Schlafen zu.
Eine außerkörperliche Erfahrung, die ich vielleicht in meinem Buch über ägyptische Mythologie verwenden könnte. Schlief ich wirklich? Irgend etwas stimmte hier nicht. Ich erinnerte mich wieder, mir war komisch gewesen. Es war schwieriger gewesen zu duschen und danach ins Bett zu gelangen, als es hätte seien sollen. Motorische Probleme. Probleme mit dem Nervensystem.
Flüssige Gehirne.

Bevor ich untersuchen konnte ob ich noch atmete und schlief oder doch schon tot war, bemerkte ich sie. Eine beeindruckende Frau, die mit mir im Zimmer stand und mich anstarrte.
Sie war halb nackt, trug Kleidung und Schmuck einer Königin, nein, einer Pharaonin und übertraf dabei alle Schauspielerinnen, die jemals eine Pharaonin dargestellt hatten.
Ich sei tot, sagte sie mir. Tot. Gestorben. Fassungslos blickte ich sie an, blickte meinen Leichnam an. Natürlich, tot, flüssiges Gehirn.
Ich faselte etwas davon, dass es so nicht sein durfte. Ich hatte gewartet auf den Tod, war darauf eingestellt gewesen zu sterben. Jeden Tag hatte ich mit dem Tod gerechnet und dabei völlig außer acht gelassen, dass Zaid irgendwo stationiert war und erst in ein paar Wochen von der Geschichte erfahren würde.

Alles war umsonst gewesen.
Aber Bint-Anat bot mir an, mir zu helfen, mich zu unterstützen, gemeinsam alles in Ordnung zu bringen. Mit Tränen in den Augen wendete ich mich ab von meinem Leichnam, kehrte meinem alten Ich den Rücken zu.
Schluchzend brach ich vor der Pharaonin zusammen. Alles war zwecklos gewesen, ich war tot und ich hatte Amani nicht aus der Knechtschaft befreit.
Ich streckte die Hände nach ihr aus wie ein Bettler, der um sein Leben flehte und brachte noch immer schluchzend hervor, dass ich auf ihr Angebot eingehen würde, dass ich in Ordnung bringen wollte, was geschehen war. Wie ein Ertrinkender an einen Rettungsring klammerte ich mich an ihre Knöchel und flehte sie um Erlösung an.

Sie erhörte mich, nur dafür war sie schließlich hier, um mich zu erlösen von, ja, wovon eigentlich? Ich schätze, von mir selbst.
Sie beugte sich zu mir herunter und umarmte mich und dann durchfuhren mich unsagbare Schmerzen. Tausende von Messern bohrten sich von allen Seiten in mich, jede einzelne meiner Zellen wurde zerschnitten und schrie auf vor Agonie.
Mir fehlen die Worte, um die Schmerzen der Vereinigung angemessen zu beschreiben, denn es waren keine Schmerzen des Fleisches ausgelöst durch Transmitter und Nerven. Es waren Schmerzen der Seele, losgelöst von allem Stofflichen, pure, wahre Schmerzen.

Dann war es, als ob ich auf die Rückbank gedrängt wurde. Ich spürte, wie sie versuchte mir mitzuteilen, dass ich mich nicht wehren sollte, es einfach geschehen zu lassen. Es würde nicht für immer so bleiben. Ich würde nicht für immer auf der Rückbank meines Körpers sitzen und mich wankend mit flüssigem Gehirn schlurfend vorwärts bewegen.
Bevor sie den Raum verlassen konnte versuchte ich ihr mitzuteilen, wie sie sich um meine Sachen kümmern musste, mein Reisegepäck und die Gehirnproben aus Uganda, aber sie schien mich nicht recht zu verstehen und nahm einfach alles mit.

Mir wurde schwarz vor Augen und ich verlor das Bewusstsein. Nur ab und an konnte ich aus meinem Körper hinaus spähen. Wir waren in der Wüste, wanderten durch die Dünen, durch den Sand.
Der Sand war überall, unter meiner Kleidung, in meinen Schuhen, in den Haaren und in jeder anderen Öffnung meines Körpers.

Immer noch Wüste, soweit das Auge reichte. Meine Kleidung hing in Fetzen, meine Haut und mein Fleisch auch. Dem Gepäck ging es nur unwesentlich besser.

Wir erreichten ein Dorf mitten in der Wüste. Wie konnten hier nur Menschen überleben? Der Sand musste sie doch alle umbringen, so wie er mich umgebracht hätte, wäre ich nicht bereits tot gewesen.
Eine kleine Oase, Pflanzen, Grün und Blau inmitten eines Meeres aus Gelb und Braun.
Die eine Hälfte der Häuser war zerstört, geschmolzen. Welche Kraft auf dieser Welt konnte Häuser aus Stein zum Schmelzen bringen?

Dann sah ich einen kleinen Tempel. Ich brauchte einen Moment, bis ich ihn erkannte, ein Tempel des Ammun, der versteckten Macht. Vor dem Tempel arbeitete eine junge Frau, sie kümmerte sich um die Blumen. Als sie mich erspähte, geriet sie nicht etwa in Panik ob des wankenden Leichnams, der ihr entgegen schlurfte. Nein, sie schien sich zu freuen und mir entgegen zu eilen.
Wir gingen hinab und betraten einen Tempel. Er war nicht groß, aber es waren einige Menschen dort, fleißig etwas vorbereitend. Wie die Ameisen gingen sie pflichtbewusst ihrer Aufgabe nach.
Offenbar hatte man uns schon erwartet. Man geleitete uns auf einen Altar, wusch uns, säuberte uns und ölte uns ein. Schließlich wurden wir mumifiziert, naja, zumindest in für den Lebenszauber angemessene Bandagen gewickelt.

Bint-Aat führte mich in eine gewaltige Halle. Mir fiel auf, dass ihre Gestalt jetzt nicht mehr so viel Substanz hatte wie bei unserer ersten Begegnung. Sie war durchscheinend, transparent, so wie man sich gemeinhin einen Dschinn oder Geist vorstellte. Der Weg hierher war lang und beschwerlich gewesen, aber die Pharaonin war eine erstaunlich gute Führerin. Ich sollte später herausfinden, dass sie eine wahre Koryphäe war, was die Welt hinter dem Leichentuch anging.

Rund um diese Halle herum saßen 42 Richter, ich musste sie nicht zählen, ich wusste einfach, dass es 42 waren. Welch eine seltsame Zahl. Irgendetwas war mit dieser Zahl, ich kannte sie. Ja, richtig, das Buch des Thoth, in dem alles Wissen der Welt niedergeschrieben stand, bestand aus 42 Schriftrollen.
Es gibt keine Zufälle.

Anubis stand dort und forderte uns auf zu bestätigen, warum wir hier seien. Bint-Anat ergriff das Wort. Dann war ich an der Reihe.
„Ich bin Melekh. Ich bin hier, um den Lebenszauber zu empfangen, um gemeinsam mit Bint-Anat Dinge wieder in Ordnung zu bringen.“ Ich wusste nicht, was ich sonst hätte sagen sollen.
Sie würde mir helfen, Amani zu retten und den Phänomenen in Uganda auf die Schliche zu kommen, und ich würde dafür mich dafür im Ausgleich um andere Probleme kümmern. Ich wusste nicht genau, was sie vor hatte, was gemeint war. Vermutlich ähnliche Probleme wie die meinen, nur älter.
Offenbar hatte ich das Richtige gesagt. Zuerst wurde eine weiße Feder gewogen, dann musste ich mich auf eine Digitalwage stellen. Bitte. Anubis mit einer Digitalwage? Dass ich nicht lache. Welch schlechter Scherz.

Auch um mich herum lachte niemand, sie waren alle mit Ernst bei der Sache. Als er auch nach meinem Zögern nicht die Seelenwage hervor holte, gab ich nach und stellte mich auf seine Digitalwage. Einfach lächerlich, ein Gott mit einer Digitalwage. Das würde ich niemals in meinem Buch erwähnen, oder vielleicht doch?

Es dauerte eine Weile und dann spuckte die Wage einen endlos langen Bon aus. Wie an einer Kasse im Supermarkt, wenn man zu viel eingekauft hatte. Offensichtlich stand nicht nur das Gewicht meines Herzens auf diesem Bon, sondern mein ganzes Leben. Alles was ich getan und gedacht hatte und vieles, was ich versäumt hatte zu denken oder zu tun.
Dann begann die Diskussion. Endlos lange diskutierten die 42 über meine Taten und darüber, was ich hätte tun können, bis sie zu ihrem Entschluss gelangten.
Ich war würdig, nein, wir waren würdig.

Erneut Schmerzen. Schlimmer noch als bei ihrer ersten Umarmung. Ich war mir nicht darüber im Klaren gewesen, dass dies überhaupt möglich war.
Jetzt würde ich sterben, denn ich sah, wie mein ganzes Leben an mir vorüber zog. Uganda, das Cleopatras, der Abend mit Amani, einfach alles und in verkehrter Reihenfolge.
Je näher wir meiner Geburt kamen, umso gefasster machte ich mich auf das Ende. Die Fresserin würde mich verschlingen, ich war doch nur Futter für Amut.

War ich doch nicht würdig gewesen, reichte Bint-Anat nicht aus, um meine Fehlerhaftigkeit aufzuwiegen?
Dann begann ihr Leben. Sie war eine mächtige, einflussreiche Frau und später auch Pharaonin gewesen. Wir beide waren uns gleicher, als ich erwartet hatte. Auch sie blickte auf eine Liebesgeschichte zurück, die in der heutigen Zeit mehr als nur gehobene Augenbrauen zur Folge hätte. Darum also war sie zu mir gekommen. Wir waren einander ähnlich. Durch ihr Leben lernte ich, dass an meinen Gefühlen für Amani nichts Verwerfliches war.

Gemeinsam würden wir dafür kämpfen, sie von Zaid und dem Rest meiner Familie zu befreien.
Und dann würden wir uns gemeinsam ein neues Leben aufbauen. Ein Leben, in dem wir anderen Menschen helfen würden, die ihr Leben nicht in Freiheit, nicht selbstbestimmt, leben durften.
Dann erwachte ich. Nur ich. Bint-Anat und ich waren nicht mehr wir, nicht mehr zwei, die sich meinen Körper teilten. Wir waren jetzt eins, sie war ein Teil von mir geworden, so wie mein Herz oder mein Gewissen ein Teil von mir war.

Seitdem bin ich nicht mehr Melekh ibn Metschetschi, seit ich erwachte, bin ich Melekh Bint-Anat.
Aber zunächst war ich eine Mumie. Immer noch in Bandagen gehüllt, unfähig mich zu bewegen.
Meine Bemühungen irgendetwas zu tun, die Welt wahrzunehmen, zogen die Aufmerksamkeit der Gärtnerin auf sich. Sie trat an meine Seite und half mir die Bandagen zu entfernen.
Es war berauschend. Mit jedem Quadratzentimeter Haut, den wir freilegten, konnte ich mehr von der Welt um mich herum wahrnehmen.

Der herzhafte Duft von Kräutern und Ölen umgab mich und wurde immer intensiver. Mir entging kein Luftzug und war er noch so schwach, sofort stellten sich einige Härchen auf und wurden zu einer Gänsehaut, die mir Kühlung in der sengend heißen Wüstenluft versprach.
Dann endlich war ich befreit. Nicht nur von den Bandagen, mit jedem Fetzen, den wir entfernt hatten, hatten wir ein Stück meiner alten Unentschlossenheit entfernt. Ich wusste jetzt genau, was ich tun wollte, was ich tun musste. Die Zeit, das Leben so hinzunehmen wie es andere formten, war vorbei. Dies hier war mein Leben und ich war frei es mir zu nehmen und es so zu leben, wie ich es schon all die Jahre hätte leben sollen. Wie ich es mir all die Jahre gewünscht hatte.

Nackt saß ich inmitten eines riesigen Haufens aus Leinenfetzen, wie eine Libelle, die alte, abgestorbene Haut des Larvenzustandes hinter sich lassend, um einem neuen Leben in den Lüften entgegen zu fliegen. Nur war ich wohl weniger räuberisch gewesen als eine Libellenlarve.
Ich sah auf zu der Gärtnerin, sie trug einen schlichten weißen Kaftan, nur gut, dass kein direktes Sonnenlicht auf sie fiel, es hätte mir das Augenlicht genommen.
Ihre Haut war fast ebenso weiß wie ihr Kaftan, nur ein Hauch von Bräunung unterschied die beiden Farben. Wie konnte man hier in der Wüste nur so weiß bleiben?

Hellblonde Haare reichten ihr bis zu den Schultern, stufig geschnitten und nicht gerade ordentlich frisiert. Haare von der Farbe reifen Weizens sah man nicht oft in Khem, aber noch während ich über ihre Haare nachdachte, wanderte meine Aufmerksamkeit weiter zu ihren überaus blauen Augen. Ich glaube, noch nie hatte ein Blick so sehr die Beschreibung wässrig verdient.

Dann versuchte ich zu sprechen, aber statt Sprache ertönten nur zombiehafte Stöhngeräusche, meinem gehirnlosen Zustand wesentlich angemessener als meiner neuen lebendigeren Form.
Sie schaltete und reichte mir ein Glas mit Wasser, aus dem ich schnell einen Schluck nahm.
Nur kurz die Lippen, den Gaumen, die Zunge befeuchten und dann schnell runter damit. Ich trank niemals Wasser, immer nur Tee. Es schmeckte so sehr nach nichts, dass ich es einfach nicht schlucken mochte. Dieses Wasser jedoch war ganz anders. Es war köstlicher, erfrischender als jedes andere Getränk, von dem ich jemals gekostet hatte. Man konnte schmecken, dass es dieses Wasser war, welches Leben spendete, welches eine grüne Oase in den Tiefen der Wüste überhaupt möglich machte.
Erstaunt sah ich zunächst das Wasser und dann meine Gönnerin an. Sie lächelte mich freundlich an, wissend. Sie wusste genau, was in diesem Moment in mir vorging.

Vielleicht aber auch nicht so genau, wie sie dachte. Ihre Wangen verfärbten sich und wurden rosa wie Pfirsichblüten, erst langsam und dann immer schneller. Offensichtlich war ihr aufgefallen, dass ich noch immer nackt war. Sie verfiel in hektische Aktivität, verschwand kurz und kehrte dann mit einem weißen Kaftan zurück, den ich mir überziehen konnte, damit sie mich nicht mehr sehen musste.
Dann ging alles sehr schnell, ich kann mich nicht mehr entsinnen, was in welcher Reihenfolge geschah, sie wollte mir irgendetwas erzählen, beibringen, erklären.
Vermutlich wusste sie nicht, wie umfassend Bint-Anats Wissen war, was die Welt hinter den Spiegeln anging und damit auch unser aller Feind, den Verderber, die Große Schlange.

Mich aber interessierte nur eines.
Amani.

Wieviel Zeit war vergangen? Ich musste es wissen.
2 Monate, ich war 2 Monate wie vom Erdboden verschluckt gewesen.
Dann kam es jetzt auch auf keinen weiteren Tag mehr an. Wenn die Welt sich zwei Monate ohne mich weitergedreht hatte, würde sie es sicher auch noch einige weitere Tage schaffen, in denen mir Naranj erklärte, was auch immer sie mir erklären wollte.

Aber sie hatte gesehen, dass es etwas gab, tief in meinem Inneren, das mir wichtiger war als alles sonst auf der Welt. Ich weiß nicht, ob die 42 Richter mit dieser Einstellung einverstanden gewesen wären. Aber sicherlich hatte es auf meinem Bon gestanden, vielleicht hatten sie sogar darüber diskutiert? Es war mein Bann. Im Moment konnte ich mir nichts vorstellen, was ich nicht für Amani getan hätte. Ein Schmunzeln breitete sich in meinem Gesicht aus, als ich an meine Selbstmordpläne denken musste. Traurig. Jetzt konnte ich so viel mehr unternehmen. Nein, jetzt würde ich endlich etwas unternehmen, die Fähigkeit dazu hatte ich schon immer gehabt.

Naranj meinte, ich solle mein Handy auf neue Nachrichten überprüfen, es wäre noch intakt.
Ich durchwühlte meine wenigen Habseligkeiten, förderte das Handy zu Tage. Es hatte tatsächlich noch Strom, es musste irgendwann ausgeschaltet worden sein.
So hektisch, dass ich die Tasten kaum zu treffen vermochte, öffnete ich das Mitteilungsverzeichnis und blickte auf fast ein Dutzend SMS meiner Schwester.

Ich begann mit der ältesten und arbeitete mich in chronologischer Reihen folge vor.

31.08: Z. kommt am 10.09 zurück

Sie wollte mich immer noch warnen. Aber ich war in Sicherheit um mich brauchte sie sihc keine Sorgen mehr zu machen. Ihr wohl war es, was mich bedrückte. Hoffentlich würde Zaid ihr nichts antun.

07.09: Noch 3 Tg. Sollte ich mich nicht nicht fürchten, wenn doch alles richtig ist?

Meine neugewonnene Freiheit entschwand wieder, genauso plötzlich wie ich von ihr gekostet hatte. Wenn alles richtig wäre, würdest du dich nicht fürchten. Dann wäre ich bei dir, würde die beistehen. Zusammen hätten wir einen Plan entwickelt, dem selbst Zaid nichts entgegenzusetzen hätte.

14.09: Wieder zurück. Die Kinder müssen 5m Abstand halten. Ich bin das Böse.

SMS für SMS legte sich ein schwerer Eisenring nach dem anderen um mein Herz. Eingeängt. Wie konnte er es wagen. Was hatte er schon mit den Kindern zu schaffen. Amani. Niemand war für dich da. Ich hätte da sein müssen. Hätte dich in den Arm nehmen müssen, hätte einen Weg finden müssen dich und sie zusammen zu bringen.

21.09: So viele Tränen und nicht genug. Wo bist du? Sags nicht, aber melde dich.

Meine neugewonnene Tatkraft verflog. Ich bin hier Amani. Ich will nichts weiter als zu dir kommen, dir helfen. Aber ich war nicht da. Ich konnte nichts sagen, habe mich nicht gemeldet. Ich war tot.

28.09: Hast du mich auch verlassen? Wolltest du mich nicht nie verraten?

Nein. Ja. Ich wollte es nicht Amani, du musst mir glauben ich wollte es nicht. Aber was ich wollte war nicht von Bedeutung. In seinem Stahlgefängnis erstarrte mein Herz zu Eis. Sie hatte Recht. Ich hatte sie verlassen. War nicht für sie dagewesen. Bin wie immer nur weggelaufen. Und dann habe ich den ultimativen Rücktritt angetreten und bin gestorben. Ja Amani, ich habe dich verraten. Aber nicht nur das ich habe auch mich verraten. Wie sollte ich es nur jemals wieder gut machen. Ich hatte alles verraten was mir lieb und teuer war. Ich hatte meine Liebe zu dir verraten. Aber nicht erst jetzt. Seit 10 Jahren schon. Schon immer hatte ich alles verraten.

05.10: Ohne Sinn und Sinne. Zuschauerin in meinem eigenen Leben. Hasst du mich auch?

Leere. Sie breitet sich aus in mir. Absolute Leere, der Schlund der Fresserin, ich konnte spüren wie er sich langsam in meinen Eingeweiden öffnete. Beiseite schob, was ich nicht mehr, was ich nie wieder brauchen würde. Und dann begann sie mich zu verschlingen. Erst langsam und dann immer schneller wurde mein ganzes Sein von Verzweiflung von Leere überflutet und fortgerissen. Nichts würde von mir übrig bleiben, nur eine leere Hülle. Nur die Haut einer Libelle.

12.10: Ich ertrage das alles nicht mehr. Keine Kraft mehr.

Die letzte SMS fehlte.

Mein Herz blieb stehen.

Tränen schossen mir in die Augen.

Nur ein einziges Wort kam über meine Lippen. Es brach hervor wie ein Vulkanausbruch, ertönte wie das Brüllen eines Löwen: „Nein!“

Es durfte nicht sein. Ich wollte doch alles wieder in Ordnung bringen! Bint-Anat hatte gesagt, wir würden alles wieder in Ordnung bringen. Ich hatte versagt. Ich hatte zu lange gebraucht. Alles war verloren. Dafür war ich nicht wiedergeboren worden.

Aber Naranj ließ sich von meinem Zusammenbruch nicht beirren. Sie zerrte mich in einen anderen kühlen Raum, fort aus der Sonne, in der ich sonst sicherlich abermals ausgeharrt hätte, bis nur noch eine verdorrte Hülle übrig gewesen wäre. Sie brachte mich in ihr Arbeitszimmer, ihren Computerraum.
Und was für eine Anlage sie besaß, überall summten die Lüfter. Auf verschiedensten Bildschirmen blinkten die unterschiedlichsten Statusmeldungen auf, alle waren beschäftigt.

Neugierig beobachtete ich Naranj, während sie mit einigen schnellen Handgriffen nicht nur Totenanzeigen, sondern auch Listen mit Patienten in den verschiedensten Krankenhäusern aufrief. Beeindruckend, so vertrieb sich eine kleine blonde Frau also die Zeit in der Wüste.
Amani war nicht gestorben und befand sich auch in keinem der Krankenhäuser.
Ich war mir nicht ganz sicher, ob sie wirklich noch lebte, aber Naranj blieb zuversichtlich und so begann ein winzig kleiner Funken Hoffnung tief in mir zu glimmen, begann erneut ein Feuer zu entfachen.

Nachdem ich Amani eine SMS geschrieben hatte, in der ich einiges erklärte, ohne dabei die Aminte zu enthüllen ging es mir etwas besser. Die unmittelbare Gefahr war hoffentlich gebannt. Also tat ich Naranj den Gefallen und unterhielt mich mit ihr. Sie erzählte mir von den Ägyptischen Göttern, den Konflikten, die es um dieses Land gegeben hatte und wie sie sich zu einem Konflikt um die ganze Welt ausgeweitet hatten. Das meiste wusste ich bereits, aber Naranj und auch meine Erinnerungen, die ich wohl von Bint-Anat geerbt hatte, halfen mir dabei, alles besser zu verstehen. Zusammenhänge und Probleme traten vor mein inneres Auge, Dinge, die in Ordnung gebracht werden mussten.

Als Aminte standen mir auch die Hekau, alte ägyptische Zauber, zur Verfügung um zu tun, was getan werden musste. Naranj schien mir um einiges voraus und brachte mir im Schnellverfahren einige einfache Tricks bei. Irgendwann später würden wir uns um kompliziertere Hekau kümmern, aber jetzt blieb keine Zeit. Ich wollte das Sechet-Iaru und die tiefsten Abgründe der Duat in Bewegung setzen, um Amani zu helfen.

Aber wo sollte ich nur anfangen?
Ich entschied mich dafür, bei Naranj anzufangen und so erzählte ich ihr die lange traurige Geschichte meines Lebens. Gebannt hörte sie zu und anders als ich bei ihrem abendländischen Aussehen vermutet hätte, wandte sie sich nicht von mir ab, sondern wollte mir helfen. Sie selbst musste hier beim Tempel des Ammun bleiben und gemeinsam mit ihren Helfern, sie bestand auf dieses Wort, die Häuser instand halten und eventuelle Aminte auf ihrer Hadsch in Empfang nehmen, auch wenn nur selten jemand hier eintraf.

Aber vor kurzem waren einige andere Aminte wiedergeboren worden, Abendländer aus Helsinki, an die ich mich wenden könnte, die mir bestimmt helfen würden.
Helsinki? Zufälle gibt es nicht, hätte Wittgenstein jetzt gesagt und ich beschloss, mir dieses Motto zu eigen zu machen. Auch die Gehirnprobe aus Uganda musste immer noch nach Helsinki. Die Sonne hatte vermutlich so einiges verdorben und mir graute schon vor einem erneuten Ausflug in das Epidemiegebiet, aber Naranj hatte seit meiner Ankunft die Kühlbox in Stasis versetzt.
Es war eines der Hekau, die sie mich gelehrt hatte. So lange man sich regelmäßig auf einen bestimmten Gegenstand konzentrierte, konnte man ihn in dem Zustand erhalten, in dem er war.
Darum musste Naranj auch hier bleiben. Die Häuser bestanden aus einem wasserlöslichen Gestein und vor einem halben Jahrhundert hatte der Regen sie geschmolzen.
Heute aber verhinderte sie, dass so etwas noch einmal geschehen würde.

Trotzdem würde sie riskieren, mich nach Misr zu fahren. Ich hatte keinen Führerschein und aus mir unbekannten Gründen wollte sie keinen der Helfer schicken. Ich glaube, so eine Oase in der Wüste konnte ganz schön langweilig werden und sie brauchte einfach etwas Abwechslung.

Sie raste wie eine Verrückte, beherrschte ihren Jeep aber mindestens so gut wie ihren Computer und so kamen wir nach einer fünfstündigen Fahrt in Misr an. Dort musste ich mich leider auf unbestimmte Zeit verabschieden, aber wir tauschten Telefonnummern und dergleichen aus, um in Kontakt zu bleiben.
Ich würde ihre fröhliche Art sehr vermissen, vor allem oben im kalten Norden, wo alles dunkel und grau war.
Die drei Tage in ihrer Oase und auch unsere Gespräche während der Autofahrt hatten mir gut getan.
Sie war der einzige Mensch, der alles über mich wusste.
Und dabei war sie nicht einmal ein Mensch.

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